Der zweite Akt: Im zweiten Drittel blockt Dorofeyev einen gegnerischen Schuss mit der Innenseite des Knies. Er ist verletzt und verschwindet zunächst für weitere Behandlungen in der Kabine. Ein paar Wechsel später aber ist einer von Vegas Top-Spielern zurück.
„Man könnte es als Verletzung bezeichnen. Ich habe einfach einen Schuss geblockt. Das ist der schwere Teil meines Jobs. Aber es tut mehr weh, wenn du diesen Schuss nicht blockst“, so Dorofeyev. „Ich habe mich gesammelt und bin aufs Eis zurückgekehrt.“
Der dritte Akt: Ein Tunnel per eingesprungenem Rückhand-Abstauber von Tomas Hertl zum 2:1 für die Golden Knights (45.) sowie der späte Ducks-Ausgleich durch Olen Zellweger (57.) ließen den Spannungsbogen nach oben schnellen. Nach 60 Minuten geht es beim Stand
von 2:2 in die Verlängerung. Bei 4:10 Minuten spielt Jack Eichel einen Querpass vor dem gegnerischen Tor, der nach oben abgefälscht wird. Am zweiten Pfosten hat sich Dorofeyev in Stellung gebracht, schwingt seinen Hockeyschläger voll durch und donnert den Puck aus der Luft zum 3:2-Siegtreffer unter die Latte. In der T-Mobile Arena fliegt gefühlt das Dach weg.
„Um ehrlich zu sein, kann ich gar nicht sagen, was da passiert ist. Ich habe einfach den Puck gesehen und mit dem Schläger danach geschlagen, zum Glück ist er reingegangen“, beschreibt Dorofeyev sein Goldenes Tor, das ihn zum Helden des Abends macht.
Erfahrung trägt Vegas in diesen Momenten
„Der Puck scheint ihm einfach zu folgen. Er redet nicht viel. Er geht einfach raus und spielt“, sagt Vegas-Trainer John Tortorella über Dorofeyev. „Er ist ein guter Zwei-Wege-Spieler. Nicht nur er, sondern das ganze Team hat heute Abend eine hervorragende Leistung gezeigt. Ich bin stolz auf die Mannschaft.“
„Ein großartiges Spiel von ‚Pav‘“, attestierte auch Golden Knights-Verteidiger Rasmus Andersson. „Ich glaube, jeder, der unsere Spiele verfolgt, weiß, dass er ein Elite-Torjäger ist. In den Playoffs muss man manchmal einen Schuss fressen oder einen Check einstecken - und das war ein großartiger Block von ihm. Dann zurückzukommen und den Siegtreffer in der Verlängerung zu erzielen, das ist einfach großartig. Es sind solche großen Spielzüge, die zu großen Momenten führen.“
Um in genau diesen Momenten auch nervlich bestehen zu können, hat Vegas eine Mannschaft mit viel Erfahrung gebaut.
„Wir haben jede Menge davon, oder?“, stellt Tortorella eine rhetorische Frage. „Darauf kann man sich verlassen. Ich bin mir nicht sicher, was besser ist: Erfahrung oder Jugend, wenn man keine Ahnung hat, was vor sich geht, und man den Druck nicht versteht, weil man ihn einfach nicht kennt. Wir sind ein erfahrenes Team. Wir sind eine Mannschaft aus Routiniers, und darauf verlassen sich unsere Jungs. Nach einem Sieg ist es leicht, darüber zu reden, aber selbst, wenn wir verlieren, mache ich mir keine Sorgen um die Mannschaft. Ich muss da nicht eingreifen. Das ist das Vertrauen, das wir in sie haben, und, was noch wichtiger ist, das Vertrauen, das sie untereinander haben.“