COL@TBL, Sp6: Kapitän Landeskog erhält Stanley Cup

Schon seit zwei Jahren galten die Colorado Avalanche als einer der Favoriten auf den Titel. In den Stanley Cup Playoffs 2022 gelang es ihnen die Rolle des Titelanwärter-Nummer-Eins auch auf das Eis zu bringen. Am Ende siegten die Avalanche in Spiel 6 der Stanley Cup Finals gegen die Tampa Bay Lightning und sicherten sich mit dem 2:1-Erfolg den dritten Titel der Franchise-Geschichte.

Mit Nico Sturm gewann zum fünften Mal ein deutscher Spieler den Stanley Cup. Zuvor gelang es Philipp Grubauer (2018, Washington Capitals), Tom Kühnhackl (2016 und 2017, Pittsburgh Penguins), Dennis Seidenberg (2011, Boston Bruins) und Uwe Krupp (1996, Colorado Avalanche).
Die Bürde des Favoriten
Zu Saisonbeginn wurden die Avalanche fast immer als der Top-Favorit auf den Stanley Cup genannt. Die Mannschaft musste zwar den Abgang von Nummer-Eins-Torhüter Grubauer verkraften, konnte den Kern aber sonst zusammenhalten. Mit der schlagkräftigen Offensive um Gabriel Landeskog, Nathan MacKinnon und Mikko Rantanen und dem Top-Verteidiger Cale Makar war klar, dass der Titelgewinn nur über Colorado gehen würde.
Makar ließ genau das schon bei seiner Verlängerung im Juli 2021 durchblicken. "Ich denke das zeigt, das Vertrauen, dass das Programm in mich hat, als auch das Vertrauen von meiner Seite. Ich glaube an diese Organisation und daran, wohin uns die Zukunft bringen wird."

Sturms Wechsel zum Titelgewinner
Mit Nico Sturm durfte sich am Sonntag auch ein Deutscher über den Titelgewinn freuen. Der Augsburger begann die Saison zwar bei den Minnesota Wild, wurde aber am 15. März zu den Avalanche getradet. Seine Attribute schienen Colorado etwas zu geben, das sie für den Titelgewinn noch benötigen würden. "Nico ist ein großer, starker Stürmer, der auch defensiv sehr präsent ist. Er ist ein defensiv ausgerichteter Center, der sich offensiv einbringen kann, gut im Spiel nach vorne ist und im Penalty Killing seinen Beitrag leisten kann", beschrieb Joe Sakic, Executive Vice President und General Manager der Avalanche, den neu akquirierten Angreifer nach dem Trade.
Sturm befand sich plötzlich bei einem Titelkandidaten unter Vertrag und brachte seine Stärken ein. In 21 Saisonspielen bereitete er drei Treffer vor und gewann 54,63 Prozent seiner Anspiele. In den Playoffs musste er häufig als überzähliger Spieler auf der Tribüne Platz nehmen, um dann im Finale seine defensiven Fähigkeiten ausspielen zu können. Er stand in 13 Begegnungen auf dem Eis, bereitete zwei Treffer vor, darunter auch einen in Spiel 5 der Finalserie.

Nico Sturm im Interview nach dem Stanley Cup Triumph

Der Angriff als Prunkstück in Colorado
Kaum eine Mannschaft kann mit einer Offensive mithalten, wie sie die Avalanche aufbieten können. Landeskog, Rantanen und MacKinnon gehören zu den besten Angreifern der Liga und spielten schon in den Jahren zuvor die gegnerischen Defensiven schwindelig. Sie gelten nicht umsonst als eine der besten Angriffsformationen der Liga. In den Playoffs zeichnete sich das Trio für 29 der 85 erzielten Tore verantwortlich, spielte dabei aber auch getrennt voneinander.
Neben den drei Top-Stürmern können die Avalanche auch auf viel Kadertiefe zurückgreifen. 19 der 21 eingesetzten Akteure sammelten in den Playoffs punkte. Mit Nazem Kadri und Andre Burakovsky schoben sich in der regulären Saison zwei Angreifer unter die teaminternen Top-Fünf-Scorer vor Landeskog, der nur 51 Spiele absolvieren konnte.
In den Playoffs konnte kein Team die Avalanche in der Statistik nach Toren pro Partie (4,25) übertrumpfen. In der regulären Saison lagen sie mit 3,76 Treffern pro Spiel auf dem vierten Rang.

COL@TBL, Sp3: Landeskog trifft in Überzahl

Makar ragt in der Defensive heraus
Bei den Verteidigern ist klar, dass das Hauptaugenmerk auf Cale Makar liegt. Der Defender gewann die Norris Trophy und die Conn Smythe Trophy. Er wurde damit als bester Verteidiger der regulären Saison und als bester Spieler der Playoffs geehrt. 86 Punkte in 77 Hauptrundenspielen (27 Tore, 58 Assists) und der teaminterne Bestwert von 29 Punkten in 20 Playoff-Begegnungen (8 Tore, 21 Assists) unterstreichen, wie offensivstark Makar ist. Nebenbei konnte er sich auch mit starken Plus-Minus-Bilanzen (+48 und +7) beweisen.
Mit Devon Toews hatte Makar einen Partner an seiner Seite, der seine beste Saison in der NHL ablieferte. Seine Plus-Minus-Bilanz von +52 war der ligaweit viertbeste Wert und auch seine 57 Hauptrunden-Zähler übertrafen seinen bisherigen Bestwert (31, 2020/21) um 26 Punkte.
Hinter den beiden standen mit Jack Johnson und Josh Manson zwei eher defensiv orientierte Verteidiger. Bowen Byram konnte mit 30 Hauptrunden-Spielen und 20 Playoff-Begegnungen den Sprung in die NHL schaffen und sicherte sich in seinem ersten vollen NHL-Jahr den Stanley Cup.
Torhüter als vermeintlicher Schwachpunkt
Nicht viel konnte man an der Mannschaftszusammenstellung der Avalanche vor der Saison kritisieren, doch der Abgang von Grubauer wog schwer. Der deutsche Schlussmann war die klare Nummer Eins im Tor der Avalanche gewesen, die ihm durch die Restriktionen des Salary Cap aber nicht das Angebot unterbreiten konnten, dass er sich erwartet hatte. Grubauer zog es zu den Seattle Kraken und mit Darcy Kuemper und Pavel Francouz übernahmen zwei Schlussmänner die Aufgabe im Tor von Colorado, die noch unter Beweis stellen mussten, dass sie zu den Besten ihres Fachs gehören.
Kuemper mauserte sich in Colorado zum Starting-Goalie und absolvierte 57 Matches in der regulären Saison. Mit einer 37-12-4-Bilanz, einer Fangquote von 92,1 Prozent und einem Gegentorschnitt von 2,54 konnte er die großen Fußstapfen von Grubauer ausfüllen. In den Playoff musste Kuemper verletzt einige Spiele pausieren, doch Francouz vertrat ihn souverän und blieb in der Meisterrunde ungeschlagen.

KuemperFANT

Pure Dominanz in Überzahl
Die herausragende Offensive der Avalanche unterstrich mit einem Mann mehr auf dem Eis ihre Klasse noch deutlicher. 32,8 Prozent der Überzahlsituationen in den Playoffs konnten sie in Tore verwandeln. Sie steigerten sich dabei von den schon starken 24,0 Prozent aus der regulären Saison. In den sechs Finalspielen blieben sie nur in den Partien fünf und sechs ohne Treffer bei nummerischer Überlegenheit. Mit Makar und Rantanen stellten sie zwei der drei Akteure, die die Statistik der Überzahlpunkte in den Playoffs anführten. Beide sammelten zwölf Zähler und glänzten dabei besonders als Vorlagengeber (10 Makar, 11 Rantanen).
In Unterzahl lag die Quote der Avalanche bei 80,4 Prozent in den Playoffs. Gerade in den entscheidenden Finalspielen fanden sie hier aber ihre Stärke und lieferten mit 89,5 Prozent überstandener Shorthanded-Situationen eine fantastische Quote.

Das Beste vom Stanley Cup Finale 2022 in 9 Sprachen

Die perfekt passenden Puzzlestücke
Mit Darren Helm, Artturi Lehkonen, Andrew Cogliano und Josh Manson konnten sich die Avalanche genau die Verstärkungen sichern, die sie noch benötigten, um vom Titelanwärter zum Titelträger zu avancieren. Besonders Lehkonen war mit dem Tor zum Titelgewinn von besonderer Bedeutung. Am 21. März akquirierte Colorado den Angreifer von den Montreal Canadiens. Helm schloss sich schon vor der Saison den Avalanche an und brachte die Erfahrung von einem 2008 gewonnen Stanley Cup mit. Allgemein brachten die Verpflichtungen, genau wie die von Sturm, die nötige Tiefe im Kader für einen langen Lauf in den Playoffs.
Zusätzlich war die Heimstärke ein wichtiger Schlüssel, der das Selbstvertrauen weiter stärkte. Der 4:1-Erfolg gegen die Buffalo Sabres am 30. Januar markierte eine Siegesserie von zehn Partien und einen positiven Lauf von 18 Heimauftritten.
Bednar ein Titelgarant
Seit der Saison 2016/17 ist Jared Bednar Hauptverantwortlicher hinter der Bande bei den Avalanche. Mit dem Stanley Cup Triumph 2022 schrieb der Coach Eishockeygeschichte. Als erstem Trainer gelang es ihm mit den von ihm betreuten Mannschaften den Kelly Cup (ECHL, South Carolina Stingrays), den Calder Cup (AHL, Lake Erie Monsters) und den Stanley Cup zu gewinnen.

Bednar

Fast problemlose Playoffs
Der Playoff-Run der Avalanche begann wie sie ihn sich nicht besser hätten vorstellen können. Ein 4:0-Sweep gegen die Nashville Predators bescherte dem Team aus Denver Selbstvertrauen und eine Erholungspause vor der zweiten Runde, in der sie auf die St. Louis Blues trafen.
Die zweite Runde gestaltete sich kniffliger als das Duell mit den Predators. St. Louis zwang die Avalanche in Spiel 1 in die Overtime und konnte die Serie in der zweiten Partie ausgleichen. Zwei deutliche Siege (5:2 und 6:3) später schien Colorado den Widerstand der Blues gebrochen zu haben. Diese gaben sich jedoch nicht auf und siegten in Denver mit 5:4 nach Verlängerung. Erst in Spiel 6 gelang Colorado der serienentscheidende Sieg, als sie im Enterprise Center mit 3:2 knapp gewannen.
Das Conference Finale gegen die Edmonton Oilers startete mit einem Torfestival 8:6 lautete der Spielstand nach den ersten 60 Minuten der Serie und die Avalanche hatten das bessere Ende für sich. In Spiel 2 bekamen sie ihre Defensive in den Griff und gewannen ungefährdet mit 4:0. Auch die beiden Auswärtsmatches gegen die Oilers um Connor McDavid und Leon Draisaitl konnte Colorado erfolgreich gestalten. Lehkonen war es dabei, der den entscheidenden 6:5-Overtime-Treffer in Spiel 4 zum zweiten Avalanche-Sweep der Playoffs erzielte.
Im Finale stand Colorado mit den Tampa Bay Lightning der Titelverteidiger gegenüber. In einer engen Serie behielt Colorado gegen das erfahrene Team die Nerven und konnte die beiden Heimspiele zu Beginn des Finals gewinnen (4:3 OT, 7:0). In Tampa Bay zeigte sich die Klasse der Lightning, die erst den Anschluss schafften (6:2) und dann unglücklich in der Verlängerung (2:3 OT) unterlagen. Zwei enge Spiele später (2:3 und 2:1) durfte Colorado den Stanley Cup in die Höhe recken.