05-11 Five slap shots

Der Druck ist zurück in dieser Serie der Stanley Cup Playoffs 2026 – und wie: Nach zwei überzeugenden Siegen der Colorado Avalanche  (9:6 und 5:2) haben die Minnesota Wild am Samstag mit einem deutlichen 5:1-Erfolg in Spiel 3 der Zweiten Runde in der Western Conference ein Ausrufezeichen gesetzt und die Best-of-7-Serie auf 1:2 verkürzt. 

Vor heimischer Kulisse in der Grand Casino Arena präsentierten sich die Wild nach zwei Auftaktniederlagen in Denver vor den eigenen Fans aggressiv, effizient und defensiv stabil. Nun steht am heutigen Montag (8 p.m. ET; Di. 2 Uhr MESZ) das womöglich richtungsweisende vierte Duell an: Gelingt Minnesota der Ausgleich, wäre die Serie komplett neu eröffnet. Holt Colorado hingegen den dritten Sieg, hätten die Avalanche beste Chancen, die Runde frühzeitig zu ihren Gunsten zu entscheiden und in das Western Conference Finale einzuziehen.

Alle wichtigen Szenen aus dem Spiel zwischen den Minnesota Wild und den Colorado Avalanche

Minnesotas Powerplay findet endlich den Schlüssel

Einer der größten Unterschiede in Spiel 3 waren Minnesotas Special Teams. Nachdem das Powerplay sowohl gegen die Dallas Stars in der Ersten Runde als auch in den ersten beiden Partien gegen Colorado kaum Wirkung entfaltet hatte, platzte der Knoten nun eindrucksvoll. Zwei von drei Möglichkeiten konnten zu einem Treffer genutzt werden. Bereits früh brachte Kirill Kaprizov die Wild zunächst bei 4-gegen-4 in Führung, ehe Quinn Hughes kurz darauf mit dem ersten echten Powerplay-Tor des Teams in dieser Serie auf 2:0 (7.) erhöhte.

Auch Ryan Hartmans Treffer zum 3:0 (25.) fiel mit einem Mann mehr auf dem Eis und sorgte letztlich für den Torhüterwechsel bei Colorado. Hartman betonte nach der Partie, dass sich die Chancen bereits zuvor angedeutet hätten: „Wir hatten unsere Möglichkeiten in den letzten Spielen. Wir haben einige Dinge analysiert, Anpassungen vorgenommen und das zu unserem Vorteil genutzt.“

Die neue Effizienz im Überzahlspiel könnte sich als entscheidender Wendepunkt der Serie erweisen. Gerade gegen ein defensiv starkes Colorado-Team braucht Minnesota diese zusätzliche Offensivwaffe, um konstant Druck aufzubauen.

Konsequenz statt Passivität: Wild lernen aus früheren Fehlern
Während Minnesota in der regulären Saison und auch in früheren Playoff-Momenten häufiger Probleme hatte, Führungen konsequent zu verteidigen, zeigte sich das Team in Spiel 3 bemerkenswert reif. Statt sich nach der frühen Drei-Tore-Führung zurückzuziehen, blieb die Mannschaft von Coach John Hynes aggressiv und suchte weiter den Weg nach vorne.

Besonders bezeichnend: Nachdem Colorado im zweiten Drittel erstmals verkürzen konnte, antwortete Brock Faber nur 20 Sekunden später mit dem 4:1 (34.). Diese direkte Reaktion unterstrich die neue mentale Stabilität.

Hartman erklärte die veränderte Herangehensweise deutlich: „Sie sind offensiv extrem gefährlich. Die beste Verteidigung ist, den Puck selbst in der Offensivzone zu halten und die Führung auszubauen.“ Diese Konsequenz könnte auch in Spiel 4 entscheidend werden. Denn Colorado verfügt mit Nathan MacKinnon und Co. jederzeit über genug Qualität, um Spiele innerhalb weniger Minuten zu drehen.

COL@MIN, Sp3: Hughes ist im Powerplay aus dem hohen Slot erfolgreich

Physis und Wallstedt als Erfolgsfaktoren

Neben dem verbesserten Powerplay war auch Minnesotas körperbetontes Spiel ein zentraler Faktor. Die Wild erhöhten ihre physische Präsenz deutlich, gewannen wichtige Zweikämpfe und setzten Colorado damit stärker unter Druck als zuvor.

Zudem zeigte Torhüter Jesper Wallstedt (97,2 Prozent Fangquote) nach seinem schwierigen Auftakt in Spiel 1 (81 Prozent) eine eindrucksvolle Reaktion. Der junge Goalie, der nach Filip Gustavssons Einsatz in Spiel 2 (81,8 Prozent) wieder zwischen die Pfosten zurückkehrte, überzeugte mit 35 Paraden bei 36 Versuchen des Gegners und strahlte große Ruhe aus.

Sein Mantra blieb dabei unverändert: „Es steht immer 0:0. Jeder Schuss, jede Parade. Du spielst immer weiter, egal wie der Spielstand ist.“ Wallstedts Stabilität gibt Minnesota neue Sicherheit. Sollte er dieses Niveau bestätigen, könnte er endgültig zum X-Faktor dieser Serie werden.

Colorado vor heikler Torhüterfrage

Auf Seiten der Avalanche richtet sich der Fokus vor Spiel 4 besonders auf Trainer Jared Bednar und dessen Entscheidung im Tor. Scott Wedgewood, bislang stark in diesen Playoffs (91,1 Prozent), musste nach drei Gegentoren auf nur zwölf Schüsse weichen. Mackenzie Blackwood übernahm, zeigte solide Ansätze (92,3 Prozent Fangquote, zwölf Saves bei 13 Schüssen der Wild) und könnte nun ernsthaft als Starter in Frage kommen. Bednar ließ seine Entscheidung offen: „Wir werden darüber sprechen und dann eine Entscheidung treffen.“

Wedgewood war über weite Strecken der bisherigen Playoffs verlässlich, doch erste Ermüdungserscheinungen könnten eine Rolle spielen. Blackwood wiederum wirkte nach langer Verletzungspause zunehmend stabiler. Die Wahl des Starters ist deshalb weit mehr als eine Personalie, sie könnte Einfluss auf das Selbstvertrauen der gesamten Mannschaft haben. Colorado braucht vor allem von seinen sekundären Sturmreihen deutlich mehr Produktion, nachdem Bednar in Spiel 3 fast ausschließlich Nathan MacKinnons Formation als offensive Gefahr wahrnahm.

Spiel 4 als möglicher Wendepunkt

Die Ausgangslage für den Abend ist klar: Minnesota hat mit dem dominanten Heimsieg gezeigt, dass Colorado verwundbar ist. Die Wild besitzen nun die Chance, die Serie auszugleichen und sämtliches Momentum auf ihre Seite zu ziehen.

Colorado dagegen steht vor einer Charakterprüfung. Die Avalanche müssen Antworten auf Minnesotas physisches Spiel, das verbesserte Powerplay und die wiedergewonnene Defensivstabilität finden.

Spiel 4 dürfte deshalb nicht nur das wichtigste Duell der Serie bislang sein, sondern möglicherweise bereits die Vorentscheidung darüber bringen, wer in dieser packenden Zweitrundenserie langfristig die Oberhand behält.

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