Die Highlights und spielentscheidenden Szenen aus dem Spiel zwischen den Minnesota Wild und den Colorado Avalanche

Die Fans der Minnesota Wild durften sich am Samstag erneut über das Ende einer langen Durststrecke freuen. Sie stehen nicht nur zum ersten Mal seit elf Jahren in der zweiten Runde der Stanley Cup Playoffs, nun fuhren sie auch ihren ersten Sieg in der zweiten Runde seit genau zwölf Jahren ein. In Spiel 3 ihrer Serie schlugen sie die Colorado Avalanche zu Hause in der Grand Casino Arena mit 5:1. In der Serie steht es nun 2:1 für Colorado. An Minnesotas Erfolg ist Superstar Kirill Kaprizov maßgeblich beteiligt. Mit drei Punkten übernahm er am Samstag den Spitzenplatz als alleiniger Topscorer der Playoffs.

„Ich dachte schon, dass uns die Pause gut tun würde“, ließ Trainer John Hynes nach einer drei spielfreien Tagen zwischen Spiel 2 und 3 wissen. „Die Jungs haben die Pause gut genutzt. Wir haben einige Arbeit geleistet und uns ausgeruht und erholt. Heute sind wir mit einer Leistung aufgetreten, die uns eine Chance auf den Sieg gegeben hat.“

Kaprizov gibt den Startschuss

Die Wild kamen von Anfang an gut ins Spiel, doch nach einer Viertelstunde musste sich der Spitzenstürmer durchsetzen, um die Führung zu ergattern. Während beide Teams einen Mann auf der Strafbank hatten und nur mit vier Spielern auf dem Eis waren, lief Kaprizov mit viel Geschwindigkeit geradlinig zum Tor, zog an Torwart Scott Wedgewood vorbei und jagte den Puck hinter ihm aus spitzem Winkel in die Maschen (16.).

„Das ist natürlich ein Luxus. Wenn Quinn Hughes, Kirill und Matt Boldy mit dir auf dem Eis sind, kannst du nicht zum falschen Spieler passen“, schwärmte Verteidiger Brock Faber. „Er hat Gas gegeben. Er hat nie härter gearbeitet als heute. So wird er weitermachen. Er war selbstbewusst. Er wollte der beste Spieler sein und er war auf jeden Fall einer der Besten.“

COL@MIN, Sp3: Kaprizov gibt mit dem 1:0 den Startschuss

Nur 93 Sekunden später war Kaprizov am 2:0 durch Quinn Hughes im Powerplay beteiligt (17.) und bei Ryan Hartmans 3:0 in Überzahl sammelte er in der 25. Minute seinen zweiten Assist und dritten Punkt des Spiels.

„Kirill hat heute extrem hart gearbeitet und hat zu seinem Spiel gefunden“, lobte Hynes. „Es war schön, das zu sehen. Wenn er das macht, sieht man, was er für einen Einfluss auf das Spiel hat. Er ist mit gutem Beispiel vorangegangen. Wir wussten, dass wir uns in einigen Bereichen verbessern müssen. Vieles hat uns in den ersten beiden Spielen gefallen, wir sind nur nicht dafür belohnt worden. Heute haben wir das geschafft. Wir haben gekämpft. Beide Teams haben hart gearbeitet. Diese Art von Spiel gibt uns die beste Chance zu gewinnen.“

Damit hatten die Wild den Avalanche dank Kaprizov so zugesetzt, dass Trainer Jared Bednar Wedgewood für Mackenzie Blackwood auswechselte. Später traf Faber, der ebenfalls zwei Assists beisteuerte, noch zum 4:1 (34.) und Boldy sorgte mit einem Empty-Netter für den Endstand (60.).

Kaprizov ist auf bestem Weg, sich weiter in den Geschichtsbüchern der Wild zu verewigen. Er steht in den diesjährigen Playoffs nun mit 14 Punkten (vier Tore, zehn Assists) in neun Spielen alleine auf Platz eins. Den Franchise-Rekord für die meisten Punkte in einem Playoff-Jahr stellte Marian Gaborik 2003 mit 17 Zählern (neun Tore, acht Assists) auf.

Außerdem hält Kaprizov nun den Rekord der Wild für die meisten Playoff-Spiele mit mindestens zwei Assists. Das gelang ihm schon zum fünften Mal. Mit 35 Playoff-Punkten in seiner Karriere liegt er noch zwei Zähler hinter dem Franchise-Rekord von Zach Parise (16 Tore, 21 Assists), mit 16 Assists sechs Vorlagen hinter dem Rekordhalter und aktuellen Kapitän Jared Spurgeon und mit 19 Toren hält er bereits den Bestwert in Minnesota.

Härte und Special Teams machen den Unterschied

Nicht nur die Qualität von Kaprizov und Hughes waren ein entscheidender Faktor zum Sieg. Von der ersten Minute an setzte Minnesota mit deutlich mehr Härte ein klares Zeichen. Das körperbetonte Spiel ist mittlerweile eine große Stärke der Mannschaft, die gegen die Avalanche aber in den ersten beiden Begegnungen noch nicht zur Geltung gekommen war.

Während das Verhältnis an Checks mit 55:54 zugunsten von Minnesota in den ersten beiden Spielen ausgeglichen war, dominierten die Wild Spiel 3 mit 39:25 Checks. Besonders die vierte Reihe der Brüder Marcus Foligno und Nick Foligno mit dem deutschen Center Nico Sturm machte früh viel Druck im Forecheck und suchte den Körperkontakt. Am Ende führte Marcus alle Spieler mit neun Checks an, während Nick auf sechs Hits kam, Sturm auf zwei.

Ein weiterer Unterschied zu den ersten beiden Spielen waren die Special Teams. Colorado dominierte die Serie in dieser Kategorie bisher deutlich. Die Avalanche nutzten drei ihrer sieben Gelegenheiten in Überzahl (42,9 Prozent), während Minnesota kein einziges seiner fünf Powerplays nutzen konnte. Am Samstag verwandelten die Wild zwei ihrer drei Chancen, Colorado nur eine von drei.

COL@MIN, Sp3: Hughes ist im Powerplay aus dem hohen Slot erfolgreich

Außerdem konnte Minnesota auf die beste Torwartleistung der Serie bauen. In Spiel 1 kassierte Jesper Wallstedt beim 6:9 (ein Empty-Netter) acht Tore. In Spiel 2 wurde er durch Filip Gustavsson ersetzt, der beim 2:5 (ein Empty-Netter) vier Gegentore bei 22 Schüssen zuließ. Am Samstag stand Wallstedt wieder zwischen den Pfosten und spielte erstklassig. Beim einzigen Gegentor bei 23 Schüssen war er chancenlos, da sein eigener Verteidiger Daemon Hunt Colorados Kapitän Gabriel Landeskog gegen Wallstedt gecheckt hatte.

„Ich hatte keinen Zweifel, dass er wieder in Form kommt“, versicherte Hynes. „So ist er und wir haben ihn in Spiel 2 aus den richtigen Gründen nicht eingesetzt. Heute hat man das Ergebnis gesehen. Er ist ein Kämpfer. Er war echt gut. Er hat sofort wieder zu seinem Spiel gefunden. Er hat in den Playoffs bewiesen, dass ihm der Druck nichts ausmacht. Er ist sehr konstant, sehr stabil. Es war gut, heute so eine Leistung von ihm zu sehen.“

Zurück im Rennen

Hätten die Wild dieses Spiel verloren, wäre es bereits eine Vorentscheidung gewesen. Ein 0:3-Rückstand in einer Best-of-7-Serie wurde in der Geschichte der NHL erst vier Mal gedreht. Gerade gegen so ein starkes Team wie Colorado wäre die Serie so gut wie verloren gewesen. Die Avalanche hatten in der ersten Runde bereits die Los Angeles Kings mit einem Sweep in vier Spielen aus den Playoffs geworfen und waren bis Samstag noch ohne Niederlage.

Doch nun konnten die Wild sich selbst, ihren Fans und auch dem Gegner beweisen, dass Colorado verlieren und Minnesota gewinnen kann. Passenderweise war es der zwölfte Jahrestag des letzten Siegs der Wild in einem Spiel der zweiten Runde. Am 9. Mai 2014 besiegten sie die Chicago Blackhawks mit 4:2. Gelingt Minnesota in Spiel 4 auf eigenem Eis ein weiterer Sieg, ist die Serie wieder vollkommen offen. Das wichtige nächste Spiel findet am Montag in Minnesota statt (8 p.m. ET, Di. 2 Uhr MESZ).

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