OTT Senators 123

Es tut sich was bei den Ottawa Senators: Die kanadischen Hauptstädter haben ihren neuen Lieblingsgegner Montreal Canadiens am Dienstagabend im Bell Centre mit 4:1 erneut geschlagen und gaben damit die Rote Laterne in der Eastern Conference ab. Der Aufschwung der Senators ist eng mit dem Namen Tim Stützle verbunden, hat dennoch vielschichtige Gründe.
 
Lieblingsgegner Montreal
 
Ottawa landete den zweiten Sieg in Folge und verlängerte seine Punkteserie damit auf vier Spiele (3-0-1). Dabei entpuppten sich Montreal einmal mehr als Lieblingsgegner: Die Senators führen in der Saison-Serie mit 2:0 und hatten bereits den Vergleich in der Vorwoche für sich entschieden (6:2 am 18. Januar 2024). Das jüngste 4:1 bedeutete bereits den achten Sieg in Folge gegen die Canadiens, was Ottawas längste aktive Siegesserie gegen einen Gegner ist. Die letzte Niederlage liegt fast zwei Jahre zurück (1:5 in Montreal am 20. März 2022). In der Franchise-Geschichte der Senators gibt es nur zwei längere Siegesserien mit jeweils neun Siegen gegen die Buffalo Sabres (Februar 2009 bis März 2010) und Florida Panthers (März 2010 bis Februar 2012).
 
An diesem Dienstagabend zeigte Ottawa fast die komplette Klaviatur an verschiedenen Treffern. „Wir hatten ein Unterzahl-Tor, einen Treffer bei 4-gegen-4, ein Empty-Net-Tor und vier verschiedene Torschützen“, zählte Senators-Interimstrainer Jacques Martin auf. „Unser bester Spieler war heute aber unser Torwart, der tolle Paraden gezeigt hat. Es war gut für ihn, um Selbstvertrauen aufzubauen.“
 
Joonas Korpisalo stoppte 24 von 25 Schüssen und kam auf eine Fangquote von 96 Prozent. Der deutsche Mittelstürmer Tim Stützle (18:00 Minuten Eiszeit) steuerte einen Assist bei und kommt auf zehn Punkte (3-7-10) aus seinen letzten sechs Spielen.

Pinto „begeistert“ mit dem ersten Tor seit seiner Rückkehr

Für die Tore zeichneten andere verantwortlich: Ridly Greig (8., in Unterzahl) und Jake Sanderson (9.) sorgten mit einem Doppelschlag binnen 41 Sekunden für einen 2:0-Vorsprung, den Shane Pinto später per Alleingang auf 3:0 ausbaute (27.).

„Die Jungs waren ganz schön begeistert“, sagte Greig zu Pintos Tor. „Pinto hat gesagt, er könne sich nicht mehr an seinen Treffer erinnern. Für uns war es unfassbar zu sehen, wie er getroffen hat.“

Grund dafür ist, dass es für Pinto der erste Saisontreffer war. Der Center war wegen Wetten für die Hälfte der regulären Saison gesperrt worden (41 Spiele Sperre), gab am Sonntag aber bereits ein vielversprechendes Comeback (0-1-1 beim 5:3 bei den Philadelphia Flyers) und steht nun bei zwei Punkten aus zwei Partien (1-1-2).

Dem Treffer vorausgegangen war übrigens ein Zuckerpass von Routinier Claude Giroux.

„Ich habe gesehen, wie er schon an ihrer Defensive vorbeigezogen war und musste ihn nur noch in Szene setzen“, so der 36-Jährige. „Ich wusste, dass er sich so eine Chance nicht entgehen lassen würde und habe mich sehr für ihn gefreut.“

Für Giroux war es der 699 NHL-Assist. Er ist nur noch eine Vorlage davon entfernt, der siebte aktive NHL-Spieler mit 700 zu werden.

Auch durch den Anschlusstreffer der Canadiens durch Johnathan Kovacevic (53.) brachte die Senators nicht mehr aus der Ruhe. Mathieu Joseph sorgte per „Empty Netter“ für die Entscheidung (58.).

„In den ersten zwei Dritteln haben wir uns an das gehalten, was wir uns vorgenommen hatten. Wir waren konstant und haben ein reifes Spiel gezeigt“, sagte Giroux. „Im dritten Drittel haben sie uns das Leben schwer gemacht, aber am Ende des Tages haben wir einen Weg gefunden, zu gewinnen.“

OTT@MTL: Giroux setzt Pinto gekonnt in Szene, auf den Breakaway folgt das erste Saisontor des Rückkehrers

Ein Trend, der Mut macht

Durch den Sieg und die damit verlängerte Punkteserie gab Ottawa (18-24-1) die Rote Laterne in der Eastern Conference an die Columbus Blue Jackets (14-23-9) weiter. Der Weg zu einem Playoff-Platz aber bleibt angesichts von 16 Punkten Rückstand ein weiter. Trotzdem zeigt der Trend klar nach oben.

„Wir spielen besser in der Defensive“, befand Pinto. „Wir lassen nicht viel zu und halten das Spiel einfach. Wenn wir mal wackeln, dann fallen wir nicht. Das konnte man heute auch im dritten Drittel sehen, als der Gegner zehn starke Minuten hatte. Sie haben ein Tor gegen uns geschossen, die meiste Zeit aber konnten wir sie in Schach halten.“

Auch „killten“ die Senators alle fünf Powerplay-Möglichkeiten des Gegners (5/5). Bis zum 16. Januar hatte Ottawa noch das zweitschlechteste PK der Liga (71,7 Prozent), haben sie seitdem das neuntbeste in der NHL (15/17; 88,2 Prozent).

„Insgesamt gehen wir in die richtige Richtung“, befand Headcoach Martin. „Auch wenn noch nicht perfekt war: Das PK war gut, wir hatten einige Strafen zu überstehen. Gleichzeitig müssen wir noch mehr schießen (28:25 Schüsse).“

Trainerwechseleffekt tritt spät ein

Der Trainerwechseleffekt trat bei den Senators also ein wenig verspätet ein. Seit dem 18. Dezember 2023 übernahm Martin als Interimslösung für D.J. Smith. Seitdem hat Ottawa eine 7-9-1-Bilanz (unter Smith: 11-15-0).

Das Besondere am aktuellen Trainergespann ist der Stallgeruch: Martin war bereits knapp acht Jahre Cheftreiner bei Ottawa. Associated Coach Jack Capuano ist in dieser Funktion bereits seit 2019 bei den kanadischen Hauptstädtern aktiv. Assistenztrainer Daniel Alfredsson avancierte zwischen 1995 und 2013 zum Kult-Spieler bei den Senators und fungierte als Kapitän. Seine Nummer 11 wurde unter das Hallendach gezogen und künftig nie wieder vegeben. Seit 2022 ist der Schwede in der Hockey Hall of Fame.

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