Sturm hatte sogar noch eine weitere Verletzung: Gleich im ersten Spiel der Stanley Cup Playoffs in der ersten Runde gegen die Nashville Predators riss er sich das LUCL-Band im Ellenbogen. "Ich musste mit einer großen Schiene unterhalb des Ellenbogens spielen und konnte mich nicht richtig bewegen. Das hat man auch in der Serie gegen die St. Louis Blues gemerkt, denn ich habe meine Leistung nicht abrufen können. Es war fair, dass ich zu dieser Zeit nicht im Kader war. Trotzdem habe ich mich immer so vorbereitet, dass ich im nächsten Tag wieder hätte spielen können. Ich wusste, es kann sehr schnell gehen."
Nach vier Spielen gegen die Nashville Predators folgten zwei Spiele in der 2. Runde gegen die St. Louis Blues und ein Einsatz im Conference Finale gegen die Edmonton Oilers. Für das Stanley Cup Finale war Sturm wieder gesetzt und spielte alle sechs Spiele auf der letzten Etappe zum Stanley Cup Sieg.
"Ich war ein Spieler, der eine Tiefenrolle hatte, das habe ich akzeptiert. Ich habe mir jeden Tag gesagt: So eine Chance bekommst du nie wieder, egal ob du nur 5 Minuten Eiszeit hast. Es war nicht einfach und auch mental anstrengend, Top-Leistungen abzurufen, wenn du zehn Tage nicht im Kader standest. Ich hatte das Glück, das ich im Finale spielen konnte und finde auch, dass ich dort meine besten Spiele gemacht habe. In der dritten und vierten Reihe hat sich das Lineup ständig verändert. Ich hatte aber nie das Gefühl, dass jemand überrascht war oder gedacht hätte, dass jemand wo nicht reinpasst. Das zeichnet eine Top-Mannschaft aus."
Avalanche-Verbleib oder Free Agency?
In sieben bis acht Wochen will der 1,91 Meter große Zwei-Wege-Center wieder an sein Leistungsmaximum kommen. Ob er dann noch ein Spieler der Colorado Avalanche ist, bleibt offen: Sturm wird Unrestricted Free Agent (UFA) und kann als vertragsloser Spieler mit allen anderen Teams verhandeln.
"Ich weiß noch nicht, wo meine Reise hingeht", sagt der Linksschütze. "Ich würde aber gerne nach Colorado zurückkehren. Mit dieser Leadership-Gruppe kann ich mir vorstellen, dass es wieder einen Push gibt. Der Hunger ist unglaublich groß, so etwas noch einmal zu erleben. Auch ich bin jemand, der immer noch besser werden und sich eine größere Rolle erarbeiten kann. Natürlich gibt es Gespräche mit Colorado. Ich weiß aber auch, dass ich dort nicht die Nummer-1-Priorität bin, da müssen vorher noch andere unterschreiben. Die Cap-Situation ist eng, aber es ist auch Interesse seitens des Teams da."
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Als frisch gebackener Stanley Cup Champion weckt Sturm natürlich auch Begehrlichkeiten bei anderen Mannschaften. Auch wenn offiziell erst am dem 13. Juli mit anderen Klubs gesprochen werden darf, hat der gebürtige Augsburger bereits Interesse vernommen. "Ich glaube, dass grundsätzlich jeder einen Gewinner in seiner Mannschaft haben möchte", so Sturm. "Einen Spieler, der die Erfahrung gemacht hat, über zwei, drei Monate durch so einen Kampf zu gehen. Es ist sicher auch ein Vorteil, dass wir so lange gespielt haben, denn am Ende schauen sich 30 Mannschaften das Finale an. Ich glaube schon, dass ich mir die Reputation erarbeitet habe, einem Team in der dritten und vierten Reihe helfen zu können."
Bis die Tinte auf dem neuen Vertrag trocken ist, gilt es nun, das Erlebte zu verarbeiten. "Es hat unglaublichen Spaß gemacht. Ich hatte an jedem Tag das Gefühl, ein besserer Spieler geworden zu sein. Auch der Zusammenerhalt außerhalb der Eisfläche war groß. Es wird nun auch den einen oder anderen emotionalen Moment geben, dann diese Mannschaft wird so wohl nie wieder zusammenspielen. Auch ich weiß ja noch nicht, ob ich zurückkomme oder nicht. Das ist schwer, aber ich habe trotzdem jeden Moment mit den Jungs genossen."