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Nico Hischier geht mit den New Jersey Devils in seine neunte NHL-Saison. Der 26-Jährige aus Brig nimmt nicht nur als Kapitän eine Hauptrolle ein, in der Vorsaison war er mit 35 Toren in 75 Spielen auch der Top-Torjäger seiner Mannschaft. Mit NHL.com/de sprach der Schweizer über seine Teamkollegen, Druck und einen neuen Vertrag.

Hallo Nico! Mit etwas Abstand: Wie wäre die letzte Saison ohne diese ganzen Verletzungen verlaufen?

Verletzungen können passieren. So wie ich es sehe, war es ein enttäuschendes Ende, ich war gleichzeitig aber auch stolz darauf, wie die Mannschaft mit dem Ausfall von Jack (Hughes) und anderen wichtigen Spielern umgegangen ist. Wir müssen lernen auch ohne bestimmte Spieler ein gutes Team zu sein. Die Spieler, die zur Verfügung standen, haben alles gegeben. Das ist das Positive, was wir rausziehen können.

Wie gut wird diese Mannschaft sein, wenn Spieler wie Jack und Luke Hughes wieder mit an Bord sind?

Ich denke, dass wir eine sehr schnelle Mannschaft sind, die ein hohes Tempo gehen kann. Mit unserer Geschwindigkeit können wir viele Gegner vor Probleme stellen und Druck ausüben. Die Herausforderung für uns wird sein, diese Schlagzahl über 82 Spiele zu bringen oder Wege zu finden, zu gewinnen, wenn wir mal nicht bei 100 Prozent sind.

Wie sehr wird Jack Hughes für die neue Saison motiviert sein?

Er ist hochmotiviert. Er war ziemlich niedergeschlagen und enttäuscht. Die ganze Mannschaft hat seine Verletzung mitgenommen. Er hatte ein paar größere Operationen in den letzten Jahren. Er wird sich jetzt das ganze Jahr den Hintern aufarbeiten, er ist hungrig und wird gestärkt zurückkommen.

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Was erwartest Du von Sheldon Keefe in seiner zweiten Saison als Euer Trainer?

Sheldon ist ein intensiver Trainer, der ein anstrengendes Training macht. Er setzt uns hohe Standards, ist fordernd, achtet sehr auf die kleinen Details. In den Spielen verfolgt er einen klaren Gameplan, den jeder kennt. Er gibt uns die Voraussetzungen mit, ein gutes Team zu sein. Sein Eishockey-Wissen ist gut, er hat uns Spielern ein paar Dinge mitgegeben, die einfach Sinn ergeben. Ich freue mich auf ein weiteres Jahr mit ihm.

Hat Torwart Jacob Markstrom die hohen Erwartungen erfüllen können?

Oh, er war unglaublich! Er und Jake Allen bilden vielleicht das beste Tandem seit langem in Jersey. Für uns ist es sehr positiv, Marky und Jake sind Kämpfer, die so gut für uns halten. Sie sind ein wichtiger Teil unserer Mannschaft.

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Dieses Kämpfer-Natur war bei Markstrom zu sehen, als er seinen Schläger zertrümmert hat…

Dieses Feuer, diese Energie hat mir gefallen. Ihm ist das nicht egal, da kann es passieren, dass du frustriert bist. Das gefällt mir wirklich sehr.

Mit den Carolina Hurricanes hat sich ein Konkurrent in der Metropolitan Division ordentlich verstärkt. Verfolgt ihr diese Aktivitäten?

Ich versuche, nicht zu sehr auf andere Teams zu schauen. Natürlich bekommt man das mit, aber ich konzentriere mich lieber auf meine Mannschaft und auf mich. Am Ende des Tages versucht jeder Klub besser zu werden. Wir haben 32 ziemlich gute Teams in dieser Liga, jeder kann Eishockey spielen, auch die schlechteste Mannschaft kann dich schlagen. Manche agieren mit mehr Struktur, Identität und damit erfolgreiches Hockey - genau da müssen wir hinkommen. Wir müssen verstehen, dass wir nur dann ein gutes Team sind, wenn wir auf bestimmte Weise auftreten.

Du hast in der Vorsaison 35 Tore geschossen und warst Vierter bei der Wahl zur Selke Trophy (bester Defensiv-Stürmer). Kann Dein Spiel überhaupt noch kompletter werden?

Du kannst immer etwas verbessern. Es gibt keinen perfekten Spieler, den würde ich gerne mal kennenlernen. Ich war sehr glücklich mit meiner persönlichen Saison. Ich will jede Herausforderung annehmen, für meine Mannschaft da sein und in jedem Bereich mein Bestes geben. In der letzten Saison hatte ich einen Lauf, in dem ich viele Schüsse aufs Tor bringen konnte, und sie sind reingegangen. So läuft es manchmal. Mal gehen sie rein, mal nicht. Insgesamt kann ich in den Spiegel schauen und sagen, dass ich mein Bestes gegeben habe.

Die besten Tore von Nico Hischier in der regulären Saison

Aleksander Barkov hat bei den Florida Panthers gezeigt, dass er das Herzstück einer erfolgreichen Mannschaft sein kann. Ermutigt es dich, als „Schweizer Barkov“ einen ähnlichen Weg mit den Devils einzuschlagen?

Ja, auf jeden Fall. Ich bin stolz ein Devil zu sein. Wenn ich nicht darauf vertrauen würde, dass wir erfolgreich sein können, dann hätte ich hier nicht langfristig unterschrieben. Ich wollte ein Teil dieser Organisation sein. Wir hatten in den letzten Jahren ein paar großartige Neuzugänge und sind als junges Team gewachsen. Wir sind immer noch jung, kommen jetzt aber in ein Alter, in dem man einen langen Run starten kann. Wir sind alle sehr hungrig und wollen kämpfen. Ich bin mir sicher, dass auch wir so eine Mannschaft wie die Panthers werden können.

Verspürst Du in der kommenden Saison besonderen Druck?

Es ist immer Druck da. Der Druck, den wir in den nächsten Jahren erfahren werden, ist der, dass unsere Zeit bald kommen wird. Das Fenster ist immer ein paar Jahre geöffnet. Darauf müssen wir uns konzentrieren und bereit sein, wenn unsere Chance kommt.

Ist das Verlangen, den Stanley Cup zu gewinnen, im Laufe Deiner Karriere größer geworden?

100 Prozent. Ich bin ein Spieler, der immer gewinnen möchte. Als ich als 18-Jähriger in diese Liga gekommen bin, habe ich mich erstmal umgeschaut, in der Stadt, in diesen großen Stadien und ich habe mein Bestes gegeben, um Spiele zu gewinnen. Je älter du wirst und je weiter deine Karriere voranschreitet, desto mehr geht es um das ultimative Ziel, mit New Jersey einen Stanley Cup zu gewinnen. Ich weiß, dass ich jetzt in meine neunte NHL-Saison starte. An einem Punkt wollen wir diesen letzten Schritt gehen und auf dieses Ziel hinarbeiten.

Hattest du in der Vorbereitung auch die Olympischen Spiele im Kopf?

Natürlich habe ich das im Hinterkopf. Ich versuche trotzdem, das Thema etwas nach hinten zu schieben. Wir sind jetzt voll im Training, wollen uns bestmöglich vorbereiten und können uns keine Gedanken über Dinge machen, die wir nicht kontrollieren können.

Ab der nächsten Saison bist du berechtigt, einen neuen Vertrag auszuhandeln. Hast Du dir schon Gedanken darüber nachgedacht?

Noch nicht wirklich. Gerade bin ich sehr glücklich bei den Devils. Es ist der Klub, der mich gedraftet und der mir eine Chance gegeben hat, meinen Traum leben zu können. Ich weiß das sehr zu schätzen und möchte etwas zurückgeben. Natürlich kann man nicht voraussagen, was die Zukunft bringt. In zwei Jahren kann viel passieren.

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