Spätestens 22 Sekunden vor dem Ende der Verlängerung wurde am Dienstag aus einem ohnehin hochklassigen Duell ein echter Klassiker. Cole Caufield traf im Bell Centre zum 3:2-Sieg der Montreal Canadiens gegen die Boston Bruins – und schrieb dabei gleich mehrfach Geschichte.

Nach einem präzisen Zuspiel von Nick Suzuki musste Caufield am rechten Pfosten nur noch einschieben. Es war sein 40. Saisontor – ein Meilenstein, der in Montreal lange auf sich warten ließ. Seit Vincent Damphousse in der Saison 1993/94 hatte kein Spieler der Canadiens mehr diese Marke erreicht. Für Caufield ist es zugleich die erste 40-Tore-Spielzeit seiner Karriere.

„Natürlich ist das etwas Besonderes“, sagte der 25-Jährige nach der Partie. „Aber es sagt auch viel darüber aus, wohin sich dieses Team entwickelt und dass wir in die richtige Richtung gehen. Ohne meine Mitspieler und Trainer wäre das nicht möglich. Ich habe einfach das Glück, Teil dieser Gruppe zu sein.“

BOS@MTL: Caufield lauert in der Overtime am zweiten Pfosten und lenkt den Puck für seinen 40. Saisontreffer ins Tor

Playoff-Rennen spitzt sich dramatisch zu

Die Partie hatte enorme Bedeutung im engen Rennen der Atlantic Division. Vor dem Spiel trennte beide Teams nur ein Punkt im Kampf um Platz drei. Mit dem Sieg sicherten sich die Canadiens nicht nur den Zusatzpunkt, sondern vergrößerte den Vorsprung auf Boston auf zwei Zähler und liegen nun mit 84 Zählern gleichauf mit den Tampa Bay Lightning auf Rang zwei. Wobei die Lightning mit 65 Einsätzen zwei Spiele weniger absolviert haben als Montreal.

Die Bruins hingegen müssen sich mit einem Punkt zufriedengeben – und der könnte am Ende noch entscheidend sein. Mit 82 Zählern befinden sie sich weiterhin im Kampf um die Wildcard-Plätze der Eastern Conference und liegen nur knapp vor der Konkurrenz aus Detroit (82) und Columbus (81).

Dass es überhaupt zur Verlängerung kam, lag vor allem an Pavel Zacha. Der Tscheche erzielte beide Treffer für Boston und stellte mit nun 22 Saisontoren in 2025/26 einen neuen persönlichen NHL-Bestwert auf. Besonders bitter: In der letzten Minute der Overtime vergab Zacha eine Großchance bei einem Alleingang. Nur Sekunden später schlug Caufield eiskalt zu.

Trotz der Niederlage zeigte sich Torhüter Jeremy Swayman hinterher kämpferisch: „Wir haben eine extrem konkurrenzfähige Gruppe, und das haben wir heute gezeigt. Der Punkt war wichtig für uns. Jetzt gilt es, die positiven Dinge mitzunehmen.“

Offensivspektakel mit Wendungen

Das Spiel selbst hielt, was die Ausgangslage versprach. Boston erwischte den besseren Start: Bereits nach gut zwei Minuten brachte Zacha die Gäste im Powerplay mit 1:0 (3., pp) in Führung. Die Canadiens antworteten jedoch noch im ersten Drittel. Suzuki traf nach feiner Einzelleistung zum Ausgleich (11.).

BOS@MTL: Suzuki wird vor dem Tor angespielt und flippt den Puck mit der Rückhand ins Tor

Auch im zweiten Abschnitt blieb das Spiel offen. Erneut war es Zacha (26.), der die Bruins in Führung brachte, diesmal nach einem perfekt getimten Zuspiel von Viktor Arvidsson. „Wir haben uns kurz angesehen, und ich wusste, dass er mich sieht“, erklärte Zacha. „Das war ein perfekter Pass.“

Doch Montreal ließ sich nicht abschütteln. Josh Anderson stellte nach einem harten Zweikampf vor dem Tor auf 2:2 (34.). Insgesamt zeigte sich das Heimteam vor allem im Forechecking aggressiv. Das war ein Faktor in diesem Duell, der laut Mike Matheson entscheidend war: „Wir wussten, dass sie ein Back-to-back-Spiel haben. Das wollten wir ausnutzen.“

Im Schlussdrittel neutralisierten sich beide Teams weitgehend, ehe die Verlängerung die Entscheidung bringen musste – mit dem besseren Ende für Montreal.

Historische Zahlen und ein Blick nach vorn

Neben dem dramatischen Spielverlauf sorgten zahlreiche Statistiken für zusätzliche Brisanz. Caufield ist nicht nur der erste 40-Tore-Schütze der Canadiens seit über 30 Jahren, sondern auch der erste US-Amerikaner in der Geschichte des Franchise, dem dieses Kunststück gelingt. Zudem war es bereits sein 13. Overtime-Treffer. Auch das ist ein Wert, der ihn in der ewigen Bestenliste amerikanischer Spieler weit nach vorne bringt.

Besonders bemerkenswert ist auch seine Bilanz gegen Boston: Sechs Tore in dieser Saison gegen die Bruins unterstreichen, wie sehr ihm dieses Duell liegt. Gegen Swayman traf er laut Statistik sogar zehnmal in elf Spielen.

Auch auf Seiten der Bruins gab es individuelle Highlights. David Pastrnak setzte seine beeindruckende Serie gegen Montreal fort und punktete im 14. Spiel in Folge gegen den Rivalen. Damit zog er mit der Klublegende Bobby Orr gleich.

Für die Canadiens sprechen zudem die Teamzahlen: Immer wenn die Torhüter eine Fangquote über 90 Prozent erreichen, ist Montreal nahezu unschlagbar (27-0-3). Diese Stabilität im Tor – kombiniert mit der wachsenden Offensivstärke um Caufield und Suzuki – macht das Team zu einem ernstzunehmenden Faktor im Playoff-Rennen.

Suzuki brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: „Das ist genau das, was Cole auszeichnet. 40 Tore sind wahrscheinlich erst der Anfang für ihn. Er ist ein Elite-Torschütze in dieser Liga.“

Und genau danach sah es an diesem Abend aus. In einem Spiel, das alles hatte – Tempo, Intensität, Wendungen und große Einzelmomente – war es am Ende Caufield, der den Unterschied machte. Für Montreal könnte dieser Sieg weit mehr bedeuten als nur zwei Punkte.

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