Viele sprechen davon, dass der Stanley Cup-Sieg 2020 der schwerste aller Zeiten war. Mit Sicherheit war es aber der Ungewöhnlichste: Aufgrund der weltweiten Covid-19-Pandemie mussten auch in der besten Eishockey-Liga der Welt Wege gefunden werden, um die Saison 2019/20 zu Ende zu bringen.
Positives Fazit, negative Tests: 65 Tage in der Bubble
Der Stanley Cup Sieger 2020 wurde unter außergewöhnlichen und durchaus erfolgreichen Umständen gekürt

© Dave Sandford/Getty Images
Erstmals in der Geschichte der NHL wurden 24 Teams in zwei Bubbles in Kanada zusammengezogen: Die zwölf Qualifikanten der Western Conference in Edmonton, die zwölf der Eastern Conference in Toronto. In besagten "Blasen" lebten Eishockey-Spieler, -Trainer und -Funktionäre, sowie teilweise Medien- und Ligavertreter komplett abgeschottet von der Außenwelt, um nicht mit dem Coronavirus in Kontakt zu kommen. Was für die Spieler eine komplett neue Situation war, war eine organisatorische Meisterleistung der NHL.
Ein perfektes Bühnenbild
Playoffs ohne Zuschauer? Wohl für alle war genau das ein befremdlicher Gedanke. Doch die Liga schaffte es, die fehlenden Emotionen bestmöglich aufzufangen: Die unteren Ränge wurden mit großen blauen Flächen abgedeckt, sodass das fehlende Publikum zumindest optisch nicht wahrnehmbar war. Gigantische LED-Wände auf den Tribünen werteten das Gesamtbild auf. Auch akustisch sorgten eingespielte Zuschauer-Reaktionen sowie die Original-Torjingles und -Tormusik der jeweiligen Teams für eine realitätsnahe Atmosphäre.
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"Ich glaube wirklich, dass wir mit unserer Idee einen sauberen Auftritt hingelegt haben, der funktioniert hat", sagte der verantwortliche NHL Chief Content Officer Steve Mayer. "Das größte Kompliment, das wir bekommen haben, war, dass die Leute gesagt haben, dass sie vergessen haben, dass keine Fans da waren, dass es super-unterhaltsam war."
Zudem offenbarten viele neue Kamera-Einstellungen erfrischende neue Sichtweisen auf die Eisfläche. Insgesamt wurden 1042 Stunden Live-Eishockey übertragen. Auch wenn die Reporter teilweise nicht vor Ort waren, so wurden die TV-Bilder und -Produktionen dennoch kurzweilig und gewohnt professionell aufbereitet, sodass die Fans die wichtigste Zeit im Jahr auch vor dem Bildschirm genießen konnten.
Die Gesundheit an erster Stelle
Doch auch hinter den Kulissen wurde eine Menge Aufwand betrieben. In den Bubbles stand die Gesundheit der Spieler, Funktionäre, Mitarbeiter und des gesamten mitwirkenden Personals an allererster Stelle. So wurden insgesamt 33.394 Covid-19-Tests durchgeführt - sie alle waren negativ!
"Es gab so viele Unwägbarkeiten, als wir diese Reise begonnen haben. Es gab keinerlei Erfahrungswerte. Keine hatte so etwas zuvor gemacht. Dass wir keinen einzigen positiven Test haben, ist eine Erleichterung", erklärte Medizin-Chef Willem Meeuwisse. "Als ich hierhin gekommen bin, habe ich nicht wirklich erwartet, dass wir Covid-frei bleiben würden."
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In der Bubble musste sich zudem jeder an einen Hygiene-Plan halten. Dazu zählte ein regelmäßiger Fragebogen in einer Smartphone-App (alle zwölf Stunden), kontaktloses Fiebermessen, das Tragen einer Maske, Abstand halten und Desinfizieren der Hände. Gleichzeitig sorgte Hygiene-Personal für desinfizierte Kabinen, Spieler- und Strafbänke.
Das Konzept funktionierte - auch dank der Menschen. "Der Hauptrund für den Erfolg war, dass jeder mitgemacht hat", betonte Meeuwisse. "Jeder hat die Sache ernst genommen. Egal ob Spieler, Trainer, Betreuer oder sogar Hotel-Mitarbeiter und andere Personen, die involviert waren."
Eine Herausforderung für die Spieler
Vor allem für die Spieler war die Zeit in der Blase auch eine Herausforderung, immerhin mussten sie dort ohne ihre Familie und Freunde auskommen, um sich den Traum vom Stanley Cup zu erfüllen. Insbesondere die Finalisten Tampa Bay Lightning und Dallas Stars verbrachten viel Zeit in der Bubble: 65 Tage waren es von der Ankunft in den Hub Cities am 26. Juli bis zum Gewinn des Stanley Cups am 28. September. Entsprechend entstanden viele herzerwärmende Szenen, als die Spieler in ihre Familien teilweise mit Kindern und Haustieren zurückkehrten.
"Der Weg zu diesem Stanley Cup wird in die Geschichtsbücher eingehen als der vielleicht schwierigste aller Zeiten", betonte NHL-Commissioner Gary Bettman.
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Gute Stimmung und ein positives Fazit
Der Aufenthalt wurde den NHL-Stars dafür aber versüßt: Es gab diverse Restaurants, Ausflüge, Freizeit- und Unterhaltungsmöglichkeiten. So wurden beispielweise über 50.000 Tassen Kaffee oder 40.000 Gebäckstücke ausgegeben, um den Teilnehmern den Aufenthalt im wahrsten Sinne des Wortes zu versüßen.
"Ich wurde immer wieder gefragt, wie die Stimmung ist? Oder ob die Leute in der Bubble raus wollen oder sie satthaben? Die Antwort war immer nein. Wir haben unser Bestes gegeben, um die Leute während ihrer Zeit hier glücklich zu machen. Natürlich war nicht alles perfekt, das würde ich niemals behaupten. Aber es war schön zu sehen, dass jeder trotz der langen Zeit mit der Situation okay war", so Mayer. "Wir werden uns immer an diese Reise und die Leute, die daran teilgenommen haben erinnern, denn es ist die beste Reise, die wir je unternommen haben."

















