Moritz Seider #53 of the Detroit Red Wings gets set for the face-off against the Montreal Canadiens during the third period at Little Caesars Arena on March 19, 2026 in Detroit, Michigan. Detroit defeated Montreal 3-1. (Photo by Dave Reginek/NHLI via Getty Images)

Moritz Seider hat Detroit im Sturm erobert. Aus „Motor City“ ist buchstäblich „Mo-Town“ geworden. Der deutsche Verteidiger ist es, der bei den Red Wings Spiel für Spiel den Bus fährt. Wagt man passend zur Autostadt den Vergleich mit einem Auto, so wäre der 24-Jährige aus Zell Lenkrad, Motor und Stoßdämpfer gleichzeitig.

NHL.com/de hat Seider über drei Tage vor Ort begleitet und sich mit seinen Teamkollegen über ihn unterhalten. Der Respekt für den 1,88 Meter großen Rechtsschützen könnte kaum größer sein.

Kanes erster Eindruck täuscht nicht

„Er ist ein überragender Typ“, sagt Flügelstürmer Patrick Kane über Seider. „Er bringt viel Energie aufs Eis, sowohl mit seiner Persönlichkeit als auch durch die Art, wie er spielt. Er ist physisch stark und es ist schwer, gegen ihn zu spielen. Auch in der Offensive ist er richtig produktiv für uns in dieser Saison. Für mich ist er einer der besten Verteidiger in der Liga. Ich bin froh, dass ich mit ihm spielen darf und nicht gegen ihn spielen muss.“

Kane muss es wissen. Der 37-jährige Routinier spielt aktuell seine 19. NHL-Saison (1366 Spiele, 508-891-1399) und gewann bis zu diesen Punkt alles, was man in dieser Liga gewinnen kann: Drei Stanley Cups (2010, 2013 und 2015 mit den Chicago Blackhawks) und individuelle Trophäen wie die Conn Smythe Trophy (Playoff-MVP), Hart Trophy, Ted Lindsay Award (beides MVP-Awards), Art Ross Trophy (Top-Scorer) und Calder Trophy (bester Rookie). Bei Kane, der zur Saison 2023/24 als Free Agent bei den Red Wings anheuerte, hinterließ schon der erste Kontakt mit Seider bleibenden Eindruck.

„Vor meinem ersten Spiel für Detroit habe ich neben ihm im Flugzeug gesessen und habe mich lange mit ihn unterhalten. Seitdem ist er einer meiner engeren Freunde in der Mannschaft“, erzählt Kane. „Er ist wirklich ein guter, durchdachter Mensch. Ich bin froh, dass ich ihn kennenlernen durfte.“

PHI@DET: Seider mit einem Tor und vier Assists

Laut und lustig: Seider kann auch anders

Lucas Raymond kennt Seider schon länger. In der Saison 2021/22 debütierten sie Seite an Seite für Detroit in der NHL. 

„Er ist nicht nur in unserer Kabine einer meiner besten Freunde, sondern auch außerhalb des Eises. Wir sind zusammen und auf ähnlichen Wegen in diese Liga gekommen. Es ist überragend, dass er hier ist. Ich kann nicht genug gute Dinge über ihn sagen“, schwärmt Raymond und plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen: „Auf dem Eis ist er meist eher ruhig. Das ist vielleicht der größte Unterschied zu seiner Persönlichkeit neben dem Eis, da ist er laut, überall zu hören, und es macht Spaß, wenn du ihn um dich hast.“

„Man kann viel Spaß mit ihm haben“, bestätigt der österreichische Center Marco Kasper, der gerade seine zweite volle NHL-Saison bei den Red Wings spielt. „Wir sprechen oft miteinander, wenn auch nicht so häufig auf Deutsch, weil uns die Teamkollegen dann nicht verstehen können.“ Beim Thema Fußball aber sind Seider und Kasper dann ganz für sich: „Wenn Bayern München spielt“, so Kasper, „dann unterhalten wir uns schon darüber.“

Auf dem Eis erleben NHL-Fans Seider immer als souveränen Spieler, der einfach nie die Ruhe verliert. Kane muss grinsen auf die Frage, ob Seider jemals die Nerven gezeigt hat: „Nervös wird er nicht, manchmal geht aber seine Persönlichkeit mit ihm durch, da wird er dann laut und lustig. Aber das ist gut, denn es bringt Energie, Freude und Leben in die Kabine.“

PHI@DET: Larkin mit seinem dritten Hattrick

Kein Typ von der Stange

Dort wird Seider auch als Führungsspieler geschätzt. Seine Stimme hat in der Kabine genauso viel Gewicht wie auf dem Eis, wo der Hüne mit gutem Beispiel vorangeht. Immer wieder besticht er mit hohem Laufeinsatz, verbeißt sich in den Zweikämpfen, fordert den Puck und übernimmt Verantwortung, diesen in Spielzüge einzubinden. 

Nicht ohne Grund ist Seider der „Quarterback“ in Detroits Powerplay. Er ist es, der die Scheiben zentral an der blauen Linie verteilt oder mit einem harten Schuss auch mal selbst abzieht. Dies belegte er ganz besonders eindrucksvoll am Donnerstagabend beim 6:3-Heimsieg gegen die Philadelphia Flyers, wo er auch dank drei Powerplay-Punkten (1-2-3) am Ende das erste Fünf-Punkte-Spiel (1-4-5) seiner Karriere aufs Eis legte.

„Er ist ein anderer Spieler als Zach (Werenski), (Quinn) Hughes oder (Cale) Makar“, berichtet Kapitän Dylan Larkin. „Er ist so wichtig für unsere Mannschaft. Solche Spieler wachsen nicht auf Bäumen. Er spult so viele Minuten ab und opfert seinen Körper. Er ist in viele Spielzüge eingewoben, weil er es kann. Er hat das Selbstvertrauen, Pässe zu spielen.“

Zwei-Wege-Stürmer aus dem Bilderbuch

Ligaweit erhält Seider die drittmeiste Eiszeit unter allen Spielern. Im Schnitt wird er pro Partie für 25:46 Minuten aufs Eis geschickt. Bei den Red Wings erhält er die meiste Eiszeit bei Gleichzahl (20:55 Minuten), die viertmeiste im Powerplay (3:13 Minuten) und die drittmeiste im Penalty Killing (1:38 Minuten). Oder anders gesagt: Seider wird in allen wichtigen Momenten aufs Eis geschickt - auch in der Schlussphase, wenn es darum geht, einen Vorsprung zu halten oder einen Rückstand aufzuholen.

Mit 60 Scorerpunkten (10-50-60) ist er der viertbeste Scorer bei Detroit. Mit 28 Powerplay-Punkten, einer Plus-Minus-Bilanz von +21 und 175 Blocks führt er seine Mannschaft in allen diesen Kategorien an. Hinzu kommen 125 teils krachende Checks - teamintern der viertbeste Wert. Reverse-Hits, also den Versuch eines gegnerischen Spielers, einen Check zu fahren, selbst mit einem Hit zuvorzukommen, gilt längst als große Spezialität Seiders.

„Auf dem Eis ist er ein sehr stabiler und harter Gegenspieler. Auch offensiv holt er viele Punkte und spielt viel im Powerplay“, zählt Kasper die Vorzüge von Seider auf und bringt es mit einem Satz auf den Punkt: „Er ist ein sehr wichtiger Teil von unserem Team.“

Alle wichtigen Szenen aus dem Spiel zwischen den Detroit Red Wings und den Philadelphia Flyers

Beeindruckend konstant

Genau deshalb übernimmt Seider im Auto namens Red Wings sämtliche Aufgaben und Rollen: Er lenkt das Geschehen von hinten heraus, er treibt sich und seine Mitspieler unermüdlich wie ein Motor an und fängt als Stoßdämpfer alles ab, was an gegnerischen Einschlägen auf sich oder seine Mitspieler zukommt.

„Er spielt und kämpft in jedem einzelnen Spiel“, sagt Raymond. „Er ist so ein harter Spieler und kann jeden Gegenspieler abmelden.“

Hinzu kommen eine unglaubliche Reife und Konstanz. Seider spielt - und das ist so positiv gemeint, wie man es nur meinen kann - schon jetzt wie ein 30-jähriger NHL-Veteran.

„Er bringt in jedem Spiel die volle Leistung“, unterstreicht Kane. „Er spielt so konstant und ist immer einer unserer besten Spieler auf dem Eis. Ich denke, dass das insbesondere als junger Spieler sehr schwierig ist, in dieser Liga. Er hat es aber schnell hinbekommen und spielt schnell und körperlich, großartig in der Defensive und auch in der Offensive wird er immer produktiver.“

„Er ist so konstant“, pflichtet Raymond bei. „Das ist eines der schwersten Dinge, die du angesichts der vielen Spiele in dieser Liga erreichen kannst.“

Seider gehört in die Playoffs

Dass die Stanley Cup Playoffs 2026 erneut ohne einen Spieler wie Moritz Seider stattfinden könnten, wäre nicht nur aus deutscher Sicht sehr schade, denn er wird ligaweit respektiert und würde das komplette Turnier bereichern.

Wohl auch deshalb ist es Seider, der auf der Zielgeraden der regulären Saison sagt: „Ich setze mich selbst mehr unter Druck, als jeder andere Spieler hier.“

Verwandte Inhalte