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Bundestrainer Marco Sturm äußert sich zu NHL Themen

Der ehemalige NHL-Stürmer schreibt in seiner exklusiven Kolumne über Global Series, Duchene-Trade uvm.

von Marco Sturm / exklusiv für NHL.com/de

Marco Sturm hat zwar nie den Stanley Cup gewinnen können, aber er hat als Deutscher in der NHL die meisten Spiele absolviert und Punkte geholt. Von 1997 bis 2012 war er in der NHL für sechs Mannschaften aktiv und hat 938 Spiele in der regulären Saison und 68 Playoff Spiele gespielt. Der heutige deutsche Bundestrainer wird in einer regelmäßigen Kolumne exklusiv für NHL.com/de seine Ansichten zu Teams, Spielern und brennenden Fragen teilen.

Hier die neueste Ausgabe:

Während ich am vergangenen Wochenende mit der Nationalmannschaft beim Deutschland Cup in Augsburg im Einsatz war, fand in Stockholm die NHL Global Series 2017 mit zwei Spielen der Ottawa Senators gegen die Colorado Avalanche statt.

Generell finde ich diese Auftritte der NHL außerhalb von Nordamerika gut. Ich habe selbst eine Reise nach Europa mit den Boston Bruins erlebt, als wir damals im Jahr 2010 zum Saisonauftakt in Prag gegen die Phoenix Coyotes gespielt haben. Leider war ich zu dem Zeitpunkt verletzt, aber ich war mit der Mannschaft unterwegs. Ich selbst kenne Prag und Europa natürlich, aber für die anderen im Team, die noch nie in Europa gespielt hatten, war es eine schöne Reise und eine tolle Erfahrung. Auch die Fans haben bei solchen Gelegenheiten die Möglichkeit, die NHL-Stars einmal live und hautnah zu sehen, ohne weit reisen zu müssen.

Diese Aktionen helfen der NHL natürlich die Bekanntheit in Europa zu stärken, allerdings ist es fraglich, ob es den ganz großen Boom auslöst. Die NHL will sich in Europa wieder und jetzt auch in Asien stärker engagieren. Zwei Märkte, die sie in der Zukunft mehr bespielen wollen. Ich finde es gut und die richtige Richtung, in die die NHL geht, weiß nur nicht, ob es wie in diesem Fall Sinn macht, die Mannschaften mitten in der Saison aus dem üblichen Rhythmus zu nehmen.

Ich habe mich bei der Weltmeisterschaft im Frühjahr auch kurz mit der NHL wegen möglichen Spielen in Deutschland unterhalten. Sie würden das sicher gerne machen, aber dazu gehören die entsprechende Stadt und das richtige Stadion. Bei uns gibt es schon einige Möglichkeiten, wo die Voraussetzungen vorhanden sind und ich bin der Meinung, dass Deutschland in den nächsten Jahren sicher in der engeren Wahl sein wird.

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Die Partien in Stockholm standen auch wegen des Trades von Matt Duchene von Colorado nach Ottawa im Fokus. Dass er ausgerechnet in seinen ersten beiden Spielen gegen sein altes Team spielen durfte, war eine interessante Randnotiz. Der Trade selbst war für mich keine Überraschung.

Ich kann mir vorstellen wie es sich für Duchene angefühlt hat, vom Eis geholt zu werden. Der einzige Unterschied zu mir damals war, dass er schon darauf gewartet hatte und längere Zeit weg wollte. Bei mir hingegen war es völlig überraschend, also noch drastischer. Wir hatten mit den San Jose Sharks damals ein Auswärtsspiel bei den Dallas Stars und ich wurde beim Warmmachen vom Eis geholt, nachdem ich unter anderem für Joe Thornton nach Boston abgegeben worden war.

Ich bin der Meinung, dass momentan Ottawa der Gewinner dieses Tauschgeschäftes ist, weil Duchene ein guter Spieler in einem jungen Alter ist und Kyle Turris von der Klasse her gesehen nicht an ihn herankommt. Doch dieser wiederum passt zu den Nashville Predators und deren Anforderungen sehr gut. Colorado ist einfach derzeit stark auf die Zukunft ausgerichtet, was dieser Trade eindrucksvoll zeigt. Wie viel sie von den Spielern und Draft-Zügen, die sie erhielten, haben werden, wird sich erst in ein paar Jahren erweisen. Aber langfristig dürfte es für die Avalanche ein ideales Geschäft gewesen sein.

Auffällig ist die Tatsache, dass es zuletzt mehr Begegnungen mit vielen Toren zu bestaunen gab. Die Verkleinerung der Torhüterausrüstung in der NHL wirkt sich meiner Meinung nach höchstens minimal auf diese Tatsache aus. Die Spielweise und die Systeme haben sich doch deutlich zu einer offensiveren Ausrichtung verändert. Selbst die Verteidiger sind immer mehr gehalten, schnell umzuschalten und sich selbst vorne mehr mit einzubringen. Außerdem sind viele junge Talente in der Liga dazugekommen, die die Mannschaften jünger und schneller machen.

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Die Tampa Bay Lightning sind überraschend stark in die Saison gestartet. Sie haben letztes Jahr ihren Kapitän Steven Stamkos schmerzlich vermisst und wohl auch deshalb die Playoffs verpasst. Doch sie haben nicht nur ihn, sondern auch Nikita Kucherov, der schon in der vergangenen Saison zum Ende hin immer stärker wurde. Er hat dann eine überragende WM gespielt und diesen Lauf über den Sommer mitgenommen. Er kann Tore schießen und ist in Überzahl durch seine Direktabnahmen ungemein gefährlich. Tampa hat einen guten Mix mit einem guten Trainer und wird in dieser Saison eine gute Rolle spielen. Wie gut ist derzeit aber noch zu früh zu sagen.

Ich werde in dieser Woche nach Nordamerika reisen und hauptsächlich viele deutsche Spieler besuchen. Ich fliege als erstes nach Montreal, weil Tobias Rieder mit den Arizona Coyotes dort spielt und ich schau mir auch Markus Eisenschmid im Farmteam der Canadiens an. Dann geht es weiter nach Pittsburgh zu Tom Kühnhackl und nach Kalifornien zu Korbinian Holzer, ehe es über New York, mit einem Besuch bei Thomas Greiss und Dennis Seidenberg, zurückgeht.

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