Manuel Wiederer

Die NHL-Teams haben durch den für 1. Januar geplanten Beginn der Saison 2020/21 ihre unter Vertrag stehenden europäischen Spieler, insbesondere jüngeren Alters, teilweise an Mannschaften in Europa verliehen, um ihnen frühzeitig Spiel- und Trainingspraxis zu verschaffen. NHL.com/de wird in einer wöchentlichen Serie über einzelne dieser Spieler berichten, wie sie ihre Zeit bis zum Start der kommenden NHL-Saison überbrücken. In der heutigen Ausgabe: Manuel Wiederer.

In Nordamerika ist Manuel Wiederer auf dem Sprung in die NHL und wollte in dieser Saison eigentlich für die San Jose Sharks durchstarten, die einige Positionen im Angriff neu zu besetzen haben werden. Im Oktober ist jedoch sein dreijähriger Einstiegsvertrag bei den Kaliforniern ausgelaufen und seitdem hat der 24-jährige Stürmer den Status des Restricted Free Agent. Das heißt, die Rechte an ihm sind weiterhin bei den Sharks, doch er ist momentan vertragslos.
Bereits seit 2015 versucht Wiederer, der in Deggendorf und Kaufbeuren im Eishockey ausgebildet wurde, sein Glück in Nordamerika. Erst in den Juniorenligen und nachdem er im NHL Draft 2016 von San Jose in der fünften Runde an insgesamt 150. Position ausgewählt wurde, läuft er seit 2017 im Farmteam der Sharks, den San Jose Barracuda auf. Seine Statistik in diesen drei Jahren von 44 Punkten (21 Tore, 23 Assists) in 126 Spielen lässt erahnen, wo sein größtes Problem bisher lag. Er konnte noch keine Spielzeit verletzungsfrei durchspielen. Zuletzt stoppte ihn eine schwere Knieverletzung, die er durch Pause seit dem März ordentlich auskurieren konnte.

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Mitte November kehrte Wiederer endlich auf das Eis zurück, um seinem Sport nachzugehen. Ausgeruht und fit, wie er gegenüber dem Presseportal idowa.de verkündete. Für seinen Heimatklub Deggendorfer SC, bei dem auch sein zwei Jahre älterer Bruder Marius in der Verteidigung spielt, hat Wiederer seitdem fünf Spiele in der drittklassigen Oberliga Süd bestritten. Seine Bilanz daraus sind vier Punkte durch drei Tore und eine Vorlage.
"Es war schön und hat Spaß gemacht", betonte Wiederer nach seinem ersten Spiel. "Das erste Mal nach über acht Monaten wieder zu spielen, war aber auch schwierig. Man braucht eine gewisse Zeit, um wieder reinzukommen - auch wenn es nur die Oberliga ist."
Ursprünglich war der Plan bei den Straubing Tigers in der DEL zu spielen. Dort war Wiederer bereits im Training, doch als sich der Saisonstart in der höchsten deutschen Spielklasse immer weiter nach hinten schob, war die Sehnsucht nach dem Spielen zu groß.
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"Es kam der Zeitpunkt, an dem ich einfach spielen wollte", erklärte Wiederer. "Dann kam die Möglichkeit mit Deggendorf und es war für mich persönlich schon auch etwas Besonderes. Ich habe im Nachwuchs und in der Oberliga schon für den DSC gespielt, kann mit meinem Bruder zusammenspielen. Um zu spielen und wieder reinzukommen, ist das optimal."
Doch Wiederer möchte nicht nur mitspielen, sondern setzt sich konkrete Ziele für seine Zeit in Deggendorf, denn das große Ziel in der Zukunft einmal in der NHL zu spielen, soll nicht aus den Augen verloren werden.
"Ich will auf jeden Fall Leistungsträger sein und weiß, dass ich das auch kann", stellt er klar. "Im ersten Spiel gab es schon gute Ansätze, aber die Kondition fehlt noch ein bisschen. Man kann trainieren, was man will - ein Spiel ist einfach etwas anderes. Ich habe aber schon im ersten Spiel gemerkt, dass es von Drittel zu Drittel besser wurde."
Wiederer schließt auch nicht aus, dass er im Dezember noch einen Aufstieg feiern könnte. Nachdem die DEL am 17. Dezember den Spielbetrieb aufnehmen will, könnte dies eine Option sein, vorausgesetzt, die Trainingscamps in der NHL verzögern sich weiter.

Manuel Wiederer

"Die Möglichkeit, dass ich DEL spielen könnte, ist schon noch da", erzählt er. "Das hängt aber davon ab, wann es in Nordamerika losgeht. Wenn ich Mitte, Ende Dezember wieder rüber fliege, dann lohnt es sich nicht. Wenn es drüben später losgeht, kann es vielleicht schon sein, dass ich noch in der DEL spielen möchte. Mein Fokus liegt aber erst einmal auf Deggendorf und darauf, meine Leistung wieder auf Hochtouren zu bringen."
Der Kontakt nach San Jose ist ständig da, betont er und verdeutlicht, dass sein Lebensmittelpunkt mittlerweile in Kalifornien ist. "So schön es auch daheim ist, hoffe ich doch, dass ich bald wieder rüber kann", lässt er eine gewisse Sehnsucht erkennen.
Auch kann er der Corona-Pandemie und der damit verbundenen längeren Pause in Nordamerika einiges positives abgewinnen. "Das Beste für mich war, das meine Verletzungen ausheilen konnten", bemerkt er. "Ich hatte letztes Jahr eine Knie-OP und die letzten beiden Jahre unglaublich viele Verletzungen, war nie zu einhundert Prozent gesund. Für die Zukunft meiner Karriere war die lange Pause deshalb gut. Ich will nicht sagen, ich starte jetzt meine zweite Karriere - aber ich fühle mich schon so, als könnte ich jetzt frisch losstarten."
Ein bisschen wird es bis dahin noch dauern und diese Zeit gilt es jetzt in Deutschland zu nutzen, auch wenn Wiederer derzeit nur drittklassig spielt. Aber er spielt, was viele andere nicht von sich behaupten können. Das soll den entscheidenden Vorteil bringen, um sich in einem Trainingscamp für die neue Saison zu empfehlen.
"Ich denke, dass die Chancen weiter gut sind", sagt Wiederer bezüglich einem NHL-Engagement. "Ich bin jetzt hundertprozentig gesund und kann dann auch meine volle Leistung zeigen. Ich werde so lange wie möglich versuchen, dass ich es in die NHL schaffe. Auch wenn ich schon einiges erlebt habe in meiner Karriere, sehe ich mich immer noch als jung an."
Wiederer sieht noch genug Zeit für sich, selbst wenn es kurzfristig nicht klappen sollte und verweist auf Spieler, die erst mit Ende 20 in der NHL debütierten. Auf dem Weg dorthin sieht er Konstanz in der Leistung als einen der wichtigsten Schlüssel dafür an. "Viele, die in der AHL spielen, können auch in der NHL spielen - aber das Wichtigste ist, dass man jedes Spiel seine Leistung abruft", verdeutlicht er. "Für mich geht es darum, jedes Training und jedes Spiel meine beste Leistung zu bringen - dann, denke ich, sind die Chancen auch sehr realistisch."