GettyImages-2261835070 (1)

Zum Abschluss der Gruppenphase bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 hat Deutschland am Sonntagabend mit 1:5 gegen die USA verloren. Dabei fiel auf: In der Offensive wurde immer wieder Leon Draisaitl gesucht, der gegen zwei prominente Bewacher aber einen schweren Stand hatte. Überhaupt kam die Vielzahl der deutschen Vorstöße von NHL-Exporten wie Tim Stützle, JJ Peterka oder Lukas Reichel. Braucht das DEB-Team also mehr von seinen Superstars in Übersee?

Stars im Fokus, aber die Mannschaft in der Pflicht

Der Großteil der Mannschaft widerspricht dieser These. So auch Abwehrchef Moritz Seider. „Wir haben viel Tiefe im Team und müssen ihnen eher den Druck nehmen“, fordert der Verteidiger der Detroit Red Wings. „Es geht nicht darum, die ganze Zeit nur diesen Jungs die Pässe zuzuspielen. Wir müssen einfacheres Hockey spielen, Pucks hinter die gegnerische Verteidigung bringen und ins Forechecking gehen. Das sind unsere Stärken.“

Insbesondere in der ersten Sturmreihe mit Draisaitl, Frederik Tiffels und Josh Samanski wurde permanent Draisaitl angespielt. Der Mittelstürmer der Edmonton Oilers aber hatte keinen leichten Stand. US-Trainer Mike Sullivan stellte konsequent seine robuste Reihe mit Brady und Matthew Tkachuk sowie Jack Eichel dagegen und nahm den deutschen Superstar an die Leine und teilen kräftig aus.

„Die Tkachuk-Brüder haben sich heute komplett um Leon gekümmert. Als Heimteam konnten sie immer darauf reagieren, wenn ich ihn rausgeschickt habe“, sagte DEB-Trainer Harold Kreis „Leon kennt das aus der NHL und ist gut damit umgegangen. Wir konzentrieren uns nicht nur auf unsere NHL-Spieler. Jeder versucht sein Bestes, um etwas beizutragen, daran gibt es keinen Zweifel. Es ist immer eine Leistung der gesamten Mannschaft.“

„Es ist schwer, immer nur auf diese Jungs zu schauen“, sagt auch Nico Sturm, Center bei den Minnesota Wild, der in der Nationalmannschaft eine Arbeiter-Rolle in der vierten Reihe voll angenommen hat. „Offensichtlich sind sie Unterschiedsspieler, die stolz darauf sind, Tore zu schießen. Aber wir wissen auch, dass wir nicht in jedem Spiel drei, vier Tore schießen können. Wir konzentrieren uns zuerst auf die Defensive, alles andere kommt danach.“

„Wir müssen den Druck auch auf die Schultern der Spieler legen, die in Deutschland und in der Schweiz spielen, denn du musst als Mannschaft spielen“, beschwört Torwart Maximilian Franzreb den Teamgeist. „Wenn du das nicht schaffst, dann hast du keine Chance auf diesem Level.“

Stützle, Peterka und Sturm üben Selbstkritik

Sechs der sieben deutschen Turnier-Treffer erzielten eben diese NHL-Spieler: Stützle traf schon viermal (4-0-4), Draisaitl (1-2-3) und Lukas Reichel (1-0-1) je einmal. Peterka kommt immerhin auf drei Assists (0-3-3).

Stützle, bislang zweifelsohne der beste Deutsche, nimmt sich aber selbst in die Pflicht: „Ich selbst habe zu viele Pucks verloren. Dafür lässt dich ein Team wie die USA bezahlen. Gegen Lettland war es dasselbe. Wir müssen unseren Torhütern helfen und dürfen nicht so viele hochkarätige Chancen zulassen.“

Bei seinem Ehrentreffer gegen die Vereinigten Staaten ließ der Stürmer der Ottawa Senators seine Extraklasse aufblitzen und schraubte den Puck nach Peterka-Pass präzise unter die Latte.

GettyImages-2261832832

„Das war richtig gut. Wir alle wissen, zu was er im Stande ist“, sprach Reichel ein Extra-Lob an Stützle aus. Reichel, Stützle und Peterka bildeten an diesem Abend eine neu-formierte zweite Reihe mit ausschließlich im NHL Draft 2020 ausgewählten Top-Talenten. „Ich kenne ihn (Stützle), seitdem wir vielleicht acht Jahre alt waren“, so Reichel. „Wenn er so eine Chance bekommt, dann macht er sie normalerweise auch rein.“

Selbstkritik kam übrigens auch von Peterka. „In den letzten zwei Spielen waren wir nicht gut genug“, räumt der Flügelflitzer vom Utah Mammoth ein. „Wir arbeiten daran. Vielleicht machen wir es uns gerade zu kompliziert und versuchen die perfekten Pässe. Wir werden es analysieren und machen weiter.“

Laut dem zweifachen Stanley Cup Champion Sturm ist es auch eine Einstellungssache. „Insbesondere gegen die vermeintlich leichteren Mannschaften wollten wir mit tollen Spielzügen glänzen und haben hier und da noch einen Querpass gespielt, aber das ist nicht unser Spiel“, sagt er. „Wir haben viel gelernt, müssen uns straffen und wollen wieder geradlinig nach vorne spielen. Wir wissen, dass Leon, JJ und Timmy die Chancen bekommen werden.“

Zwischenrunde gegen Frankreich

Am Dienstag trifft Deutschland in der Zwischenrunde auf Frankreich. Ein Spiel, das sicherlich kein Selbstläufer wird, doch sind die Deutschen Favorit und das Viertelfinale das erklärte Ziel.

„Wir“, betont Reichel, „brauchen die gesamte Mannschaft!“

Verwandte Inhalte