Skip to main content

Hoffnung in der "Leafs-Nation" am Leben

Die neue Strategie der Toronto Maple Leafs benötigt einige Zeit bis zum Erfolg

von Uwe Werkmeister / NHL.com/de Autor

Die Toronto Maple Leafs feiern in der NHL-Spielzeit 2016-17 ebenso wie die National Hockey League ihr 100-jähriges Bestehen. 1917 als Toronto Arenas gegründet und zwischenzeitlich als Toronto St. Patricks - hier sollten die irisch stämmigen Bewohner im Osten Kanadas angesprochen werden - aufgelaufen, tragen die Eishockey-Cracks seit 1927 ihre Spiele unter dem heutigen Namen und in blau-weißen Farben aus.

Zwischen 1942 und 1967 gehörte die Franchise zu den berühmten "Original Six", nämlich den sechs Teams (neben den Leafs noch die Montreal Canadiens, die Boston Bruins, die New York Rangers, die Detroit Red Wings und die Chicago Blackhawks), die in dieser Zeit den Stanley Cup unter sich ausspielten.

Diese Zeit war für das Team aus dem berühmten Maple Leafs Garden auch die Erfolgreichste. Seit der Gründung bis 1967 konnten 13 Stanley Cup Gewinne gefeiert werden. Seitdem blieb der Triumpf aber beständig aus. Seit Ende der 1990er Jahre sind die seltenen Playoff-Qualifikationen schon ein Erfolg. Viele Strategien und Ideen wurden umzusetzen versucht, doch alle scheiterten.

Nun, im 100. Jahr des Bestehens, soll wieder ein neuer Anlauf für eine bessere Zukunft gestartet werden. Haben sich die ehemaligen Verantwortlichen häufig auf die sogenannten Stars in diversen Tauschgeschäften verlassen - mit wertvollen Draftrechten wurde nur so um sich geworfen, so ist die heutige Orientierung auf die Jugend ausgerichtet.

Begünstigt durch die schlechten Platzierungen der vergangenen Jahre, hatten die Leafs mehrmals die Möglichkeit, beim begehrten Draft, hier werden die Besitzrechte an den weltbesten Junioren "verteilt", sehr früh zum Zuge zu kommen.

Dass diese Taktik durchaus erfolgversprechend sein kann, beweisen die Pittsburgh Penguins, die seit Jahren auf die Dienste der mittlerweile zu Superstars aufgestiegenen Spieler wie Sidney Crosby, Evgeni Malkin, Kris Letang oder Marc-Andre Fleury zurück greifen und in deren Ära bisher zwei Stanley Cup Siege verzeichnen konnten.

Ein weiteres positives Beispiel sind die Chicago Blackhawks, hier gelang es dem Kern der Mannschaft um Jonathan Toews, Patrick Kane und Duncan Keith schon drei Mal die begehrteste Trophäe im Eishockeysport zu gewinnen.
Wie so oft im Leben stehen den Aspekten, welche den Optimismus begründen, auch die auf der Schattenseite des Sports gegenüber. Hier seien die Edmonton Oilers genannt, die seit Jahren junge, hoffnungsvolle Spieler an sich binden, welche auch individuell einen starken Eindruck hinterlassen, aber der Teamerfolg lässt schon eine gefühlte Ewigkeit auf sich warten.

Wie ist nun der Stand am Ontariosee?

Im aktuellen Kader stehen mit William Nylander, Mitchell Marner und Auston Matthews die 1. Runden Drafts der letzten drei Jahre, dazu kommt mit Morgan Rielly, der aus dem Jahr 2012. Die jungen Spieler sollen eingebunden werden in ein Korsett aus erfahrenen Cracks wie beispielsweise Nazem Kadri, James van Riemsdyk oder Taylor Bozak. Spieler im besten Hockey-Alter.

Der bisherige Saisonverlauf spiegelt die allgemeinen Erwartungen wider. Höhen und Tiefen wechseln sich ab. Das junge Team spielt ein herzerfrischendes offensives Hockey und liegt nach 33 Spielen in der Statistik der abgegebenen Schüsse mit rund 34 pro Spiel knapp hinter den Pittsburgh Penguins Liga weit auf Platz 2. Bei den erzielten Toren befinden sich die Ahornblätter aber nur im Mittelfeld der 30 Teams. Dem Beobachter im Stadion scheint es manchmal, als wolle man in erster Linie den gegnerischen Torwart berühmt schießen.

Ebenfalls schwierig ist die Situation im eigenen Tor. Frederik Andersen hat sich nach einem durchwachsenen Saisonstart deutlich stabilisiert, erhält aber weder Druck noch Unterstützung von einem der beiden eingesetzten Ersatzleute. Weder Jonas Enroth, noch der in der NHL unerfahrene Antoine Bibeau konnten bislang ein Spiel siegreich gestalten.

Dass auch das Trainerteam wenig Vertrauen in die Torhüter hinter Andersen hat, zeigt die Tatsache, dass bereits bei zwei aufeinanderfolgenden Spieltagen der dänische Torhüter beide Abende hintereinander zum Einsatz kam, eine in der NHL eher ungewöhnliche Praxis.

Bei der Anzahl der Gegentore und bei beiden Special Teams rangieren die Maple Leafs im Mittelfeld. Nach erzielten Punkten befinden sich die Mannen aus der größten kanadischen Stadt im unteren Drittel, hier gibt es aber noch ständige Wechsel. Eine kleinere Serie an Siegen könnte das Bild schnell umkehren.

Die wichtigste Aufgabe in dieser und in den folgenden Spielzeiten kommt auf das Management zu. Das Motto muss auch bei kleineren Tiefschlägen lauten: "Ruhe bewahren". Keine einfache Aufgabe bei ungeduldigen, den Erfolg herbeisehnenden Fans und einem medialen Umfeld, welches seines Gleichen sucht.

Sehr häufig wurde in der Vergangenheit nach drei Niederlagen alles in Frage gestellt, bei der gleichen Anzahl an Siegen riefen die Zeitungen übertrieben ausgedrückt dazu auf, mit den Vorbereitungen für die Stanley Cup Parade zu beginnen.

Allen Anhängern der Toronto Maple Leafs bleibt es zu wünschen, dass sich die jungen und technisch versierten Spieler in Ruhe weiterentwickeln können und das Management mit Präsident Brendan Shanahan und General Manager Lou Lamoriello an der Spitze die richtigen Entscheidungen trifft. Hinzu kommt das Glück von größeren Verletzungen verschont zu bleiben. Nur dann wird es gelingen, den Erfolg an den Ontariosee zurück zu holen und an alte Traditionen anzuknüpfen.

Mehr anzeigen