Trotz

In der NHL gilt, wie im richtigen Leben: Wichtige Gespräche führt man, so weit wie möglich, von Angesicht zu Angesicht. Doch in dieser Saison ist in der besten Eishockeyliga der Welt, wie im richtigen Leben, dank der Corona-Pandemie nichts normal. In vielen Bereichen, vor allem im Büro oder der Fabrik, muss man sich umstellen. Das gilt auch für den Arbeitsplatz Eishalle.

Da müssen die Trainer und Spieler durch, wenn sie miteinander kommunizieren wollen. Der Coach muss regelmäßig schwierige Entscheidungen treffen, was seinen Kader angeht. Wann ist bei welchem Schützling ein Gespräch nötig, um ihn ein bisschen zu kitzeln, damit er noch bessere Leistungen abruft? Wann braucht ein Spieler mal eine klare Ansage, um sich zusammenzureißen? Wann braucht ein Spieler mal eine schöpferische Pause auf der Tribüne? Diese Liste könnte man noch fortführen. Solche Themen bespricht man am besten persönlich.
Doch auch in Sachen Kommunikation mussten Spieler und Trainer kreativ werden. Meetings finden beispielsweise über die Video-Plattform Zoom statt. Zum Beispiel bei den Dallas Stars. "Am Anfang der Saison mussten wir uns darauf einstellen mit den Videomeetings und den virtuellen Sachen", berichtet Verteidiger Joel Hanley. Aber unter dem Strich habe man die Situation gut gelöst. Selbstverständlich gelte auch bei den Texanern: Masken tragen, Abstand halten. Und was das Thema Kommunikation angeht, so mache der Coach einen guten Job.
Der Angesprochene, Rick Bowness, meint, dass sich das Kommunikationsverhalten zwischen Übungsleiter und Spieler trotz der Krise gar nicht groß verändert habe. "Wenn man mit einem Spieler sprechen muss, muss man mit einem Spieler sprechen", betont Bowness. Das habe sich nicht verändert, und das werde sich auch nicht verändern. "Mit den Spielern zu sprechen, ist entscheidend", unterstreicht der Coach. Und darauf lege man im Trainer-Stab auch nach wie vor großen Wert. Selbstverständlich unter den entsprechenden Vorgaben wie Abstand halten und Masken tragen. "Man passt sich dem Covid-Protokoll an, ohne die Herangehensweise bei den Spielern zu ändern", fasst es Bowness zusammen.

StarsBench

Virtuelle Meetings - darauf greifen auch die Carolina Hurricanes in diesen von der Pandemie geprägten Tagen zurück. Das bedeutet laut Stürmer Jordan Martinook, dass jeder Spieler in einem separaten Raum ist. Und dann würden alle via Zoom zusammengeführt. "Das ist der größte Unterschied", sagt Martinook, der immerhin auf die Erfahrung von rund 400 NHL-Spielen zurückblicken kann. "Damit kommt auch jeder zurecht." Aber der Kanadier gesteht auch, dass es manchmal schwierig sei. "Diese ganze Saison ist schwierig. Und egal, in welche Situation man in dieser Spielzeit kommt, es ist in jedem Fall anders als in einer normalen Saison." Und das stelle alle vor große Herausforderungen. Aber dann obsiegt am Ende bei Martinook doch der Pragmatismus: "Wir müssen Lösungen finden und damit zurechtzukommen. Aber das gilt für alle Teams. Das ist eben ein Teil dieser Saison."
Martinooks Teamkollege Jaccob Slavin meint gar, dass es in Bezug auf die Kommunikation in dieser Saison gar nicht so viele Veränderungen im Vergleich zu den Vorjahren gebe. "Der Coach zieht immer noch den einen oder anderen Spieler auf die Seite und spricht mit ihm." Aber es seien nicht mehr so viele Gespräche im Büro. "Wir versuchen, auch jetzt viel zu kommunizieren. Das ist auch noch effektiv. Die Jungs hier sind clevere Spieler", betont der Verteidiger, der im vergangenen Jahr die Farben der Hurricanes beim NHL All Star Game vertrat.
Bei Rod Brind'Amour, Trainer der Hurricanes und NHL-Veteran mit der Empfehlung von fast 1500 Spielen, hält sich die Begeisterung ob der aktuellen Situation spürbar in Grenzen. Ja, es fühle sich mittlerweile so an, als ob man sich an die veränderten Umstände gewöhnt habe. "Aber es kein sehr effektiver Weg der Kommunikation", betont er. Allerdings: Die Alternativen sind rar gesät. Weshalb Brind'Amour auch gleich ergänzt: "Es ist das Beste, was wir machen können. Doch es ist natürlich effektiver, wenn man einen Spieler einfach ins Büro rufen und mit ihm sprechen kann." Bei den Teambesprechungen über Zoom bekomme man leider nicht so viel Feedback, als wenn man sich zusammen in einem Raum befinde. "Es ist großartig, dass wir überhaupt die Möglichkeit haben, so etwas zu machen. Es ist allerdings nicht ideal", meint der Trainer.

Rod Brind Amour 8.12

Joel Quenneville, Trainer der Florida Panthers, ist derweil voll des Lobes darüber, wie seine Spieler mit den Veränderungen aufgrund der Corona-Pandemie und dem damit einhergehenden Protokoll in der NHL umgehen. Die Tests, das Tragen der Masken, die Video-Meetings, das Training - all das sei nicht einfach. "Aber die Spieler haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass sie sich in bestimmten Situationen nur in festgelegten Bereichen aufhalten dürfen." Generell meint er festgestellt zu haben, dass die Meetings via Videokonferenz kürzer und insgesamt auch weniger seien. "Den Spielern macht das nichts aus", betont er. Er habe in dieser Saison eine gute Gruppe beisammen. "Es macht Spaß, mit den Jungs zusammenzuarbeiten. Ihre Einstellung ist herausragend. Das könnten wir uns für die Vorbereitung auf die Spiele nicht besser wünschen."
Panthers-Stürmer Jonathan Huberdeau bestätigt, dass die Spieler bislang gut mit den Einschränkungen klargekommen seien. Auch bei den Panthers ist Abstand halten eins der obersten Gebote. Nach derzeitigem Stand müssen sich die Spieler und Trainer auch in den kommenden Wochen mit der Situation aufgrund der Pandemie arrangieren. Und auch wenn es nicht optimal ist, wenn man sich über Zoom zum Team-Meeting trifft, so zeigen die Mannschaften doch, dass die Wahrheit am Ende auf dem Eis liegt.

Die Panthers und die Hurricanes liefern sich jedenfalls aktuell einen spannenden Dreikampf mit den Tampa Bay Lightning im Kampf um die Spitzenposition in der Discover Central Division. In dieser haben die Stars schon etwas Rückstand auf die Playoff-Plätze. Allerdings haben sie auch fünf Spiele weniger ausgetragen als die Chicago Blackhawks auf Platz vier. Coach Bowness wird bei den Texanern schon die richtigen Worte finden, sein Team zu motivieren - aller Hindernisse zum Trotz.