Fiala sticht 2019/20 bei den Wild heraus

Kevin Fiala befindet sich derzeit in Schweden. Genauer gesagt in Göteborg. Dort verbringt der Schweizer die Corona-bedingte Pause der NHL-Saison und versucht sich so gut wie möglich fit zu halten. In einer Video-Konferenz mit Roman Josi und Nino Niederreiter ließ der Angreifer in seinen aktuellen Gemütszustand blicken.

Während Fiala sich mit seiner Freundin nach Schweden zurückgezogen hat, wählten seine beiden Landsleute andere Strategien. Josi blieb in Nashville und Niederreiter zog es in die Heimat. Genau diese Heimat ist es, die Fiala, neben Eishockey, am meisten vermisst. Zwar steht dem 23-jährigen seine Partnerin zur Seite, dennoch fehlt der persönliche Kontakt zu Freunden und Familie in der Schweiz.

Immerhin sind die Bedingungen in Schweden, verglichen mit anderen Nationen, nahezu herausragend gut. Fiala kann von Montag bis Freitag täglich auf dem Eis trainieren und hält sich darüber hinaus mit Krafttraining fit. Vier bis fünf NHL-Spieler treffen sich bei den Eiseinheiten und werden um College-Spieler und schwedische Akteure ergänzt. "Natürlich ist es toll, die Möglichkeit zu haben, aufs Eis zu gehen", freut sich Fiala über die guten Bedingungen in Göteborg. Durch die NHL-Stars, mit denen der Stürmer trainieren kann, bietet sich Konkurrenz auf "dem gleichen Level". Für Fiala ist die Situation, wie für alle anderen auch, ungewohnt: "Es fühlt sich ein bisschen komisch an. Wie im Sommer aber irgendwie auch nicht."

Josi, Fiala, Niederreiter talk life in quarantine

"Wie im Sommer", trainiert Fiala, der besonders die Teamkollegen vermisst. "Ich gehe wirklich jeden Tag aufs Eis. Sonst ein bisschen Kraft- und Schnelligkeitstraining. Sonst nichts. Ich gehe normal in die Stadt. In Schweden ist alles normal." Entsprechend muss sich Fiala nicht mit den Problemen des fehlenden Friseurs befassen, wie es bei Josi der Fall ist. Unter seinen Teamkameraden bei den Minnesota Wild, ist sich der Angreifer sicher, dass besonders Joel Eriksson Ek dringend einen Haarschnitt brauchen würde.

Trotz allem Spaß, den die drei Schweizer im Gespräch hatten, ist ihnen bewusst, dass die Gesundheit an erster Stelle steht. Besonders für Fiala ist die plötzliche Pause dennoch ein herber Schlag. Mit 54 Punkten (23 Tore, 31 Vorlagen) in 64 Matches ist er Top-Scorer seines Teams und er hat bereits einen neuen persönlichen NHL-Punkterekord aufgestellt.

Die Grundlagen für den großen Schritt nach vorne legen NHL-Spieler meist im Sommer. Während einige ihre Trainingsmethoden umstellen und damit ungeahnte Entwicklungssprünge machen, hat Fiala kaum etwas geändert. "Normal setzt du dir Ziele. Ich habe immer probiert das Gleiche zu machen, egal ob es gut oder schlecht geht. Du musst immer ein gutes Selbstvertrauen haben. Das hat dieses Jahr einfach besser geholfen. Ich hoffe es geht so weiter."

CBJ@MIN: Fiala verwertet den Pass von Staal

Der Wild-Stürmer vermisst trotz allem die Duelle mit Josi, "einem der besten, wenn nicht dem besten Verteidiger" und dem "kaltblütigen" Niederreiter, der "immer Tore schießen kann", nur bedingt. Auch auf Bandenzweikämpfe mit Zdeno Chara, das Blocken von Charas Schüssen und Drew Doughtys Trash Talk kann er verzichten.

Mit Josi verbindet Fiala eine gemeinsame Vergangenheit. Der Kontakt nach seinem Wechsel von den Nashville Predators zu den Wild ist jedoch etwas eingeschlafen. Dafür macht der junge Angreifer die immer engen Kämpfe mit seinem ehemaligen Team und Landsmann verantwortlich. Auch bei der Wahl von Schweizer Mitbewohnern im Fall einer Quarantäne fiele Fialas Wahl nicht auf Josi. Der St. Galler würde sich Timo Meier von den San Jose Sharks wünschen, den er, aufgrund des gleichen Jahrgangs, schon lange kennt.

Eine WG mit Fiala würde vermutlich in chaotischen Verhältnissen enden, gab der Kapitän der Predators zu verstehen. Aus demselben Grund käme für Fiala eine Quarantäne-Wohngemeinschaft mit Denis Malgin von den Toronto Maple Leafs nicht in Frage.

Das Schweizer Eishockey sehen alle drei Spieler aus der Video-Konferenz trotz des vergangenen und aktuellen Draft-Jahrgangs als für die Zukunft gerüstet an. 2019 wurde lediglich Valentin Nussbaumer an 207. Stelle von den Arizona Coyotes gedraftet und auch in diesem Jahr sind nur drei Akteure gelistet. Doch mit Nico Hischier steht auch ein Nummer-Eins-Pick aus dem Jahr 2017 in den Geschichtsbüchern.

Die Eishockey-WM in der Schweiz hätte eine neuerliche Initialzündung sein sollen, die in der schon starken Nachwuchsförderung die nächste Entwicklungsstufe einläutet. So bleibt es aktuell dabei den Blick auf die NHL-Stars zu richten, aus denen nach Meinung von Fiala besonders Josi hervorsticht. Ginge es nach dem Angreifer würde sein Landsmann die Norris Trophy für den besten Verteidiger der NHL gewinnen. Auch die Hart Trophy für den MVP ginge in den deutschsprachigen Raum, an Leon Draisaitl, da waren sich Josi, Niederreiter und Fiala einig.