Drei Auswärtsspiele in vier Tagen – das schlaucht und ist selbst für NHL-Profis, die diese Strapazen ja gewöhnt sind, nicht einfach zu bewältigen. Da ist es gut für den Kopf, wenn man am Ende mit vielen Punkten die Heimreise antritt. Für die Detroit Red Wings mit dem deutschen Verteidiger Moritz Seider und dem Österreicher Marco Kasper im Sturm lief es bei diesem Road Trip fast ideal. Nach dem 5:1-Sieg am Samstagabend bei den Winnipeg Jets konnte das Team zufrieden die Heimreise antreten. Und Kasper hatte dabei noch sein ganz persönliches Erfolgserlebnis.

2:1 nach Verlängerung bei den Toronto Maple Leafs gewonnen, 3:4 nach Verlängerung bei den Minnesota Wild verloren und jetzt der Erfolg in Winnipeg – damit traten die Red Wings mit fünf von möglichen sechs Punkten aus dieser Auswärtsserie den Rückflug an. Das Team hat sogar gerade eine Serie von fünf Spielen am Laufen, in denen es mindestens einen Zähler geholt hat (4-0-1). Entsprechend zufrieden waren die Gesichter bei den Gästen nach dem Ende der Partie in der kanadischen Provinz Manitoba.

Koepke bringt Jets in Führung

Im Canada Life Centre war für die Mannschaft von Trainer Todd McLellan vor allem Geduld gefragt. Denn nach einem torlosen ersten Drittel gingen die Gastgeber in Führung. Cole Koepke ließ sich bei seinem vierten Saisontor auch von Seider nicht entscheidend stören. Der ehemalige Verteidiger der Mannheimer Adler in der DEL war zwar dicht am Gegenspieler, doch Koepke war einen Tick schneller am Puck (31.). Die Red Wings haben in dieser Saison jedoch auch mental einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. Nicht umsonst sind sie eins der Top-Teams in der Eastern Conference in dieser Saison. Weshalb so ein Rückstand nicht gleichbedeutend mit einer Niederlage ist.

Und sie können sich darauf verlassen, dass die Last auf sehr viele Schultern verteilt werden kann, dass immer wieder verschiedene Spieler in die Bresche springen und für entscheidende Aktionen sorgen. In diesem Fall war es J.T. Compher. Der US-Amerikaner drehte mit einem Doppelpack die Partie zugunsten der Red Wings. Erst sorgte er im Nachstochern für den wichtigen Ausgleich (36.). Dann brachte er die Gäste im Schlussabschnitt in Führung (42.). Beim ersten seiner Treffer sei die harte Arbeit hinter dem Tor von Connor Hellebuyck (26 Saves) entscheidend gewesen. Und beim zweiten habe er von tollen Pässen der Vorbereiter Emmitt Finnie und James van Riemsdyk profitiert, meinte Compher.

Compher, das Schweizer Taschenmesser

Für den Stürmer waren es die Saisontore sieben und acht. Um seinen Wert weiß auch der Coach: „Er ist wie ein Schweizer Taschenmesser. Man kann ihn in sehr vielen verschiedenen Situationen einsetzen“, sagte McLellan. Compher sei ein guter Rechtshänder im Bullykreis, verteidige sehr verantwortungsbewusst. „Wir setzen ihn in Unterzahl und auch ein bisschen in Überzahl ein. Wir sehen es gerne, wenn er belohnt wird. Er hatte in der letzten Zeit so viele Chancen, und jetzt hat er endlich mal getroffen. Und das waren wichtige Tore für uns. Zuerst hat er für uns ausgeglichen und uns dann in Führung gebracht. Von da an konnten wir die Partie runterspielen.“

Aus Sicht des Doppelpackers war vor allem wichtig, dass die Mannschaft Ruhe bewahrt habe. „Zwei Drittel lang war das nicht unbedingt ein schönes Spiel. Aber wir sind drangeblieben und haben einen Weg gefunden, zu gewinnen“, sagte Compher. Hinzu komme in dieser Saison, dass die Torhüter die wichtigen Saves machen, wenn sie das Team brauche. In diesem Fall war es John Gibson, der am Ende 26 Paraden verbuchte und durch diesen Sieg seine letzten acht Starts für Detroit gewann.

Lob für die Torhüter

„Die Torhüter machen die wichtigen Saves, wenn wir sie brauchen“, befand Compher. Und auch Kasper sparte nicht mit Lob in Richtung der Goalies: „Gibson war fantastisch. Und auch Cam Talbot ist gerade gut drauf. Wir wissen, dass wenn wir mal einen Schuss durchlassen, die beiden unwirkliche Paraden zeigen können. Das ist gut und sehr wichtig für uns.“

Aus Sicht des Innsbruckers war gegen die Jets vor allem das Forechecking entscheidend. Zudem sei das Team nach dem Rückstand gut zurückgekommen. „Es ist wichtig, solche Spiele zu gewinnen.“ Kasper durfte sich in Winnipeg zudem noch über ein persönliches Erfolgserlebnis freuen. Der Tiroler bereitete nicht nur das zwischenzeitliche 3:1 durch Lucas Raymond vor (49.). Er markierte 77 Sekunden vor dem Ende das 5:1. Für Kasper war es der fünfte Saisontreffer. Alex DeBrincat hatte zuvor ins leere Tor das 4:1 geschossen (59.).

DET@WPG: Kasper erzielt Tor gegen Hellebuyck

„Es ist leicht, das dritte Drittel hervorzuheben, wie wir da gespielt haben. Aber ich denke, dass wir im ersten und zweiten Spielabschnitt gelernt haben, mit Frust umzugehen. Einige Wechsel sind für uns gelaufen, andere nicht. Da ist schon ein bisschen Frust aufgekommen“, meinte McLellan. „Aber das war guter Frust. Die Jungs stacheln sich gegenseitig an und werden sauer, wenn es nicht so läuft, wie sie es wollen. Das müssen wir richtig kanalisieren, und das haben wir im dritten Drittel auch getan.“

Es sei ein wichtiger Sieg gewesen, meinte der Übungsleiter weiter. Man müsse verschiedene Wege finden, um zu gewinnen. „Mal macht der Superstar sein 70. Saisontor, mal ist es ein geblockter Schuss …“ Für Kasper, der jetzt bei zwölf Scorerpunkten (5-7-12) in 52 Spielen in dieser Saison steht, ist es wichtig, das gute Gefühl in die nächsten Heimspiele mitzunehmen. Am Dienstag empfangen die Red Wings die Los Angeles Kings, am Donnerstag sind die Washington Capitals zu Gast, am Samstag gastieren die Colorado Avalanche in Detroit.

Die Red Wings haben durch den Sieg 69 Punkte auf ihrem Konto. Damit sind sie an der Spitze der Atlantic Division, einen Zähler vor den Tampa Bay Lightning, und punktgleich mit den Carolina Hurricanes das beste Team in der Eastern Conference.

Verwandte Inhalte