Spannender geht es nicht. Die Seattle Kraken glichen ihre Best-of-seven-Serie der zweiten Runde der Stanley Cup Playoffs 2023 in der Western Conference gegen die Dallas Stars in Spiel sechs zum 3:3 aus und erzwangen damit das alles entscheidende Spiel sieben. Am Samstag schlugen sie die Stars zu Hause in der Climate Pledge Arena mit 6:3.

"Wir wussten, dass sie Gas geben würden", gab Stars-Trainer Peter DeBoer zu. "Wir haben uns aber selbst nicht geholfen, haben zu viele Pucks verloren. Wenn das andere Team in einem entscheidenden Spiel so hungrig ist und man auswärts spielt, muss man die schlauere Mannschaft sein. Wir haben Fehler angehäuft und ihnen im ersten Drittel Energie gegeben. Zu diesem Punkt der Saison ist es aber gegen jedes Team schwierig drei Spiele in Folge zu gewinnen."

Mit einem Sieg hätten die Stars die Serie für sich entscheiden können. Für die Kraken war das aber keine neue Situation. Das junge Franchise steht zum ersten Mal in den Playoffs und musste in der ersten Runde gegen die Titelverteidiger Colorado Avalanche bereits über die volle Distanz gehen. Ihr erstes Spiel sieben gewannen sie mit 2:1.

"Es ist Spiel sieben, wer weiß, was da passiert", gab sich Seattles Stürmer Yanni Gourde entspannt. "Aber wir geben uns selbst eine Chance und wir freuen uns auf die Herausforderung. Wir müssen uns auf die ersten paar Wechsel konzentrieren und dürfen nicht zu weit vorausschauen... Man muss im Moment bleiben, präsent sein und immer wieder die richtigen Dinge tun, dann kriegt man auch die richtigen Ergebnisse."

Das schien den Kraken bereits am Samstag gut zu gelingen. Wie alle Spiele in dieser Serie, war es eine torreiche Angelegenheit. Anders als sonst, spielten sich aber zwei von Seattles Skatern gleich mit drei Punkten in den Vordergrund. Jordan Eberle glänzte mit zwei Toren und einem Assist. Eeli Tolvanen steuerte ein Tor und zwei Assists bei. Gourde und Rookie Matty Beniers verbuchten je ein Tor und einen Assist. Eberle und Tolvanen sind die ersten beiden Spieler, die für Seattle drei Punkte in einem Playoff-Spiel erzielten. Ansonsten verlässt sich das Team auf eine ausgeglichene Teamleistung, aus der zumindest statistisch niemand besonders hervorsticht.

"Wir waren heute einfach bereit", lobte Tolvanen aber die gesamte Mannschaft. "In den letzten paar Spielen waren eher die Stars dieses Team, das für das Spiel bereit war. Das war heute der Schlüssel. Alle vier Reihen waren bereit und haben abgeliefert."

DAL@SEA, Sp6: Kraken, Stars treffen in 31 Sekunden

Gourde (9.) brachte die Kraken im ersten Drittel in Führung, doch Mason Marchment (10.) gelang nur 31 Sekunden später der Ausgleich. Seattle nutzte im Powerplay aber sein Übergewicht von 16:5 Torschüssen, als Eberle (17.) die Führung zurückeroberte.

"Sie sind eiskalt", erklärte Eberle mit Blick auf Marchments schnelle Antwort auf das 1:0. "Danach haben wir aber einen guten Job gemacht und dem Druck standgehalten, aber wenn sie nach deinem Tor so schnell treffen und sich das Momentum zurückholen, das ist tödlich. Man sieht die Wendepunkte im Spiel, wenn ein Team Schwung aufnimmt und da muss man sich das Momentum zurückholen oder es behalten, das müssen wir in diesen Situationen verstehen."

Im zweiten Spielabschnitt bauten Tolvanen (22.) und Tye Kartie (25.) auf 4:1 aus. Joe Pavelski nutzte seinerseits ein Überzahlspiel für Dallas, um mit seinem achten Tor der Serie auf 2:4 zu verkürzen. Die acht Tore in einer Serie sind ein Franchise-Rekord, außerdem gelangen zuvor in der NHL-Geschichte nur Martin St. Louis und Johnny Bucyk im Alter von mindestens 38 Jahren acht Tore in einem Playoff-Jahr. Es war auch das 72. Playoff-Tor in Pavelskis Karriere, womit er mit Alex Ovechkin als erfolgreichster Torschütze unter allen aktiven Spielern gleich zog.

DAL@SEA, Sp6: Beniers, Eberle sorgen für Tor

Im Schlussabschnitt stellte Beniers (49.) den Abstand von drei Toren wieder her. Joel Kiviranta verkürzte zwar erneut, Eberle (60.) besiegelte das Ergebnis aber mit einem Empty-Netter. Kartye und Beniers erzielten jeweils ihr drittes Tor der Playoffs und zogen mit Dallas' Wyatt Johnston als beste Rookie-Torjäger der Postseason gleich. Der Rosenheimer Philipp Grubauer hielt für Seattle 20 Schüsse, während Stars-Torwart Jake Oettinger seinen Platz zwischen den Pfosten nach vier Gegentoren bei 18 Schüssen vorzeitig an Scott Wedgewood abgeben musste.

"Ich habe es geliebt, wie unser Team mit dem Spiel heute umgegangen ist", schwärmte Seattles Trainer Dave Hakstol. "Wir mussten den Jungs als Trainer nicht viel sagen. Wir haben eine gewisse Vorbereitung durchgesprochen, aber nur eine ganz einfache. Wir haben einfach schon heute früh gespürt, dass unsere Spieler gut fokussiert sind. Sie waren entspannt und diese Formel hat uns gute Starts eingebracht, so war es auch heute."

Spiel sieben findet am Montag im American Airlines Center in Dallas statt (8 p.m. ET; NHL.tv; Di. 2 Uhr MESZ). Dann könnte den Kraken zu Gute kommen, dass sie mit dem Druck eines Entscheidungsspiels bereits konfrontiert wurden. Für Dallas wird es das erste Spiel der diesjährigen Playoffs sein, in dem das Aus droht.