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Jonas Siegenthaler ist ein eher ruhiger Weggefährte, doch auf dem Eis zeigt er mittlerweile, was in ihm steckt. Der Zürcher hat sich bei den New Jersey Devils zu einem Full-Time-NHL-Spieler entwickelt. Sein im Jahr 2022 geschlossener Fünf-Jahres-Vertrag bindet ihn mit einem jährlichen Verdienst von 3,4 Millionen Dollar bis zum Ende der Saison 2027/28 an die Devils.

Der 26-Jährige hätte vielleicht mehr herausholen können, doch er ist zufrieden, wie er im Eishockey-Podcast „Eisbrecher“ von Simon Graf, stellvertretender Leiter des Ressorts Sport beim Tages-Anzeiger, mitteilte.

Siegenthaler gewährt in einer dreiviertel Stunde einige intime Einblicke in seine Gefühlswelt und was ihn umtreibt. So schildert er auch, wo er während der Saison gerne seine Freizeit verbringt und wie er seine Ausgeglichenheit erreicht. Natürlich werden auch die vier Schweizer im Team von New Jersey (Neben ihm noch Nico Hischier, Timo Meier und Akira Schmid) ausführlich angesprochen.

Mit 21 Punkten (vier Tore, 17 Assists) in 80 Spielen legte er in 2022/23 seine bisher beste Spielzeit hin. In der ersten Runde der Stanley Cup Playoffs gegen den großen Ortsrivalen New York Rangers schoss er ein wichtiges Siegtor im 3. Drittel von Spiel 4 zum 2:1 und dem 2:2-Serienausgleich. Die Best-of-Seven-Serie wurde am Ende mit 4:3 gewonnen, doch in der zweiten Runde gegen die Carolina Hurricanes war nach einem 1:4-Serienstand Schluss. Doch diese Erfahrung hat bei Siegenthaler definitiv Lust auf mehr gemacht.

PHI@NJD: Siegenthaler führt Devils zum Sieg

Wir stellen die besten Aussagen von Siegenthaler aus dem Podcast hier zusammen:

Über sein Defensivspiel:

„Das Eishockey wird jedes Jahr so viel schneller und die Spieler werden stärker. Wenn man jeden Zweikampf gewinnen will, dazu muss man nicht der Größte und der Schwerste sein, vieles davon ist taktisch und technisch, wie man die Zweikämpfe angeht. Als Verteidiger habe ich das ganz gut im Griff und mache das Beste daraus.“

Über die vier Schweizer im Team:

„Es ist recht cool und sehr speziell. Das hat es noch nie gegeben und wird es wahrscheinlich so schnell nicht mehr geben. In Nashville waren vor ein paar Jahren drei Schweizer im Team, aber jetzt sind wir zu viert. Wir kennen uns schon aus dem Juniorenbereich von der Nati ganz gut. Man genießt die Zeit, weil man weiß nie, wie lange das andauert.“

Über Schweizerdeutsch in der Kabine:

„Für Kanadier und Amerikaner ist es recht lustig. Die fragen dann ab und zu nach, was man gerade gesagt hat oder was das Wort bedeutet. Wir schauen aber schon darauf, dass wir das nicht übertreiben und gerade wenn mehrere aus dem Team zusammen sind, dann wird Englisch gesprochen. Schweizerdeutsch sprechen wir meistens nur, wenn wir alleine sind oder mal ein schnelles persönliches Wort an den anderen richten.“

Über seine Freizeit während der Saison:

„Ich bin relativ oft in Manhattan unterwegs und gehe gerne in den Parks am Hudson spazieren oder trinke einen Kaffee. Das gefällt mir ganz gut. Ich werde dort nicht so häufig angesprochen. Auch in Jersey City, wo ich wohne, sind sehr viele Leute aus der IT-Branche und verschiedenen Ländern. Unsere Hardcore-Fans kommen eher aus dem Hinterland von New Jersey.“

Über seinen letzten Vertrag:

„Es hat so viele gegeben, die gesagt haben, dass ich damit unterbezahlt wäre, aber schlussendlich bin ich zufrieden mit dem Vertrag. Ich weiß, dass ich fünf Jahre hier sein werde und ich will in dieser Zeit etwas mit New Jersey erreichen. Das ist mir sehr wichtig, dass wir in den kommenden Jahren einen Push machen und schlussendlich den Stanley Cup gewinnen. Klar, hätte ich noch ein Jahr warten und dann unterschreiben können. Es wäre vielleicht mehr herausgesprungen, aber es sind so schon ein paar Millionen, mit denen man gut leben kann. Das ist immer noch viel Geld.“

Siegenthaler

Über seine frühere Entwicklung:

„Ich war in der Kindheit sehr kräftig und pummelig, eigentlich bis 12 Jahre, erst dann bin ich kräftig in die Höhe geschossen und schlanker geworden. Ich bin innerhalb eines Jahres 20 cm gewachsen und dann hat es mich, Gott sei Dank, in die Länge gezogen. Mit 13, 14 Jahren habe ich gemerkt, dass ich im Eishockey sehr erfolgreich sein könnte. Ich war beim Junioren-Turiner in Quebec City. Da war ich einen Kopf größer als alle andere. Damals war ich 1,73 Meter. Das hat sich gut angefühlt, dass ich dort zu den Besten gehört habe. Ab dem Alter ist es stetig bergauf gegangen. Ich habe meistens in einer Altersklasse über mir gespielt und kam mit 15 erstmals in die Junioren-Nationalmannschaft. Mit 16 hatte ich die ersten paar Spiele für den ZSC und ein Jahr später die erste volle Saison bei den Männern.“

Über seinen früheren Trainer Marc Crawford:

„Marc Crawford war damals beim ZSC und er hat mich gefördert und mir viel beigebracht. Er hat an mich geglaubt und wollte mich pushen und groß rausbringen. Es gab da sehr viele Gespräche. Es ging nicht immer nur über Eishockey, sondern auch über das Leben allgemein. Marc wollte zum Beispiel meine Eltern kennenlernen und wir sind zusammen Essen gegangen. Obwohl meine Eltern nicht gut Englisch können, hat die Verständigung geklappt. Er wollte viel von mir wissen, um mich besser zu machen. Je älter ich werde, desto mehr weiß ich zu schätzen und weiß, warum er mich damals häufiger zusammengeschissen hat. Das macht jetzt alles Sinn.“

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