Peterka

Für JJ Peterka geht in diesen Tagen ein lang gehegter Traum in Erfüllung. In seiner fünften NHL-Saison steht der deutsche Nationalspieler erstmals in den Stanley Cup Playoffs – und das ausgerechnet mit einem Team, das selbst noch ganz am Anfang seiner Geschichte steht: den Utah Mammoth.

Wenn das Franchise am Sonntag (10 p.m. ET; Mo. 4 Uhr MESZ) seine Erstrundenserie der Western Conference gegen die Vegas Golden Knights eröffnet, schreibt es gleich in mehrfacher Hinsicht Geschichte.

„Ich bin sehr aufgeregt. Wir haben das ganze Jahr hart dafür gearbeitet, in die Stanley Cup Playoffs zu kommen. Dass wir so früh mit der Organisation den Sprung in die K.o.-Phase geschafft haben, ist sehr besonders“, sagt Peterka vor dem Auftakt im exklusiven Gespräch mit NHL.com/de.

Tatsächlich ist die Qualifikation der Mammoth eine bemerkenswerte Entwicklung. Erst in ihrer zweiten NHL-Saison gelang der Einzug in die Playoffs – ein Kunststück, das in der modernen Liga nur wenigen Expansionsteams so früh gelungen ist. Der entscheidende Schritt erfolgte am 9. April mit einem Sieg gegen die Nashville Predators, kombiniert mit Schützenhilfe der Anaheim Ducks. Utah wird damit zum 23. US-Bundesstaat, der Playoff-Eishockey aus der NHL beherbergt. Und die Euphorie rund um das Team ist bereits jetzt spürbar – sowohl in der Kabine als auch auf den Rängen.

Aufbruchsstimmung in Utah

 Peterka beschreibt die besondere Atmosphäre rund um das Team eindrucksvoll. „Die Fans sind super aufgeregt. Sie haben uns in den Heimspielen die ganze Saison über unglaublich unterstützt. Wenn man mit einigen von ihnen spricht, merkt man sofort, dass sie genau so aufgeregt darüber sind, dass wir die Playoffs erreicht haben, wie wir Spieler es sind. Wir werden zusammen eine tolle Zeit haben.“

Diese Begeisterung speist sich nicht nur aus dem sportlichen Erfolg, sondern auch aus der Perspektive der Organisation. Die Mammoth haben sich in kürzester Zeit als konkurrenzfähiges Team etabliert. Mit gleich sechs 20-Tore-Schützen stellten sie in der Saison 2025/26 eine der ausgeglichensten Offensiven der Liga. Zudem gehört Utah zu einem exklusiven Kreis von NHL-Teams, die in ihren ersten beiden Jahren mehrere Spieler mit jeweils über 100 Scorerpunkten in den Reihen hatten.

Auch die Mischung im Kader stimmt: Neben jungen Leistungsträgern stehen erfahrene Kräfte wie Stanley-Cup-Sieger Ian Cole, Mikhail Sergachev oder Nate Schmidt. Kapitän Clayton Keller führte die Mannschaft als einer der wenigen US-Amerikaner der Neuzeit erstmals in die Playoffs.

„Wir wollen hier etwas aufbauen. Der Kader ist langfristig geplant. Viele junge Spieler stehen noch eine Weile unter Vertrag. Es ist toll, dass wir schon im zweiten Jahr an diesem Standort den Sprung in die Playoffs geschafft haben“, erklärt Peterka.

Peterkas Entwicklung als Schlüssel

 Für den 24-jährigen Stürmer selbst ist die aktuelle Situation auch das Resultat einer persönlichen Entwicklung. Erst vor dieser Saison war er von den Buffalo Sabres nach Utah gewechselt – ein Schritt, der zunächst Anpassung erforderte.

„Nach meinem Trade von den Buffalo Sabres habe ich eine Weile gebraucht, mich einzugewöhnen. Das Spielsystem hier war ein anderes. Doch ich habe mich in der Organisation und in der Stadt auf Anhieb sehr wohl gefühlt. Das hat mir die Umstellung am Ende dann doch sehr einfach gemacht.“

Diese Eingewöhnungsphase wich schnell einer konstanten Leistungssteigerung. Am Ende der regulären Saison stand Peterka erneut bei über 20 Treffern (25 Tore und 22 Assists zu 47 Punkten in 82 Hauptrundenspielen) – zum dritten Mal in seiner NHL-Karriere.

„Dass ich am Ende meine dritte Saison mit 20 Toren geschafft habe, zeigt ja, wie wohl ich mich auch hier fühle. Nun endlich auch mal Playoff-Eishockey in der NHL erleben zu dürfen, ist eine tolle Belohnung für mich. Das kannte ich bisher ja nur aus dem Fernsehen.“

Dass Utah als Team so schnell zusammengefunden hat, sieht Peterka als entscheidenden Faktor für den Erfolg: „Wir sind im Laufe der Saison als Team immer besser zusammengewachsen. Das hat uns sehr geholfen.“

Dabei war der Playoff-Einzug keineswegs selbstverständlich. „Ich denke nicht, dass zu Saisonbeginn sehr viele Leute damit gerechnet haben, dass wir es in die Playoffs schaffen können. Ich habe jedoch schon in den ersten gemeinsamen Trainingseinheiten mit den Jungs gespürt, dass das hier sehr gut passen könnte.“

WPG@UTA: Peterka taucht frei vor dem Tor auf und verwandelt mit viel Geduld

Große Bühne – und große Gegner

Die Herausforderung könnte nun kaum größer sein. In der Ersten Runde treffen die Mammoth direkt auf die hoch eingeschätzten Vegas Golden Knights – ein Team mit beeindruckender Erfolgsbilanz gegen neue Franchises. Vegas gewann neun seiner ersten zwölf Serien gegen Debütgegner und erreichte seit seiner eigenen Gründung mehrfach die späten Playoff-Runden, inklusive des Stanley-Cup-Triumphs 2023.

Für Utah ist es zudem eine Premiere unter besonderen Vorzeichen: Erstmals seit 1984 treffen in den Playoffs zwei Franchises aufeinander, deren gemeinsame Existenzdauer elf Jahre oder weniger beträgt. Gleichzeitig ist es erst die dritte Serie der NHL-Geschichte zwischen zwei Teams, die beide erst im 21. Jahrhundert gegründet wurden.

Doch gerade diese Ausgangslage macht den Reiz für Peterka aus. Die Mammoth gehen als Außenseiter in die Serie, haben aber nichts zu verlieren – und können auf eine gewachsene Teamchemie bauen.

Auch persönlich denkt der deutsche Nationalspieler bereits einen Schritt weiter. Ein mögliches Duell mit Landsmann Leon Draisaitl und den Edmonton Oilers in einer späteren Runde reizt ihn besonders: „Im Laufe der Playoffs irgendwann vielleicht einmal auf Leon und seine Oilers treffen zu können, ist eine tolle Perspektive. Das wäre natürlich auch etwas ganz Besonderes. Das wäre eine Erfahrung, die man gerne einmal machen möchte. In dieser Situation zu stecken, ist einfach nur toll.“

Zunächst aber richtet sich der volle Fokus auf die Gegenwart – und auf den Moment, auf den Peterka so lange gewartet hat. Sein erstes Spiel in den Stanley Cup Playoffs ist mehr als nur ein persönlicher Meilenstein. Es ist Teil einer größeren Geschichte: dem rasanten Aufstieg eines jungen Franchise – und dem Beginn eines neuen Kapitels im Karriereweg eines der spannendsten deutschen NHL-Spieler seiner Generation.

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