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Die Bühne könnte größer kaum sein. Am Dienstagabend (8 p.m. ET; Mi. 2 Uhr MESZ) beginnt im Lenovo Center von Raleigh das Stanley Cup Finale 2026 zwischen den Carolina Hurricanes und den Vegas Golden Knights. Für die Hurricanes ist es die willkommene Gelegenheit, den zweiten Stanley Cup der Franchise-Geschichte nach der Meisterschaft von 2006 zu gewinnen.

Dabei vertrauen die Hurricanes auf genau die Eigenschaften, die sie in den vergangenen Jahren zu einem der konstantesten Spitzenteams der NHL gemacht haben: Tempo, Druck, Disziplin - und eine außergewöhnliche körperliche Verfassung. Das Fundament dafür wurde nicht erst in den Stanley Cup Playoffs gelegt, sondern bereits viele Monate zuvor.

Brind’Amours Standard prägt die gesamte Organisation

Wenn über die Identität der Hurricanes gesprochen wird, fällt unweigerlich der Name von Cheftrainer Rod Brind’Amour. Der ehemalige NHL-Stürmer gilt seit seiner aktiven Karriere als Fitnessfanatiker und hat diesen Anspruch auf die gesamte Organisation übertragen.

„Natürlich sind in dieser Liga alle Mannschaften fit. Aber ich denke schon, dass wir das noch einmal auf ein anderes Level gehoben haben“, sagt Brind’Amour. „Wir gehen jeden Tag an die Grenzen, aber nicht ohne dabei ein Lächeln im Gesicht zu haben. Die Jungs haben es verstanden, worum es geht. Gewisse Anstrengungen gehören in diesem Sport halt dazu. Und die Jungs sehen, dass es funktioniert.“

Die Ergebnisse sprechen tatsächlich für sich. Carolina gehört seit Jahren zu den laufstärksten Mannschaften der Liga und ist dafür bekannt, Gegner über 60 Minuten mit aggressivem Forechecking und permanentem Druck unter Stress zu setzen.

Jordan Martinook beschreibt die Philosophie seines Trainers denkbar einfach: „Harte Arbeit. Wenn du jeden Abend so hart wie möglich konkurrierst, dann kannst du für Rod spielen. Das sagt er immer. Wenn du wettbewerbsfähig bist, dann wirst du bei ihm immer gut angesehen sein. Sei ein guter Mensch. Das ist eigentlich schon alles. Das Talent kommt danach.“

Diese Kultur zieht sich durch sämtliche Bereiche der Organisation. Gemeinsam mit Athletiktrainer Bill Burniston hat Brind’Amour eines der anspruchsvollsten Fitnessprogramme der NHL etabliert. In Raleigh ist es längst Tradition, dass viele Spieler selbst nach Spielen noch Krafttraining absolvieren. Dazu kommen individuelle Trainingspläne für die Sommerpause, Mobilitätsprogramme und detaillierte Regenerationskonzepte.

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Eine Mannschaft, die niemals vom Gas geht

Der Spielstil der Hurricanes verlangt genau diese körperlichen Voraussetzungen. Carolina attackiert aggressiv, läuft permanent an und versucht, den Gegner durch Tempo und Druck zu Fehlern zu zwingen.

„Wir spielen einen sehr aggressiven Stil. Das gefällt mir“, erklärt Logan Stankoven. „Natürlich musste ich mich nach meinem Wechsel von den Dallas Stars hierher umstellen. Aber wenn man sich erst einmal eingewöhnt hat, ist es kein Problem mehr. Wir haben extra Fitnesspläne, die wir abarbeiten. Daran muss sich jeder Spieler halten, auch außerhalb der Saison.“

Auch Taylor Hall musste nach seiner Ankunft in Carolina zunächst lernen, welche Anforderungen das System stellt. „Es ist schnell. Es gibt viel Druck. Es ist sehr detailliert“, sagt Hall. „Wir wissen eigentlich immer, wo wir auf dem Eis sein müssen. Das macht es einfacher, schnell zu spielen. Als ich vergangenes Jahr aus Chicago gekommen bin, war ich läuferisch noch nicht in der Form, die ich gebraucht hätte, um hier so zu spielen, wie ich wollte. Es hat ein paar Wochen gedauert. In unserer Spielweise steckt sehr viel Laufarbeit.“

Mittlerweile aber sei das System für ihn zur zweiten Natur geworden. „Es schadet natürlich auch nicht, wenn dein Trainer selbst in einer solchen Form ist. Er ist ein Vorbild für uns. Wir folgen seinem Beispiel.“

PHI@CAR, Spiel 2: Hall schießt den Puck präzise ins Tor und erzielt so den Siegtreffer in der Verlängerung.

Seth Jarvis sieht genau darin eine der größten Stärken der Mannschaft. „Wir sind immer bereit“, meint der Stürmer. „Unsere Spielweise kann sehr anspruchsvoll sein und sie ist nicht für jeden geeignet. Aber wir haben die richtige Gruppe dafür. Wenn der Puck fällt, geben alle Vollgas. Es gibt keine Schichten, in denen jemand abschaltet. Es gibt keine freien Tage. Wir sind unglaublich konstant in der Art und Weise, wie wir spielen.“

Besonders dann, wenn Carolina sein Spiel aufziehen kann, entsteht für den Gegner oft ein kaum kontrollierbarer Druck. „Wenn wir ein Spiel dominieren, fühlt es sich sogar einfach an. Deshalb liebe ich die Art, wie wir spielen“, erklärt Jarvis.

Fitness als Schlüssel für lange Playoff-Läufe

Die Hurricanes haben in den vergangenen Jahren regelmäßig tiefe Playoff-Runs hingelegt. Ein entscheidender Faktor dafür ist die Fähigkeit, ihre Intensität auch nach Monaten voller Belastung aufrechtzuerhalten.

„‚Roddy‘ setzt natürlich einen beeindruckenden Standard mit seiner eigenen Fitness“, erklärt Martinook. „Aber wenn du hier ins Trainingslager kommst, weißt du sofort, dass du lange fit bleiben musst. Wir wollen jedes Jahr lange Playoff-Läufe spielen. Dafür brauchst du Kraft und musst sie über Monate erhalten können.“

Auch Nikolaj Ehlers spürt die Auswirkungen der intensiven Vorbereitung. „Rod ist selber in toller Form. Natürlich verlangt er das auch von uns“, sagt der Däne. „Wir waren von Saisonbeginn an bereit für diese Herausforderungen. Wir sprechen oft darüber, wie wichtig das im modernen Eishockey ist. Auch am Ende einer so langen Saison fühlen wir uns noch topfit. Das gibt ihm Recht.“

Dass Carolina zwischen den einzelnen Playoff-Runden nicht an Rhythmus verliert, führt Jalen Chatfield ebenfalls auf die konsequente Arbeit abseits der Spiele zurück. „Wir brauchen diese extreme Fitness, um unseren aggressiven Spielstil durchzuhalten“, sagt der Verteidiger. „Wir halten die Intensität auch in den spielfreien Zeiten hoch. Der Körper wird immer bereit gehalten. Deshalb haben wir auch zwischen den Playoff-Runden keinen Rost angesetzt.“

Zur ganzheitlichen Herangehensweise gehören in Carolina längst nicht nur Gewichte und Ausdauertraining. Mobilitätsarbeit, Yoga, aktive Regeneration sowie ein strenges Schlaf- und Erholungsmanagement sind fester Bestandteil des Programms. Das medizinische Team rund um Athletik-Trainer Doug Bennett sorgt dafür, dass die Spieler während der langen Saison körperlich möglichst frisch bleiben.

Gegen Vegas soll die eigene Identität den Unterschied machen

Nun wartet mit den Golden Knights eine Mannschaft, die selbst über enorme Tiefe, Erfahrung und Qualität verfügt. Für die Hurricanes wird deshalb entscheidend sein, ihrer eigenen Identität treu zu bleiben.

Shayne Gostisbehere sieht die körperliche Verfassung dabei als Grundlage für alles andere. „Rod erwartet viel von seinen Spielern, aber auch von sich selbst“, sagt der Verteidiger. „Wenn du auf dem Eis stehst, dann will er, dass du alles gibst, was du im Tank hast. Unser System hilft uns dabei, immer in Topform zu bleiben. So können wir das Spieltempo aufrechterhalten, das wir alle spielen wollen.“

Auch Hall glaubt, dass die Hurricanes inzwischen über die nötige Mischung verfügen, um den letzten Schritt zu gehen. „Früher haben viele vor allem unser Tempo und unseren Druck gesehen“, erklärt der erfahrene Stürmer. „In den letzten Jahren haben wir aber auch viel spielerische Qualität dazugewonnen. Wir haben viele Spieler, die die Scheibe in die gefährlichen Bereiche bringen und dort kreative Aktionen machen können. Deshalb gefallen mir unsere Chancen.“

Wenn am Dienstag der erste Puck des Stanley Cup Finales 2026 in North Carolina eingeworfen wird, werden die Hurricanes genau auf jene Tugenden setzen, die sie bis hierher gebracht haben: kompromisslose Arbeit, bedingungslose Fitness und einen Spielstil, der über Jahre perfektioniert wurde. Oder, wie Coach Brind’Amour es formuliert: Die Anstrengung gehört dazu. Und solange sie funktioniert, werden die Hurricanes sie mit einem Lächeln im Gesicht akzeptieren.

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