Vegas Golden Knights v Carolina Hurricanes

20 Jahre nach dem bislang letzten Stanley Cup Finale in Raleigh kehrt die größte Bühne des Eishockeys nach North Carolina zurück. Die Carolina Hurricanes und die Vegas Golden Knights treffen am Dienstagabend (8 p.m. ET; Mi. 2 Uhr MESZ) in Spiel 1 der Finalserie 2026 im Lenovo Center aufeinander. Mit einer gemeinsamen Bilanz von 24 Siegen und nur fünf Niederlagen haben beide Teams eindrucksvoll demonstriert, dass sie zurecht um die Trophäe kämpfen. Für beide Organisationen wäre es der zweite Stanley Cup der Franchisegeschichte.

Zwei Erfolgsgeschichten mit erstaunlich vielen Parallelen

Obwohl die Hurricanes auf eine deutlich längere Historie zurückblicken als die erst 2017 gegründeten Golden Knights, weisen beide Finalisten bemerkenswerte Gemeinsamkeiten auf. Beide stehen zum dritten Mal im Stanley Cup Finale und jagen ihren zweiten Titel. Beide haben sich seit Jahren als feste Größen in der NHL-Spitze etabliert und kommen mit beeindruckender Form nach Raleigh.

Carolina dominierte die Eastern Conference nahezu die gesamte Saison über und schrieb in den Playoffs Geschichte. Nach zwei Sweeps in den ersten beiden Runden benötigten die Hurricanes lediglich 13 Spiele, um das Finale zu erreichen – so wenige wie kein anderes Team im Zeitalter des Vier-Runden-Playoff-Formats. Ihre einzige Niederlage kassierten sie nach einer ungewöhnlich langen Spielpause von elf Tagen.

Vegas musste einen deutlich turbulenteren Weg zurücklegen. Nach einer Krise im Frühjahr und einem Trainerwechsel Ende März stabilisierte sich das Team unter John Tortorella und gewann rechtzeitig zur entscheidenden Saisonphase an Fahrt. Besonders beeindruckend war der Sweep gegen Presidents’-Trophy-Gewinner Colorado Avalanche im Western Conference Finale.

Stell dich ein auf das Stanley Cup Finale zwischen Carolina und Vegas

Andersen gegen Hart: Torhüterduell könnte den Unterschied machen

Wie so oft in den Playoffs richtet sich ein besonderer Fokus auf die Männer zwischen den Pfosten. Beide Finalisten verdanken ihren Erfolg auch herausragenden Leistungen ihrer Torhüter.

Bei Carolina erlebt Frederik Andersen die vielleicht beste Phase seiner langen NHL-Karriere. Der Däne gewann bisher zwölf von 13 Playoff-Einsätzen dieses Jahr und könnte nun als erster Schlussmann der NHL-Geschichte 13 seiner ersten 14 Spiele in einer Postseason für sich entscheiden. Erstaunlich ist dabei vor allem der Zeitpunkt: Nach mehr als 650 NHL-Partien steht Andersen erstmals überhaupt in einem Stanley Cup Finale.

Auf der Gegenseite hat Carter Hart in seiner ersten Saison in Vegas ebenfalls überzeugt. Der 27-Jährige reist mit einer Serie von sechs Siegen in Folge nach Raleigh und vermittelt seiner Mannschaft enorme Sicherheit. Während Andersen auf jahrelange Erfahrung zurückgreifen kann, verkörpert Hart die neue Generation der NHL-Torleute.

Wer in dieser Serie die Nerven behält, könnte seinem Team einen entscheidenden Vorteil verschaffen.

Brind’Amour und Tortorella: Zwei Trainer, zwei besondere Geschichten

Hinter den Banden bietet dieses Finale ebenfalls reichlich Stoff. Rod Brind’Amour und John Tortorella verbindet mehr als man zunächst vermuten würde. Beide sind Stanley Cup Champions, beide gewannen bereits die Jack Adams Trophy als Trainer des Jahres und beide haben bislang 13 Playoff-Serien als Cheftrainer gewonnen.

Für Brind’Amour könnte sich ein ganz besonderer Kreis schließen. 2006 führte er die Hurricanes als Kapitän zum bislang einzigen Stanley Cup des Franchise. Nun hat er die Chance, dieselbe Organisation auch als Trainer zum Titel zu führen – ein Kunststück, das bislang nur drei Persönlichkeiten der NHL-Geschichte gelang.

Tortorella hingegen verfolgt ein historisches Comeback. Sein einziger Stanley Cup als Trainer datiert aus dem Jahr 2004 mit den Tampa Bay Lightning. Mehr als zwei Jahrzehnte später könnte er der erste Coach werden, der mit einem Abstand von über 20 Jahren zwischen zwei Meisterschaften erneut triumphiert. Dass er die Golden Knights erst in den letzten Saisonwochen übernahm und dennoch bis ins Finale führte, macht seine Geschichte umso bemerkenswerter.

Eigengewächse gegen Transfermacht: Zwei Wege zum Erfolg

Selten standen sich im Finale zwei Teams gegenüber, die so unterschiedlich aufgebaut wurden. Carolina setzt seit Jahren konsequent auf die Entwicklung eigener Talente. Vier der acht besten Scorer der Playoffs wurden von der Organisation selbst gedraftet: Sebastian Aho, Andrei Svechnikov, Seth Jarvis und Shootingstar Jackson Blake.

Vor allem Blake sorgt für Begeisterung. Der erst 22 Jahre alte Angreifer gehört mit 15 Playoff-Punkten zu den größten Überraschungen dieser Endrunde und erinnert viele Fans an den jungen Eric Staal während des Titelgewinns 2006.

Vegas verfolgt dagegen einen anderen Ansatz. Gleich 16 Spieler des Finalkaders kamen per Transfer zur Organisation. Symbolfigur dieser Strategie ist Mitch Marner, der die Playoff-Scorerliste anführt und den Angriff der Golden Knights dirigiert. Das Franchise hat sich seit der Gründung einen Ruf als aggressiver Akteur auf dem Transfermarkt erarbeitet – und steht nun erneut vier Siege vom Titel entfernt.

CAR@MTL, ECF, GM4: Aho trifft mit einem Direktschuss im Powerplay zum 1:0

Erfahrung, Sehnsucht und die Jagd nach Unsterblichkeit

Neben Taktik und Statistiken spielen im Stanley Cup Finale immer auch Emotionen eine entscheidende Rolle. Hier scheint Vegas zunächst einen Vorteil zu besitzen. Die Spieler der Golden Knights bringen zusammen 134 Finalspiele und 18 Stanley-Cup-Ringe mit. Carolina kommt auf lediglich 34 Finaleinsätze und zwei Meisterschaftsringe.

Doch Erfahrung garantiert keinen Erfolg. Die Hurricanes verfügen über zahlreiche Motivationsgeschichten. Kapitän Jordan Staal steht erstmals seit seinem Erfolg mit den Pittsburgh Penguins im Jahr 2009 wieder im Finale. Taylor Hall erlebt nach 16 NHL-Spielzeiten und mehr als 1000 Partien seine erste Finalteilnahme überhaupt. Und Verteidiger Jaccob Slavin träumt davon, wenige Monate nach Olympiagold mit den USA auch noch den Stanley Cup zu gewinnen.

Ähnliche Ambitionen verfolgen auf Seiten von Vegas Jack Eichel und Noah Hanifin, die ebenfalls zum amerikanischen Olympiasiegerteam gehörten. Für alle Beteiligten gilt, was Brind’Amour seinen Spielern auf dem Media Day mit auf den Weg gab: Finalteilnahmen bleiben in Erinnerung, aber unvergesslich sind nur die Jahre, in denen man den Stanley Cup tatsächlich gewinnt.

Genau darum geht es nun. Heute beginnt in Raleigh die letzte Etappe einer langen NHL-Saison 2025/26 – und für eines dieser beiden Ausnahmeteams der Weg zur Unsterblichkeit.

VGK@COL, WCF, Sp2: Eichel trifft am Inenpfosten zum Ausgleich

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