vgk tortorella media day

Die Installierung von John Tortorella als Trainer hat sich für die Vegas Golden Knights bezahlt gemacht. Acht Spiele vor dem Ende der regulären Saison übernahm er das Kommando der sichtlich verunsicherten Mannschaft von seinem geschassten Vorgänger Bruce Cassidy. Ein paar Wochen später ergibt sich ein völlig konträres Bild. Die Golden Knights haben einen beeindruckenden Run in den Stanley Cup Playoffs hingelegt und greifen ab Dienstag im Stanley Cup Finale gegen die Carolina Hurricanes nach dem zweiten Meistertitel in der Franchise-Geschichte nach 2023.

Tortorella machte beim NHL Media Day am Montag deutlich, dass die Selbstheilungskräfte innerhalb des Teams bestens funktioniert hätten. „Die Gruppe weiß genau, wie man Eishockey spielt. Das mussten mein Stab und ich ihnen nicht erst aufzeigen. Deswegen haben wir auf diesem Gebiet keine großartigen Veränderungen vorgenommen. Es ging vielmehr darum, den Jungs eine andere Einstellung und Denkweise zu vermitteln und den Zusammenhalt zu stärken“, erläuterte der Coach. „Dafür haben wir hie und da an ein paar Stellschrauben gedreht. Der Wandel kam jedoch weitestgehend von innen heraus. Wir mussten die Spieler nur anstupsen. Die Lösungen fanden sie selbst.“

Die mit neuem Selbstbewusstsein ausgestatteten Golden Knights marschierten nach der regulären Saison souverän durch die Playoffs. In der Ersten Runde der Western Conference schalteten sie die Utah Mammoth nach sechs Spielen aus. Ebenfalls nach sechs Partien behielten sie in der Zweiten Runde gegen die Anaheim Ducks die Oberhand. Im Western Conference Finale landeten sie mit dem Sweep gegen die Colorado Avalanche einen echten Coup. Nun wartet mit den Hurricanes in der Finalserie ein weiterer heißer Titelaspirant, den es auf dem Weg zum Cup-Sieg zu schlagen gilt. Doch wenn Vegas an die gegen Colorado gezeigten Leistungen anknüpft, braucht dem Team vor dem Kontrahenten aus Raleigh erst recht nicht bange sein.

„Er hat einen großartigen Job gemacht und die bei uns in der Endphase der Saison vorhandenen Blockaden gelöst“, sagte Angreifer Mitch Marner und bescheinigte Tortorella somit größeren Anteil am Erfolg, als es der Coach selbst für sich in Anspruch nehmen will.

An Marner lässt sich die positive Entwicklung gut erkennen. Der Flügelstürmer tritt in den Playoffs völlig unbeschwert auf und führt nach 16 Einsätzen die Scorerwertung der Postseason mit 21 Punkten (7 Tore, 14 Assists) an. Vor der Ankunft von Tortorella hatte er wie andere Mitspieler auch geschwächelt. In den letzten sieben Partien unter der Regie von Cassidy waren Marner nur zwei Zähler gelungen.

VGK@ANA, Sp6: Marner trifft zwischen den eigenen Beinen durch zum 1:0

Laut Kapitän Mark Stone hat es Tortorella durch seine Ehrlichkeit geschafft, die Mannschaft für sich einzunehmen. „Er geht absolut offen mit jedem Spieler um. Er sagt dir ins Gesicht, was gut und was schlecht ist und greift ein, wenn die Dinge nicht so laufen, wie er sich das vorstellt. Grundsätzlich bringt er viel Energie mit in unsere Kabine“, beschrieb der Mannschaftsführer die Qualitäten des Coaches.

Jack Eichel stimmt der Einschätzung von Stone vollumfänglich zu. „Jeder weiß, woran er bei ‚Torts‘ ist. Er lässt es dich wissen, ob er mit dir zufrieden ist oder nicht“, erklärte der Center der Golden Knights. Der Trainer habe die Mannschaft aufgefordert, einerseits befreit aufzuspielen und andererseits dem Gegner mit mehr Aggressivität zu begegnen und ihn so unter Druck zu setzen. „Es ist uns überhaupt nicht schwergefallen, in kurzer Zeit einen guten Draht zu ihm zu bekommen. Wir haben ihm einfach vertraut, schließlich ist er schon lange im Geschäft. Es ist toll, wie schnell er das Blatt wenden konnte. Dafür gebührt ihm höchste Anerkennung“, betonte Eichel.

Nach Angaben von Rasmus Andersson geht es bei den Teambesprechungen mit Tortorella nicht immer nur bierernst zu. „Er versucht, die Stimmung während der Video-Meetings locker zu halten und bringt dich zwischendurch auch mal zum Lachen. Er hat zum Beispiel eine Szene von mir kommentiert, bei der ich eine 2-gegen-1-Situation geklärt habe. Er meinte nur: ‚Das sah zwar ziemlich hässlich aus, aber es hat funktioniert.‘ Er gehört zu den Trainern, mit denen man gerne zusammenarbeitet“, sagte der Verteidiger der Golden Knights.​

Shea Theodore äußerte sich ähnlich. „Er ist tatsächlich in manchen Situationen urkomisch. Ich glaube, er sagt und tut manchmal Dinge, bei denen ihm nicht bewusst ist, wie lustig er dabei wirkt“, erläuterte der Blueliner von Vegas. „Er nimmt jeden von uns in die Pflicht und verteilt viel Anerkennung. Es ist schön, die unterschiedlichen Facetten seiner Persönlichkeit zu erleben. Es macht Spaß.“

Spiel 1 in der Finalserie zwischen den Hurricanes und den Golden Knights findet am Dienstag (8 p.m. ET; Mi. 2 Uhr MESZ) im Lenovo Center von Raleigh statt.

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