Edmonton Oilers v Carolina Hurricanes: Game 7

Die Carolina Hurricanes stehen im Stanley Cup Finale 2026 und treffen auf die Vegas Golden Knights. Genau vor 20 Jahren stand die Franchise ebenfalls im Finale und setzte sich damals mit 4:3 gegen die Edmonton Oilers durch. Der ehemalige Torwart Martin Gerber stand damals im Kader der Hurricanes. Im Interview mit NHL.com/de blickt der 51-Jährige auf die damalige Finalserie zurück, spricht über die aktuelle Mannschaft und zieht Parallelen. 

Hallo Martin. Die Carolina Hurricanes stehen wieder im Stanley Cup Finale. Wie hast Du die Saison Deiner früheren Mannschaft verfolgt?

Im Dezember war ich drüben zum 20-jährigen Jubiläum und habe drei Spiele gesehen. Das war bereits ein sehr gutes Tempo und ein sehr aktives Eishockey, das sie spielen. Es ist ziemlich kräfteraubend und aufwendig, glaube ich, aber sie spielen mit viel Speed und Druck. Es macht einfach Spaß zuzuschauen.

Die Hurricanes haben in drei Serien nur ein Spiel verloren. Warst Du überrascht, dass sie sich in den Playoffs bislang so dominant durchgesetzt haben? 

Das ist schon ziemlich beeindruckend. Ich glaube, die Hurricanes hatten auch in den vergangenen Jahren gute Teams, aber es hat immer etwas gefehlt - die letzte Durchschlagskraft. Jetzt habe ich das Gefühl, dass sie da hineingewachsen sind und sich als Mannschaft gefunden haben.

2006 NHL Playoffs - Eastern Conference Finals - Game Four - Carolina Hurricanes vs Buffalo Sabres

Siehst Du Parallelen zu eurem Team von 2006, die damals den Stanley Cup gewannen?

Von der Spielweise her gibt es schon Ähnlichkeiten. Allerdings hatten wir deutlich mehr Mühe. Wir mussten zweimal in ein Spiel 7, das war alles viel enger als jetzt bei ihnen.

Was sind die spielerischen Gemeinsamkeiten zwischen heute und damals?

Ich glaube, Trainer Rod Brind’Amour ist vom Spielverständnis her ähnlich wie damals als Spieler. Sie wollen überall Druck machen, „chase the puck“ spielen und die Scheibe möglichst schnell zurückerobern. Das hat man damals auch schon versucht, heute ist es einfach weiterentwickelt und optimiert. Außerdem sind sie als Gruppe sehr stark. Es gibt nicht den einen Spieler, der alles dominiert. Das Kollektiv macht die Mannschaft aus. Das erinnert mich sehr an unser Team von damals.

Rod Brind’Amour ist heute Trainer. Damals war er noch Spieler. Was für Erinnerungen hast Du an ihn?
Er war ein absolutes Arbeitstier, unglaublich fit. Wahrscheinlich ist er heute noch fitter als die meisten Spieler. Er machte damals praktisch keine Fehler, spielte sehr simpel und effektiv. Da war nichts Spektakuläres dabei, aber immer 100 Prozent Einsatz. Jeder Tag war für ihn wichtig.

Stell dich ein auf das Stanley Cup Finale zwischen Carolina und Vegas

War damals schon zu erkennen, dass er einmal Trainer werden könnte?

Er war immer ein sehr guter Leader. Eher still, aber wenn er etwas sagte, dann hatte das Hand und Fuß. Er hat nie unnötig geredet. Wenn er etwas sagte, dann hörtest du zu. Dass er einmal diesen Weg als Trainer gehen würde, konnte ich mir damals nicht unbedingt vorstellen. Er ist vielleicht nicht der große Rhetoriker wie andere Trainer, aber wenn er spricht, hat er die Aufmerksamkeit aller. Das ist entscheidend. Und ich glaube, er ist in dieser Rolle in den vergangenen Jahren auch gewachsen.

Hast Du ihn bei den Feierlichkeiten zum Jubiläum wieder getroffen?

Ja, wir waren die ganzen drei Tage dort. Rod Brind’Amour kam vorbei, wir waren auch unten bei der Mannschaft.

Ihr wart 2006 vor der Saison nicht unbedingt einer der Favoriten. Was war damals das Erfolgsgeheimnis?

Wenn ich mich richtig erinnere, wurden wir in den Prognosen zweimal Letzter und einmal Vorletzter. Wir hatten einige gute junge Spieler und ein paar sehr gute Ergänzungsspieler, die meiner Meinung nach unterschätzt wurden. Da waren zum Beispiel Corey Stillman, der unglaublich intelligent gespielt hat, oder Matt Cullen, der für einen dritten Block extrem stark war. Dazu kam Eric Staal, der in diesem Jahr seinen Durchbruch schaffte. Irgendwie hat damals alles zusammengepasst. Unser Powerplay war außerdem sehr gut, weil die Spieler extrem clever waren. Es war schwer zu verteidigen. Oft haben wir sogar mit fünf Stürmern im Powerplay gespielt. Das war geprägt von viel Spielwitz und Finesse.

Wie war die Stimmung in Carolina während der Finalserie?

Das war schon etwas Besonderes. Während der regulären Saison war es bis Anfang der Playoffs noch relativ ruhig. Aber in den Playoffs haben die Fans das richtig zelebriert. Vor der Halle gab es diese riesigen Tailgate-Partys mit Tausenden Menschen, die schon Stunden vor dem Spiel grillierten und feierten. Das hatte ein bisschen etwas von College Football.

Carolina Hurricanes v Montreal Canadiens

Du hast in der Finalserie 2006 nicht gespielt, nachdem der junge Cam Ward übernommen hatte. War das schwer für Dich?

Natürlich möchtest du spielen, das ist klar. Aber ich wurde in diesen Playoffs vier- oder fünfmal ein- und ausgewechselt. Im Finale wurde dann nicht mehr gewechselt. Es gab auch keinen wirklichen Grund dafür, weil Cam Ward einen hervorragenden Job gemacht hat. Das war sicher einer der Gründe, warum wir am Ende gewonnen haben. Für jemanden mit so wenig Erfahrung spielte er eine unglaubliche Serie. Er blieb ruhig und zog das durch. Natürlich hätte ich gerne noch etwas mehr gespielt. Aber am Ende zählt, ob du gewinnst oder nicht. Deshalb konnte ich damit leben.

Auch in dieser Saison verfügen die Hurricanes mit dem Dänen Frederik Andersen über einen herausragenden Torhüter. Wie beurteilst Du ihn?
Als wir im Dezember dort waren, steckte er gerade in einer schwierigeren Phase und war eher die Nummer zwei. Deshalb ist es schön zu sehen, dass er wieder seinen Rhythmus gefunden und sich den Platz im Tor zurückerobert hat. Ich halte ihn für einen sehr guten Torhüter. Er ist groß, vielleicht nicht der athletischste, aber er spielt sehr solide und hat ein gutes Gefühl für das Spiel.

Wie schätzt Du die Chancen der Hurricanes im Finale ein?
Ich kann mir gut vorstellen, dass sie das durchziehen. Ich glaube, sie haben etwas mehr Speed und ein bisschen mehr Dampf im Kasten als Vegas. Mit der ganzen Euphorie im Umfeld und der Tatsache, dass diese Mannschaft seit Jahren versucht, wieder den Stanley Cup zu gewinnen, habe ich schon das Gefühl, dass es diesmal klappen könnte.

Wie wirst Du die Finalspiele verfolgen? Stellst du Dir nachts den Wecker?
Ich glaube, ich beschränke mich darauf, mir das morgens anzuschauen. Aber ein Spiel sieben würde ich sicher live schauen.

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