Die Liebe zu Zürich und den ZSC Lions geht bei Sven Andrighetto durch die Haut. Den rechten Oberschenkel des ehemaligen NHL-Profis von den Montreal Canadiens und den Colorado Avalanche ziert ein mächtiges Tattoo mit dem Grossmünster und einem Löwenkopf im Hintergrund. "Für mich gibt es keine schönere Stadt", schwärmt der Schweizer von dem Ort, von dem er einst auszog, um international Karriere zu machen und an den er im Sommer vorigen Jahres zurückgekehrt ist.
Nach acht Spielzeiten in Nordamerika und einer in Russland entschied sich Andrighetto für einen Neuanfang in der Heimat. Eine ganze Reihe von Klubs aus der Schweizer National League hätte den flinken Skater und edlen Techniker gerne verpflichtet. Doch als auch die ZSC Lions um seine Dienste buhlten, hatten die anderen Interessenten keine Chance mehr. Der Angreifer unterzeichnete bei den Zürchern einen Fünfjahresvertrag. Damit machte er deutlich, dass es sich bei diesem Engagement nicht bloß um ein Intermezzo handeln soll.
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In einem Gespräch mit dem Schweizer Pay-TV-Sender MySports verdeutlichte Andrighetto vor Beginn der Saison 2020/21 seine Ambitionen. "Ich möchte Titel holen mit der Mannschaft und meinen Teil dazu beitragen. Das ist mein Hauptziel", sagte er. Seiner Ankündigung ließ er Taten folgen. Nach 28 Einsätzen für die ZSC Lions stehen für ihn 26 Scorerpunkte (elf Tore, 15 Assists) zu Buche. Damit führt er die Riege der ehemaligen Schweizer NHL-Spieler, die dieses Jahr in der National League aktiv sind, klar an. Darüber hinaus liegt er mit seinem Team voll auf Playoff-Kurs.
Der Erfolg von Andrighetto ist bemerkenswert, weil sich Heimkehrer aus Nordamerika beim Neustart in der Schweiz häufig schwergetan haben. Die Erwartungshaltung ist enorm. Wenn sie der nicht gleich gerecht werden, wird der Druck noch größer, die Leistung jedoch meistens nicht besser.
Für den Angreifer der ZSC Lions mag es diesbezüglich von Vorteil gewesen sein, dass er eine einjährige Zwischenetappe bei Avangard Omsk in der KHL einlegen konnte. Ursprünglich hatte er sich nach dem Weggang aus Denver im Anschluss der Saison 2018/19 für zwei Jahre an das Team aus Sibirien gebunden. Dort lief es aber nicht wie gewünscht. Als Mitfavorit auf den Titel gestartet, schied Omsk bereits in der ersten Runde der Playoffs aus. Hinzu kam, dass sich Andrighetto nicht so in Szene setzen konnte, wie man das von ihm erhofft hatte. In 56 Hauptrunden-Partien brachte er es auf 27 Punkte (13 Tore, 14 Assists). In den Playoffs kamen zwei Vorlagen in sechs Begegnungen hinzu. Im Anschluss einigten sich beide Seiten darauf, den noch bis 2021 gültigen Vertrag aufzulösen.
Trotz des vorzeitigen Endes möchte Andrighetto die Zeit in Russland keinesfalls missen. "Es war ein sehr lehrreiches Jahr für mich, auf und abseits des Eises", sagte er dem Schweizer Nachrichtenportal Watson. Sportlich habe er sich vor allem im Defensivverhalten verbessert. Allerdings verhehlte er nicht, dass er mit einigen Herausforderungen zu kämpfen hatte. "Ich brauchte eine Weile, um mich anzupassen. Außerdem hatte ich mit einem technisch besseren Eishockey in Russland gerechnet. Wirklich schöne Spiele gab es aber selten." Hinzu kamen Sprachprobleme. Es werde nicht viel Englisch geredet und Russisch sei schwer zu lernen und zu verstehen. Er habe sich mit einer App ein paar einfache Wörter angeeignet. "Gespräche mit russischen Teamkollegen konnte ich leider nicht führen", räumte er ein.