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Drei Tore als Antwort auf heimtückische Krankheit

Top-Momente 18/19, Nr. 7: Der Hattrick von Brian Boyle bei der "Hockey Fights Cancer"-Nacht in Pittsburgh

von Axel Jeroma @NHLde / NHL.com/de Autor

Spektakuläre Szenen gibt es in einer NHL-Saison am laufenden Band. Großartige und technisch hervorragend herausgespielte Tore, krachende Checks und fantastische Paraden. Doch welche Momente haben im Lauf einer Spielzeit wirklich einen Unterschied gemacht? NHL.com/de wirft einen Blick auf die zehn wichtigsten Momente der Saison 2018/19.

Top-Moment-Nr. 7: Der Hattrick von Brian Boyle bei der "Hockey Fights Cancer"-Nacht am 5. November in Pittsburgh.

Einen passenderen Rahmen für den ersten Hattrick seiner NHL-Laufbahn hätte Brian Boyle wahrlich nicht finden können. 

 

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Der Zufall wollte es, dass der Angreifer mit den New Jersey Devils am 5. November 2018 ausgerechnet während der "Hockey Fights Cancer"-Nacht bei den Pittsburgh Penguins in der PPG Paints Arena gastierte. 14 Monate zuvor hatte er selbst eine Blutkrebsdiagnose erhalten. Wenige Tage vor dem Duell der beiden Rivalen aus der Metropolitan Division teilte er mit, dass die Behandlung erfolgreich gewesen sei und keine Krebszellen mehr im Körper nachweisbar sind.

Dieser Umstand schien Boyle an jenem Abend regelrecht zu beflügeln. Nach dem Zwischenstand von 1:1 schlug er dreimal hintereinander zu. Erst lenkte er einen Schuss von Devils-Verteidiger Ben Lovejoy ins Tor ab, dann drückte er im Powerplay einen Rebound ins Netz, bevor er anschließend - erneut bei Überzahl der Devils - den Puck per Direktabnahme im gegnerischen Gehäuse versenkte. Boyles Premieren-Hattrick nach 705 Hauptrunden-Einsätzen war perfekt. 5:1 stand es am Ende für die Gäste aus Newark. "Es hat viel Spaß gemacht heute Abend. Schön, dass ich einige Dinger reingemacht habe", frohlockte der Dreifachtorschütze nach dem denkwürdigen Auftritt.

Video: NJD@PIT: Boyle markiert erstmals drei Tore

Am 19. September 2017 war seine Stimmungslage eine völlig andere gewesen. An jenem Tag hatten ihm die Ärzte eine niederschmetternde Botschaft überbracht. Sie offenbarten Boyle, dass er unter einer chronischen myeloischen Leukämie leidet. Entdeckt wurde die lebensbedrohliche, aber dennoch gut behandelbare Krankheit bei einer Routineuntersuchung während des Trainingscamps der Devils. Die behandelnden Mediziner teilten ihm mit, dass es bis zu 18 Monate dauern könne, um diese Form der Leukämie wirksam zu bekämpfen. Bei Boyle schritt die Genesung jedoch schneller voran. Nach 12 Monaten und 33 Tagen fanden sich keine Leukämiezellen mehr in seinem Blut.

Während der Therapie ging der über zwei Meter große Hüne durch ein Wechselbad der Gefühle. "Beim Kampf gegen den Krebs erlebt man auch dunkle Zeiten. Manchmal fühlt man sich sehr einsam", sagte Boyle über die schwierigste Phase seines Lebens. "Das Schlimmste sind die Leute, die dich bemitleiden. Dafür kann man ihnen aber im Grunde keinen Vorwurf machen. Viele wissen einfach nicht, was sie sagen sollen. Dabei wünscht man sich als Betroffener nichts sehnlicher, als dass sich die Menschen um einen herum gut fühlen."

Andererseits sei es wichtig, um Hilfe zu bitten, wenn man sie benötige, fügte Boyle hinzu. Er selbst fand Halt bei seiner Familie und seinem Klub. "Ich hatte das große Glück, dass Angehörige und Freunde da waren, die mich an schlechten Tagen moralisch aufrichteten."

Für Boyle selbst war die Diagnose nur kurzzeitig ein Schock. Während der Rekonvaleszenz blieb er stets Optimist. Bei der Überwindung des Schicksalsschlags half ihm auch sein christlicher Glaube. Er freue sich über jeden, der für ihn bete. "Ich bin sicher, dass Gebete Berge versetzen können", sagte er unmittelbar nach Bekanntwerden seiner Erkrankung in einem Gespräch mit NHL.com.

Positiv auf den Genesungsprozess wirkte sich zudem aus, dass Boyle während der Therapie keine lange Zwangspause vom Eishockey einlegen musste. In der regulären Saison 2017/18 bestritt er 69 Begegnungen und sammelte 23 Scorerpunkte. In den Stanley Cup Playoffs kamen fünf Spiele hinzu. Tore oder Vorlagen blieben ihm dabei allerdings verwehrt.

Der Start in die Spielzeit 2018/19 begann für Boyle in mehrfacher Hinsicht verheißungsvoll. Nach sechs Spielen hatte er bereits vier Scorerpunkte (drei Tore, eine Vorlage) auf dem Konto. Im Anschluss bekam er die erfreuliche Nachricht über seinen Gesundheitszustand. Als sportlicher Höhepunkt folgte schließlich seine Galavorstellung bei der "Hockey Fights Cancer"-Nacht in Pittsburgh.

"Hockey Fights Cancer" ist eine gemeinnützige Initiative der NHL und der Spielergewerkschaft NHLPA. Schon seit über 20 Jahren organisiert sie den "Hockey Fights Cancer Awareness Month". Jedes Team trägt dabei ein Heimspiel aus, in dem auf die Krankheit aufmerksam gemacht und Geld für die Krebsforschung gesammelt wird.

In Pittsburgh trug Boyle auf seine Weise dazu bei, die Initiative nachhaltig ins Bewusstsein des Publikums zu rücken. "Ich finde diese Abende großartig", betonte er.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass Boyle bei der NHL Trade Deadline im Februar dieses Jahres von den Devils zu den Nashville Predators wechselte. Für seine beiden Arbeitgeber lief er 2018/19 in 73 Hauptrunden-Spielen auf und erzielte 24 Punkte (18 Tore, 6 Assists). Für die Predators absolvierte er drei Playoff-Partien, bei denen er jeweils leer ausging.

Die bisherigen Top-10-Momente:
10. Der Tag, der die Blues nachhaltig veränderte
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