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Der Tag, der die Blues nachhaltig veränderte

Mit der Installation von Craig Berube als Headcoach schaffte St. Louis die Voraussetzungen für den Titelgewinn.

von Christian Treptow @NHLde / NHL.com/de Autor

Spektakuläre Szenen gibt es in einer NHL-Saison quasi am laufenden Band. Großartige und technisch hervorragend herausgespielte Tore, krachende Checks und fantastische Paraden. Doch welche Momente haben im Lauf einer Spielzeit wirklich einen Unterschied gemacht? NHL.com/de wirft einen Blick auf die zehn wichtigsten Momente der Saison 2018/19.

Mit dem Konjunktiv ist es so eine Sache. Sportfans diskutieren ja gerne darüber, was gewesen wäre, wenn dies und das anders gelaufen wären. Wenn Spieler A oder B in einer Situation andere Entscheidungen getroffen hätten. Am Ende aber müssen sie alle jedoch zu der Erkenntnis kommen, dass mit dem Konjunktiv weder ein Spiel, geschweige denn eine Meisterschaft gewonnen wurde.

Und so ist es auch müßig darüber zu diskutieren, was aus der Saison der St. Louis Blues geworden wäre, wenn sich das Management am 19. November 2018 nicht dazu entschlossen hätte, Coach Mike Yeo zu feuern und Craig Berube als Interimstrainer an seiner statt zu installieren. 

Die Blues hatten gerade vor eigenem Publikum 0:2 gegen die Los Angeles Kings verloren. Das Team aus Kalifornien war zu dem Zeitpunkt das Schlusslicht der Liga. Ein Schicksal, das die Blues zum Jahreswechsel ebenfalls erfahren sollten. Das 0:2 war die vierte Niederlage in fünf Spielen, bei dreien davon blieben die Blues ohne eigenen Treffer. Und das bei einem Stürmercorps, zu dem unter anderem Ryan O'Reilly und Vladimir Tarasenko zählen.

Also musste etwas passieren in Missouri. Denn die Erwartungen in St. Louis waren zu Saisonbeginn doch ganz andere. Die Teilnahme an den Stanley Cup Playoffs sollte es doch mindestens sein für die Blues. Doch das sahen die Verantwortlichen schon früh in der Runde in Gefahr - und handelten.

 

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Die Trennung von Mike Yeo, zu der Zeit im dritten Jahr eines Vier-Jahres-Vertrags, war keine Überraschung. Zuvor hatten schon die Los Angeles Kings (John Stevens) und die Chicago Blackhawks (Joel Quenneville) ihre Coaches gefeuert.

Mit Craig Berube machten die Blues einen der Assistenztrainer zum Interimstrainer, der noch keine beeindruckende Vita als Trainer vorzuweisen hatte. 17 Spielzeiten lang war Berube als Spieler in der NHL unterwegs gewesen, mit Stationen bei den Philadelphia Flyers, Toronto Maple Leafs, Calgary Flames, Washington Capitals und New York Islanders. Bekannt geworden war er dabei allerdings mehr als Raubein denn als filigraner Scorer. In 1054 Spielen sammelte er 3149 Strafminuten. 

Als Coach hatte er auf NHL-Level lediglich zwei Saisons bei den Philadelphia Flyers vorzuweisen, einmal schaffte er dabei die Playoff-Qualifikation. Nach einem Jahr als Trainer der Chicago Wolves (AHL) holten ihn die Blues in ihr Trainerteam.

Berube übernahm am 19. November 2018 eine Mannschaft, die Letzter in der Central Division war. Doch was der Kanadier mit dem Spitznamen "The Chief" dann schaffte, ist sensationell. Es brauchte etwas Anlaufzeit, bis Berube seine Truppe wieder auf Kurs hatte. Nach dem Jahreswechsel am 2. Januar war das Team Schlusslicht der kompletten Liga. 

Doch danach lief es für die Blues wie geschmiert. In Januar und Februar legten sie eine Siegesserie über elf Spiele auf das Eis. 30-10-5 lautete die Bilanz 2019, mit der sich St. Louis sogar als Dritter der Central Division für die Playoffs qualifizierte und zeitweise sogar um die Divisionsmeisterschaft mitspielte.

In der K.o.-Runde war die Mannschaft nicht aufzuhalten. In den Playoffs der Western Conference bezwangen die Blues zunächst die Winnipeg Jets in sechs Spielen. Die Dallas Stars wurden in sieben Partien niedergerungen. Im Finale der Western Conference hatten die San Jose Sharks in sechs Partien das Nachsehen gegen das Team von Berube. Das war mehrmals kurz davor, auszuscheiden. Doch man gewann den Eindruck, dass die Blues einfach nicht ausscheiden wollten.

 

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Berube hatte den Spielern wieder den Glauben an ihre Fähigkeiten zurückgegeben, egal, wie aussichtslos die sein mag. Die logische Konsequenz aus diesem neu gewonnen Selbstvertrauen und dem Glauben an die eigenen Fähigkeiten: In einer dramatischen Finalserie bezwangen die Blues die Boston Bruins in sieben Spielen und holten den Stanley Cup erstmals in ihrer 52-jährigen Geschichte nach Missouri. 

"Craig hatte einen enormen Einfluss auf unser Team", lobte Blues-General-Manager Doug Armstrong seinen Coach. "Er hat unsere Identität wiederhergestellt und hat den Spielern wieder eine klare Richtung vorgegeben."

Berube freute sich nach dem Stanley-Cup-Gewinn vor allem für die Stadt und die Fans. "Sie verdienen es. Aber mehr noch freue ich mich für unsere Spieler. Sie haben gut gekämpft. Charakter und Führungsstärke sind durchgekommen." Er habe riesigen Respekt vor dem Team und der Organisation. "Die Stadt St. Louis hat mich als einen der ihren aufgenommen." 

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Die neu geschmiedeten Freundschaften und das Wohlfühlen in der neuen Heimat kann Berube in den kommenden drei Jahren weiter auskosten. Die Blues beförderten den 53-Jährigen nach dem Gewinn des Stanley Cups zum Trainer und gaben ihm einen Drei-Jahres-Vertrag. "Die vergangene Saison war eine Erfahrung, wie man sie nur einmal im Leben hat", meinte Berube. "Ich freue mich schon darauf, die Titelverteidigung anzugehen."

Auch für den Jack Adams Award als bester Trainer war Craig Berube nominiert. Die Trophäe nahm am Ende Barry Trotz von den New York Islanders mit nach Hause. Berube wird es verschmerzen können, hat er doch den Stanley Cup vorzuweisen. Ob er daran am 19. November 2018 schon gedacht, oder gar geglaubt hat? Auch das werden die Eishockeyfans vielleicht nie erfahren.

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