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Die Flyers sind kaum wiederzuerkennen

Bis Mitte Januar kassierte Philadelphia die drittmeisten Tore, seitdem nur noch 2,0 pro Spiel

von Bernd Rösch @NHLde / NHL.com/de Chefautor

Sieben verschiedene Torhüter brachten die Philadelphia Flyers in dieser Saison bereits zum Einsatz oder besser gesagt, warfen sie ins (aufs) kalte Wasser. Torwart in Philadelphia zu sein, ist nicht gerade der einfachste Job, den es im Profi-Eishockeybetrieb gibt. Seit einem Bernie Parent, mit dem die Flyers 1974 und 1975 zweimal in Folge den Stanley Cup gewinnen konnten, werden alle neuverpflichteten Torhüter, die an der Südlichen Broad Street aufschlagen, mit Argusaugen betrachtet.

Klar, es gab da einen Ron Hextall, der von 1986/87 bis 1998/99, mit Ausnahme eines kurzen Intermezzos bei den Quebec Nordiques (1992/93) und den New York Islanders (1993/94), elf Spielzeiten bei den Flyers im Kasten stand. Ja, es gab einen Roman Cechmanek, der in die Fußstapfen von Hextall trat. Der Tscheche lieferte als Stammgoalie der Flyers drei gute Spielzeiten ab, er war 2000/01 sogar für die Vezina Trophy nominiert und wurde im Anschluss der Saison 2002/03 mit der William M. Jennings Trophy geehrt. Cechmanek fehlte es jedoch an Rückhalt, nachdem er sich immer wieder auch große Schnitzer in wichtigen Playoffpartien geleistet hatte. Schließlich wurde er nach drei Saisons an die Los Angeles Kings getradet.

 

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Es sollte ein ganzes Jahrzehnt dauern, bis die Flyers einen Goalie fanden, der das Rüstzeug hatte, bei ihnen mindestens vier Saisons lang den Stammplatz zwischen den Pfosten einzunehmen: Steve Mason avancierte von 2012 bis 2017 zum Publikumsliebling im Wells Fargo Center, kehrte jedoch im Sommer 2017 den Flyers den Rücken zu und verließ Philadelphia in Richtung Winnipeg.

Und wie sieht die Gegenwart aus?

Chris Kreider richtete den Blick nach oben und sah sich ungläubig die Wiederholung am Videowürfel des Madison Square Garden an. 'Der Puck musste doch drin sein', ist dem Stürmer der New York Rangers von den Augen abzulesen. Nein, die Scheibe zappelte nach Kreiders Schuss aus kurzer Distanz nicht im Netz, sondern sie war ganz sicher in der Fanghand von Anthony Stolarz verstaut. Das war nur eine von 38, teilweise grandiosen Rettungstaten des Flyers-Torwarts, der die Rangers schier zur Verzweiflung brachte. Mit einem 1:0-Sieg endete am Dienstag die Partie zu Gunsten der seit mittlerweile fünf Spielen ungeschlagenen Flyers.

Video: PHI@NYR: Stolarz stoppt den Versuch von Kreider

"Es ist schön, dass wir den Sieg mitgenommen haben", freute sich Stolarz. "Für mich war es toll rauszugehen und für das Team den Kasten dicht halten zu können. Sie haben alle auch einen guten Job verrichtet. Kompliment an die Jungs vor mir."

Bereits am Abend zuvor hatten die Flyers zuhause den Winnipeg Jets ein Lehrstück in Sachen effektive Defensivarbeit erteilt und mit 3:1 bezwungen. Frenetisch gefeiert vom Großteil der über 19.000 Besucher wurde nach dem Ertönen der Schlusssirene jedoch nicht der 25-jährige Stolarz, sondern der um fünf Jahre jüngere Carter Hart, der den Vorzug bekommen hatte.

Hart, der am 18. Dezember 2018 sein NHL-Debüt gegeben hatte, wehrte bei seinem 13. NHL-Auftritt 31 Torschüsse ab, darunter vier von Winnipegs Kapitän Blake Wheeler und deren sechs vom finnischen Scharfschützen Patrik Laine. Was für eine Bewährungsprobe des Rookie-Torwarts? Er bestand sie mit Bravour!

Video: WPG@PHI: Hart stoppt Laine mit schneller Reaktion

"Ich fühle mich auf diesem Niveau wohl", sagte Hart nach seinem Gala-Auftritt. "Bei meinem ersten Spiel gegen Detroit spielten meine Nerven verrückt. Dann wurde mir klar, das ist auch nur ein weiteres Spiel, es sind die gleichen Banden, das Eis ist das gleiche, man muss einfach nur rausgehen und spielen. Mit einer solchen Einstellung muss ich an die Sache rangehen."

Die Defensivabteilung war die Achillesferse der Flyers: Bevor sie ihre Siegesserie am 15. Januar starteten, betrug ihr Gegentrefferschnitt 3,56 Tore pro Spiel. Durch den glatten 2er-Schnitt in ihren vergangenen fünf Partien verbesserten sie den Wert auf 3,40. Die starken Torwartleistungen sind das eine, jedoch stimmt im Kader auch wieder das Mannschaftsgefüge - einhergehend kam der Teamerfolg. 20 Spieler setzten die Flyers in ihren fünf letzten Spielen ein und 18 waren mindestens an einem Tor beteiligt. Michael Raffl bekam eine durchschnittliche Eiszeit von nur 8:44 Minuten, doch diese reichte dem Villacher, um den siegreichen Partien ein Tor und einen Assist beizusteuern.

 

[Ähnliches: Dort anknüpfen, wo vor der Pause aufgehört]

 

Bei den Flyers ziehen wieder alle an einem Strang. Eventuell ist es für eine Aufholjagd schon zu spät, um sich noch für die Stanley Cup Playoffs zu qualifizieren, doch die Richtung stimmt. Und wer weiß, vielleicht wächst in Philadelphia ein Torwart-Gespann heran, von dem auch im kommenden Jahrzehnt die Fans noch schwärmen.

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