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Am Ende der Saison 2018/19 mussten sich die Philadelphia Flyers noch frühzeitig in den Sommerurlaub verabschieden, nachdem sie die Stanley Cup Playoffs mit 82 Punkten (37-37-8) klar um 16 Punkte verpasst hatten. Umso überraschender, dass sie nun als erstplatziertes Team der Eastern Conference in die erste Runde der Playoffs 2019/20 gehen.

Das Team aus Philadelphia zeigte sich bereits in der regulären Saison mit 89 Punkten aus nur 69 Spielen (41-21-7) stark verbessert, was ihnen in der Endabrechnung den vierten Platz in der Conference einbrachte. Das bedeutete bereits die sichere Teilnahme an den Playoffs und an der Platzierungsrunde, in der sie mit den Washington Capitals, Boston Bruins und Tampa Bay Lightning die Plätze eins bis vier ausspielen durften.

In dieser elitären Gruppe setzten sich die Flyers mit einem 4:1-Sieg gegen die Tampa Bay Lightning am Samstag endgültig als bestes Team im Osten durch. Zuvor hatten sie bereits die Bruins mit 4:1 und die Capitals mit 3:1 geschlagen.

Diese Siege sind umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass die fünf besten Torjäger der Flyers aus der regulären Saison hierzu nicht einen einzigen Treffer beisteuerten. Travis Konecny (24 Tore), Kevin Hayes (23), Sean Couturier (22), Claude Giroux (21) und James van Riemsdyk (19) hatten gemeinsam für 119 der 227 Tore der Flyers in der Hauptrunde gesorgt. In der Platzierungsrunde war ihr Torinstinkt nun nicht nötig, denn der Rest der Mannschaft trat als geschlossene Einheit auf und lieferte die nötigen Treffer, wie Stürmer Joel Farabee, der im ersten Spiel nicht einmal im Kader stand und gegen Tampa das 3:1 erzielte.

"Ich denke, dass wir um einen Platz im Kader kämpfen müssen, treibt uns an", verriet Stürmer Joel Farabee, der gegen Tampa das 3:1 erzielt hatte, seine Motivation. "Wenn man sich unseren Kader anschaut, sieht man Leute gehen und wiederkommen. Das zeigt, was für ein gutes Team wir sind und was für eine Tiefe wir im Kader haben. Wir sind aufgeregt. Das waren drei wichtige Siege und jetzt wollen wir weitermachen."

Die Offensive der Mannschaft präsentierte sich mit elf Toren in drei Spielen gut. Noch besser war jedoch zuletzt die Abwehr. Von den 20 eingesetzten Spielern kam niemand auf weniger als zehn Minuten Eiszeit pro Spiel und nur drei Spieler auf mehr als 20 Minuten. 16 Akteure haben mindestens einen Check in ihrer Statistik stehen und 13 Spieler registrierten mindestens einen geblockten Schuss. Das geschlossene Auftreten und der Einsatz sorgten dafür, dass die Flyers nur 25,3 Torschüsse der Gegner pro Spiel zuließen.

"Wir bringen einfach eine gute Mannschaftsleistung", lobte Verteidiger Shayne Gostisbehere seine Mitspieler. "Wir wollten weitermachen, wo wir aufgehört hatten. Wir spielen als Mannschaft gut auf der gesamten Eisfläche."

Die Schüsse, die ihren Weg durch diese verbissene Verteidigung finden, treffen auf einen weiteren wichtigen Faktor des Erfolges, die Torhüter Carter Hart und Brian Elliott. Der 21-jährige Hart und der 35-jährige Elliott sorgten in der regulären Saison für den siebtbesten Gegentorschnitt der Liga (2,77). In der Platzierungsrunde hielt Elliott 16 von 17 Schüssen (94,1 Prozent), Hart 57 von 59 (97,1 Prozent). Hinter einer fähigen Offensive und einer schwer zu knackenden Defensive sind sie der sichere Rückhalt für die Flyers.

Dieser scheinbare Mangel an Schwächen, die ausgeglichene Verteilung der Aufgaben und der Belastung im Team, sowie der starke Zusammenhalt in der Mannschaft brachten die Flyers an die Spitze der Eastern Conference und machen sie zu einem der Top-Anwärter auf den Stanley Cup. Mit dem Erfolg in der Platzierungsrunde setzten sie ein Ausrufezeichen und bewiesen, dass im Mannschaftssport Eishockey der Fokus auf Superstars nicht unbedingt immer der Weg zum Erfolg ist.

"Wir sind eine selbstbewusste Truppe, aber auch eine eingeschworene Gemeinschaft. Das ist das wichtigste bei uns. Ich habe, glaube ich, nie so einen Zusammenhalt in einem Team gesehen. Es ist gut das auf dem Eis zu sehen, aber wenn man auch neben dem Eis so ein Verhältnis hat, überträgt sich das auf das Spiel", so Gostisbehere.

Die drei Siege waren aber nicht nur wichtig für das Selbstbewusstsein, sie beeinflussen auch den Weg in Richtung Finale entscheidend. Durch den ersten Platz treffen die Flyers in den Playoffs immer auf das verbleibende Team, das in der regulären Saison am schlechtesten abgeschnitten hat. In der ersten Playoff-Runde sind das die Montreal Canadiens, die sich als letztes Team einen Platz in der Qualifikation sicherten, dann aber überraschend gegen die Pittsburgh Penguins gewannen. Doch egal wie der Gegner heißt, die Flyers haben bewiesen, dass der Weg zum Cup in diesem Jahr über sie führen dürfte.