Kerfoot sichert den Comeback-Sieg in Spiel 4

Schon fast 20 Jahre lang liegt ein in der Eishockeyszene weithin bekannter Fluch über den Toronto Maple Leafs: Seit 2004 hat das Team keine Serie mehr in den Stanley Cup Playoffs gewonnen. Doch nach vier Spielen sieht es danach aus, als würden die Maple Leafs den Bann dieses Jahr brechen. Mit einem 5:4-Auswärtssieg nach Verlängerung gegen die Tampa Bay Lightning in der Amalie Arena am Montag liegen sie in der Erstrundenserie mit 3:1 in Führung. Nun trennt sie nur noch ein Erfolg vom erlösenden Einzug in die zweite Runde.

"Ungefähr nach der Hälfte des zweiten Drittel haben wir angefangen, zu unserem Spiel zu finden. Danach hat sich die Partie zu unseren Gunsten gewendet, obwohl wir mit drei Toren zurücklagen", sagte Torontos Stürmer Auston Matthews. "Aber die Einstellung und die Haltung in unserer Kabine war es, uns nicht unterkriegen zu lassen und konzentriert weiterzuarbeiten."
Das Spiel am Montag spiegelte den bisherigen Verlauf der Serie gut wider. Nach zwei Dritteln führten die Lightning mit 4:1, doch Toronto fand einen Weg die Partie zu drehen. Auch der Beginn der Serie fiel deutlich zugunsten von Tampa aus. Eine 3:7-Niederlage der Maple Leafs in Spiel 1 deutete auf die nächste herbe Enttäuschung hin. Aber sie antworteten in Spiel 2 ihrerseits mit einem 7:2-Kantersieg und in Spiel 3 holten sie sich mit einem 4:3-Erfolg die Führung in der Serie. Wie am Montag, lagen sie auch in dieser Begegnung nach zwei Dritteln hinten und gewannen das Spiel in der Verlängerung.

Point mit Zwei beim 7:3 der Lightning in Runde eins

In Spiel 4 trafen Alex Killorn (10.; PP) und Mikhail Sergachev (19.) im ersten Drittel für Tampa. Toronto traf im zweiten Drittel durch Noel Acciari (25.), nur um zwei weitere Gegentore durch Steven Stamkos (32.) und Killorn (39.) hinnehmen zu müssen. Im Schlussabschnitt übernahmen schließlich die Starspieler der Maple Leafs das Ruder.
"Ich denke, dass wir im dritten Drittel richtig gut gespielt haben", zeigte sich Morgan Rielly, Torontos punktbester Verteidiger, mit der Leistung zufrieden. "Wir waren mit dem 1:4 in einer Position, in der man nicht sein will. Aber den Kampfgeist und die Energie zu besitzen, sich zurück ins Spiel zu kämpfen, ist ein gutes Zeichen."
Matthews verkürzte auf 2:4 (50.) und legte wenig später im Powerplay den Anschlusstreffer nach (53.). Rielly erzwang mit dem späten Ausgleich in der 57. Minute die Verlängerung. In der Extraschicht musste Sergachev früh wegen Beinstellens auf die Strafbank und brachte die Maple Leafs ins Powerplay. Die Überzahlchance ließ sich Alex Kerfoot nicht entgehen. Nach 64:14 Minuten fälschte er einen Schuss von der blauen Linie von Mark Giordano zum Siegtreffer ab.

TOR@TBL, Sp4: Matthews haut ihn rein

"Man träumt davon, in den Playoffs ein Tor in der Verlängerung zu schießen", so Kerfoot. "Wir hatten nach den ersten zwei Dritteln einen starken Glauben an unser Team. Wir haben angefangen, sie unter Druck zu setzen und unsere Stars waren für uns da und haben uns in die Verlängerung gebracht."
Nach dem sensationellen Comeback liegt jedoch sofort die nächste schwere Prüfung vor den Maple Leafs. Jahr für Jahr betonen Spieler und Trainer aller Mannschaften, dass der vierte Sieg in einer Best-of-7-Serie der schwierigste ist. Das wissen die Maple Leafs nur zu gut. Sie mussten in den vergangenen fünf Jahren in der ersten Runde immer über die volle Distanz gehen und schieden stets nach dem letzten Spiel aus. Vorige Saison führten sie gegen die Lightning mit 3:2 in der Gesamtwertung und zogen in den folgenden zwei Spielen den Kürzeren. Ein Jahr zuvor hatten sie eine 3:1-Führung gegen die Montreal Canadiens mit drei Niederlagen hintereinander verspielt. Und ihr derzeitiger Gegner ist nicht irgendein Team, sondern die Mannschaft, die in den vergangenen drei Playoffs immer im Stanley Cup Finale stand und es 2020 und 2021 gewann.
"Ich hoffe, dass wir das als positives Zeichen sehen, was den Kampfgeist unserer Mannschaft angeht und was wir schaffen können", äußerte sich Torontos Trainer Sheldon Keefe nach dem Comeback am Montag. "Ich hoffe, dass die Jungs das mitnehmen und erkennen, dass wir weiterkämpfen müssen. Das Team, gegen das wir heute einen Weg zum Sieg gefunden haben, ist ein Spitzenteam, weil sie selten zwei Spiele in Folge verlieren, erst recht keine drei in Folge. Und vier Spiele hintereinander zu gewinnen, wird noch schwerer. Das ist uns absolut bewusst."

TOR@TBL, Sp4: Kerfoot in Überzahl zum Sieg

Der Druck, der auf den Spielern lastet, ist enorm. Das Bewusstsein, was für ein starker Gegner vor ihnen steht, der Gedanke an den Playoff-Fluch und die Erinnerungen an die Enttäuschungen der vergangenen Jahre können an der Psyche nagen. Doch bei allen Mahnungen des Trainers zur Vorsicht und bei aller Schwarzmalerei ist auch klar, dass die Maple Leafs in den ersten vier Spielen ihre Qualität und ihre Fähigkeit, mit schwierigen Situationen umzugehen, bewiesen haben. Die Erlösung ist zum Greifen nahe und könnte schon am Donnerstag erreicht werden, wenn die Lightning zu Spiel 5 nach Toronto in die Scotiabank Arena kommen (7 p.m. ET; NHL.tv; Fr. 1 Uhr MESZ).