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Leon Draisaitl und Connor McDavid lieferten am Freitag in Spiel 3 der Ersten Runde der Stanley Cup Playoffs in der Western Conference gegen die Anaheim Ducks genau das, was von ihnen erwartet wird. Im zweiten Drittel entlud sich die offensive Wucht des Duos und brachte die Edmonton Oilers scheinbar zurück in die Spur.

Draisaitl bereitete zwei Treffer vor und zog mit seinem 147. Playoff-Punkt mit Alex Ovechkin auf Platz zehn der ewigen Bestenliste für außerhalb Nordamerikas geborene Spieler gleich. Auch Kapitän McDavid, dessen Einsatz nach einer Knöchelblessur in Spiel 2 kurzzeitig infrage stand, meldete sich mit seinem ersten Tor der laufenden Postseason sowie einem Assist zurück.

Doch die individuelle Brillanz der Oilers reichte an diesem Abend im Honda Center nicht aus. Obwohl sie eine exzellente Bilanz von 40 Siegen bei nur 22 Niederlagen in Playoff-Spielen aufweisen, in denen sowohl McDavid als auch Draisaitl punkten, stand am Ende eine 4:7-Niederlage zu Buche. Die Offensive trug die Mannschaft zwar phasenweise, konnte die weitreichenden kollektiven Mängel jedoch nicht dauerhaft kaschieren.

Alle wichtigen Szenen aus dem Spiel zwischen den Anaheim Ducks und den Edmonton Oilers

Die Anatomie der Fehler
Die Gründe für diesen Rückschlag sind unbestreitbar im Verteidigungsdrittel der Oilers zu finden. Trainer Kris Knoblauch analysierte die defensiven Aussetzer nach der Schlusssirene schonungslos und brachte die Problematik präzise auf den Punkt. „Man schaut sich die Gegentore an und es sind einfach Dinge, die nicht passieren dürfen. Es gab ein paar verlorene Zuordnungen vor dem Tor oder wir gingen zu sorglos mit dem Puck um“, erklärte er.

Diese Fehlerkette zeigte sich besonders dramatisch im Schlussabschnitt. Ein unpräzises Zuspiel von Verteidiger Evan Bouchard auf McDavid wurde abgefangen und mündete in einen schnellen Gegenangriff, den Beckett Sennecke zur erneuten Führung der Hausherren abschloss.

Nur 37 Sekunden später endete ein weiterer Aufbauversuch Bouchards in einem Scheibenverlust in der neutralen Zone und dem Gegentreffer zum 3:5 durch Leo Carlsson. Es waren exakt diese unkonzentrierten Momente im Vorwärtsgang, die Anaheim direkte Konter ermöglichten.

EDM@ANA, Sp3: Carlsson baut die Führung per Rückhand aus

Ducks auf der Überholspur
Während sich Edmontons Offensive stark auf ihre prominenten Führungsspieler verließ, hatten die Ducks eine bemerkenswerte Scoring-Tiefe vorzuweisen. Gleich sieben verschiedene Spieler trugen sich bei ihnen in die Torschützenliste ein. Dieser Umstand verdeutlichte, wie schwer die Mannschaft auszurechnen war. Hinzu kam die Unterstützung durch das enthusiastische Publikum.

Für die Ducks war es das erste Playoff-Heimspiel seit acht Jahren. Die Energie auf den Rängen übertrug sich nahtlos auf das Eis. Angreifer Sennecke beschrieb dies treffend. „Es hat sich da draußen angehört wie eine Armee. Sie haben acht Jahre hierauf gewartet, neun Jahre auf einen Sieg, also war es etwas ganz Besonderes“, sagte der 20-Jährige.

Die Fans erlebten eine leidenschaftliche Heimmannschaft, die Edmontons Routiniers mit unbändigem Einsatz Paroli bot. Anaheims Tiefe und die emotionale Wucht erwiesen sich als eine Kombination, der die Oilers in den entscheidenden Phasen wenig entgegenzusetzen hatten.

Die Forderung nach Langeweile
Die logische Konsequenz aus diesem wilden Duell formulierte Zach Hyman im Anschluss recht deutlich. Der Oilers-Angreifer forderte die Rückkehr zu unaufgeregtem Eishockey und betonte, dass die Mannschaft den Puck tief spielen müsse, um das hohe Tempo der Ducks zu drosseln. „Wir müssen einfach und strukturiert spielen“, forderte er. Edmonton dürfe sich nicht auf einen offenen Schlagabtausch einlassen, in dem die jungen Angreifer der Kalifornier ihre Stärken im Umschaltspiel voll zur Geltung bringen könnten. Nur wenn die Oilers den Gegner dazu zwängen, über die gesamte Länge der Eisfläche zu verteidigen, lasse sich das Tempo kontrollieren.

Ducks 2, Oilers 1

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Erfahrung als Rettungsanker
Trotz des 1:2-Serienrückstands herrscht im Lager der Oilers keine spürbare Panik. Verteidiger Mattias Ekholm erinnerte an die enorme Playoff-Erfahrung der Mannschaft. Der Routinier verwies auf ähnliche Drucksituationen in den vergangenen beiden Jahren, als das Team ebenfalls in der ersten Runde früh in Rückstand geraten war und dennoch Antworten fand. „Wir haben eine erfahrene Truppe hier. Wir haben das schon durchgemacht“, betonte Ekholm.

Diese Widerstandsfähigkeit bildet nun das wichtigste Kapital von Edmonton in Spiel 4 am Sonntag (9:30 p.m. ET; Mo. 3:30 Uhr MESZ), das wiederum im Honda Center stattfindet. Die anstehende Partie wird zum Charaktertest für die Oilers. Sie müssen beweisen, dass sie aus den schmerzhaften Fehlern in der Defensive gelernt haben.

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