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Junioren-WM brachte viele gute Erkenntnisse

"Kleines" Finnland krönt sich zum Weltmeister und die Schweiz kann tolle Leistung nicht mit Edelmetall veredeln

von Stefan Herget @nhlde / NHL.com/de Chefautor

In den Umfragen unter den Experten vor der IIHF Junioren-Weltmeisterschaft 2019 in den westkanadischen Städten Vancouver und Victoria war wieder einmal nur die Frage, ob die USA oder Kanada, vereinzelt auch Russland genannt, gewinnen würde. Natürlich sind diese drei Mannschaften stets die großen Favoriten und das kann und wird niemand aus den anderen Nationen in Abrede stellen, wenn man alleine das Potenzial an jungen Talenten sieht, aus denen diese Länder schöpfen können.

"Man muss sich nur mal anschauen, dass ich dieses Jahr 13 Spieler dabei habe, die im letzten Jahr schon als jüngere Spieler für uns aufgelaufen sind", sagte der Schweizer Trainer Christian Wohlwend im Interview mit NHL.com/de vor der WM. "Das wäre bei den großen Nationen undenkbar. Die haben so viele Talente, da ist es vielleicht mal eine Hand voll, aber dann sind es schon außergewöhnliche Spieler."

 

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Trotzdem zeugt es schon von einer gewissen Überheblichkeit, dass in Kanada und den USA andere Teilnehmer kaum in Betracht gezogen werden. Besonders das zahlenmäßig an Einwohnern kleine Finnland wird gelegentlich belächelt, bis sie wieder einmal ein Turnier gewinnen.

Als die Finnen beim World Cup of Hockey 2004 die USA mit allen NHL-Spielern an Bord im Halbfinale in St. Paul, Minnesota ausschalteten und ins Finale gegen Kanada einzogen, obwohl jeder vorher nur über das Traumfinale USA gegen Kanada sprach, sagte ein US-Amerikaner kopfschüttelnd: "Finnland, wie können wir nur gegen Finnland verlieren. Wie viele Einwohner haben die?"

Damals im Jahr 2004 waren es 5,2 Millionen, heute sind es 5,5 Millionen, aber verglichen zu den 293 (2004) bzw. 325,7 Millionen (2017) der USA eine verschwindend geringe Zahl.

Trotzdem war es wieder genau das unter den Teilnehmern, den Einwohnern nach, kleinste Finnland, das bei der Junioren-Weltmeisterschaft am Mittwoch Kanada im Viertelfinale (2:1 OT), dann am Freitag die Schweiz im Halbfinale (6:1) und schließlich am Samstag die "große" USA im Finale (3:2) bezwangen und sich in der Geschichte des Turniers zum fünften Mal und damit übrigens einmal mehr als die USA zum Junioren-Weltmeister krönte.

Tweet from @IIHFHockey: ICYMI: We had a #WorldJuniors final that was dramatic until the end. Finland's @leijonat won gold thanks to a 3-2 win against @USAHockey and a late game-winner from Kaapo Kakko. Don't miss the highlights!Read more: https://t.co/7VnOT6sjMUEn fran��ais : https://t.co/YXlGjJYdv6 pic.twitter.com/W2F8xtXRpt

Da passte es ins Bild, dass das zahlenmäßig nach Finnland und Dänemark (5,8 Millionen), die am Ende in die Division I absteigen mussten, drittkleinste Land, nämlich die Schweiz, im Viertelfinale die Schweden mit 2:0 besiegte und erstmals nach 2002 und 2010 wieder in das Halbfinale einzog. Leider verpasste die Mannschaft von Wohlwend am Ende die Bronzemedaille durch eine 2:5-Niederlage gegen Russland im Spiel um Platz 3.

Es wäre der zweite Medaillengewinn der Eidgenossen nach 1998 gewesen, als die Schweiz angeführt von einem überragenden Torhüter David Aebischer, dessen Leistungen ihm seine spätere NHL-Karriere ermöglichte, Bronze gewann.

Natürlich ärgerte die Spieler und Trainer, dass dieser Wurf nicht gelingen konnte, doch der Sprung unter die besten vier zeigte wieder, dass die Schweiz hervorragende Spieler heranwachsen sieht, die sie in den kommenden Jahren zu weiteren Erfolgen, insbesondere im Herrenbereich tragen können. Insbesondere der Heim-WM in Zürich und Lausanne im Jahr 2020 fiebern sie in der Schweiz schon entgegen, nachdem zuletzt in den Jahren 2013 und 2018 der Weltmeistertitel mit der Silbermedaille nur knapp verfehlt wurde.

"Es war sehr überraschend für uns, aber am Ende fahren wir ohne Medaille heim und das ist wirklich enttäuschend", sagte der Schweizer Verteidiger Davyd Barandun. "Ich denke, dass wir besser und besser werden. Unsere Trainer werden besser. Jedes Jahr wird die Schweiz oben mitspielen."

Wohlwend hatte schon vor dem Turnier betont, dass er seinen Jungs einschärfen möchte, dass sie in jedem Spiel eine Chance hätten und wenn sie das verinnerlichen würden, dann könnten sie auch erfolgreich sein. Das klappte über weite Strecken sehr gut, doch ausgerechnet im Halbfinale und Spiel um Bronze schlug gerade zu Beginn des Spiels die Nervosität zu.

"Erstes Drittel, grausam", fand Wohlwend nach der Niederlage gegen Russland deutliche Worte. "Grausam. Ich kann es nicht verstehen, alle Trainer können es nicht verstehen. So eine großartige Chance und wir schlafen. Wir spielten ängstlich, wir spielten langsam ohne Mut und dann musste ich in der Kabine etwas lauter werden. Das hat gewirkt."

 

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Die Mannschaft hätte ihren Trainer an seinem 42. Geburtstag schon mit einem Sieg im Halbfinale beschenken können, doch gegen Finnland lieferten sie ihr wohl schlechtestes Spiel der vergangen Wochen ab. "Ich hoffe unsere Spieler sind hungrig und geil genug, dieses Spiel zu gewinnen", hatte Wohlwend der Presse danach noch im Ausblick auf das Bronze-Match zu Protokoll gegeben.

Doch obwohl die beiden letzten Spiele nicht erfolgreich verliefen, können Wohlwend, seine Assistenten und seine Spieler mit erhobenem Haupt und im Bewusstsein ihr Land gut vertreten zu haben, in die Heimat zurückkehren.

Am Ende sprach kaum jemand über den zu Beginn hochgehandelten Nachwuchs der Kanadier. Spieler wie Kapitän Maxime Comtois, der in der Vorrunde mit fünf Toren und einem Assist noch die Scorerwertung anführte, blieb im Viertelfinale wie viele seiner Kollegen blass. Mehr noch, er vergab einen entscheidenden Penalty in der Verlängerung des Viertelfinals, der das Siegtor der Finnen erst ermöglichte. Neuesten Meldungen zufolge soll er jedoch mit einer verletzten Schulter gespielt haben. 

Immerhin wurde der US-Amerikaner Ryan Poehling mit fünf Toren und drei Assists zum Spieler des Turniers gewählt, obwohl der Russe Grigori Denisenko mit vier Toren und fünf Assists und der Finne Aleksi Heponiemi mit drei Toren und sechs Assists die Topscorer wurden. Somit hatten die enttäuschten US-Amerikaner wenigstens einen kleinen Erfolg zu verbuchen.

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