Kaum jemand hatte damit gerechnet, dass Leon Draisaitl schon wieder auf dem Eis stehen würde. Der deutsche Superstar hatte sich bei den Edmonton Oilers eine Auszeit genommen und war aufgrund eines Krankheitsfalls in der Familie in die Heimat gereist. Trainer Kris Knoblauch hatte kürzlich noch verkündet, Draisaitl würde frühestens am Samstag im Spiel gegen die Washington Capitals auflaufen. Doch es kam anders: Draisaitl lief bereits am gestrigen Donnerstag auf, als die Oilers auf die Pittsburgh Penguins trafen.

„Wir wussten, dass er um 6 Uhr morgens abfliegen und um 3 Uhr nachmittags landen soll“, erklärte Knoblauch. „Aber wir wussten natürlich nicht, ob der Flieger auch pünktlich sein würde. Hinzu kam, dass er den ganzen Tag im Flugzeug war und dann direkt spielen müsste. Aber wir kennen ja Leon. Wir haben uns gedacht, dass er spielen will, wenn er rechtzeitig in der Stadt ist. Natürlich erwarten wir das von ihm. Aber aufgrund der Umstände war nichts sicher.“

Drei Gegentore innerhalb von 37 Sekunden

Es hätte den Tag abgerundet, wäre das Comeback von Draisaitl nach drei verpassten Spielen mit einem Sieg gekrönt worden. Stattdessen kassierten die Kanadier eine bittere 2:6-Niederlage vor eigenem Publikum gegen die Penguins. Draisaitl, der mit 67 Punkten (25 Tore, 42 Assists) aus 48 Spielen in die Partie ging, blieb diesmal punktlos. In 19:17 Minuten Eiszeit gab er vier Schüsse ab und wies eine Minus-1-Bilanz auf.

Bereits nach drei Minuten lagen die Oilers aufgrund zweier Tore von Anthony Mantha sowie einem Treffer von Sidney Crosby mit 0:3 zurück. Das Besondere: Diese drei Gegentreffer ereigneten sich innerhalb von nur 37 Sekunden. Es waren die schnellsten drei Tore, die die Oilers je in ihrer Franchise-Geschichte kassierten. „Wir waren einfach nicht bereit“, stellte Knoblauch fest. „Die letzten beiden Spiele von uns waren einfach schlecht. Die Chancen, die wir dem Gegner ermöglichen, sind einfach unverzeihlich.“

Jake Walman verkürzte den Rückstand in der 26. Minute mit einem Unterzahltreffer auf 1:3, ehe Pittsburgh durch die Tore von Rickard Rakell (33.), Evgeni Malkin (35.) und Egor Chinakhov (43.) wieder davonzog. Das 2:6 durch Matt Savoie (54.) war lediglich Ergebniskosmetik.

EDM@PIT: Penguins beginnen 1. Drittel mit drei Toren in 37 Sekunden

Bitteres Wiedersehen für Jarry mit dem Ex-Team

Besonders bitter war der Abend für Oilers-Torwart Tristan Jarry, der seine bisherige NHL-Karriere bei den Penguins verbrachte, ehe er im Dezember nach Edmonton getradet wurde. „Du willst immer dein altes Team schlagen, daher bist du ein bisschen extra motiviert. Ich denke, wir müssen einige Dinge ändern und in einigen Bereichen besser werden“, sagte der 30-Jährige und gab sich selbstkritisch. „Wenn ich ein oder zwei der frühen Tore halte, hätten wir bessere Chancen gehabt.“

Trainer Knoblauch nahm seinen Goalie allerdings in Schutz: „Es sieht natürlich erst einmal schlecht aus, sechs Tore bei etwa 20 Schüssen zu kassieren. Aber die Art von Chancen, die wir zugelassen haben, sind für einen Torwart einfach sehr schwer zu parieren.“

Edmonton durchlebt wechselhafte Saison

Die Saison von Edmonton gleicht bislang einer Achterbahnfahrt. Die Oilers konnten in der laufenden Spielzeit noch keine längere Siegesserie als zwei Spiele verbuchen. Allerdings gab es auch keine allzu langen Negativserien. Andererseits gab es lediglich einen Negativlauf mit drei punktlosen Spielen in Serie. Sie stehen zwar auf dem 2. Platz der Pacific Division, bleiben aber leistungstechnisch oftmals hinter den eigenen Ansprüchen zurück.

„Wir müssen alle zusammenhalten“, forderte Jarry. „Es gab einige Puckverluste und einige falsche Entscheidungen. Ich denke, das müssen wir in den Griff bekommen. Das würde uns Vorteile verschaffen. Auch wenn natürlich jedes Team gegen jedes andere Team gewinnen kann.“

Laut dem Torwart ist es völlig normal, dass gute und schlechte Phasen sich abwechseln. „Es gibt für jedes Team Höhen und Tiefen im Verlaufe einer Saison. Es geht einfach darum, daraus zu lernen und besser zu werden. Ob man nun gewinnt oder verliert – man will sich immer verbessern. Die NHL ist eine starke Liga, in der alles schnell geht. Daher muss man ständig dazulernen.“

Playoffs in Gefahr? Klare Worte von McDavid

Der Vorsprung auf den ersten Nicht-Playoff-Platz im Westen, der aktuell von den San Jose Sharks belegt wird, beträgt lediglich fünf Punkte. Unter der Berücksichtigung, dass die Sharks drei Spiele weniger bestritten haben, dürfen sich die Oilers nicht zu früh in Sicherheit wiegen.

„Es sind noch 30 Spiele übrig“, erklärte McDavid. „Wir kommen hier auf die Zielgerade. Dieses Jahr gibt es nur wenig Februar-Spiele, also fühlt es sich an, als wären wir bereits am Ende des Februars. Das Gefühl der Dringlichkeit muss steigen. Das Playoff-Rennen ist wirklich eng. Wir müssen einen Weg finden, hier Punkte zu holen, besonders zu Hause.“

Den Oilers stehen fünf Heimspiele gegen die Capitals, die Anaheim Ducks, die Sharks und die Minnesota Wild und den Toronto Maple Leafs bevor. Dann mit einem Draisaitl in der Aufstellung, der nicht direkt aus dem Flieger kommt.

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