Deutschland im Aufbruch, Schweiz in der Aufarbeitung

Jeden ersten Samstag im Monat schlägt NHL.com/de das Nationalteam-Notizbuch auf. Darin enthalten sind News und Storys über die Nationalmannschaften aus Deutschland, der Schweiz und Österreich. Besonders im Fokus stehen Entwicklungen im Hinblick auf den World Cup of Hockey 2028.

Der World Cup of Hockey 2028 liegt noch in weiter Ferne und löst dennoch Vorfreude aus, wenn darüber gesprochen wird. „Das wird bestimmt ein Top-Event, ähnlich wie Olympia, nur mit weniger Teams“, sagt der deutsche Nationalspieler Kai Wissmann im Gespräch mit NHL.com/de. 

Eine offizielle Bestätigung steht zwar noch aus, doch Deutschland und die Schweiz werden als aussichtsreiche Kandidaten für eine Teilnahme am World Cup of Hockey 2028 gehandelt. Das Turnier soll an drei Spielorten in Nordamerika und Europa ausgetragen werden und zahlreiche NHL-Stars im Trikot ihrer jeweiligen Nationalmannschaft vereinen.

Lob für Bundestrainer André Rankel

Die deutsche Nationalmannschaft hat mit André Rankel einen neuen Bundestrainer. Wissmann kennt ihn gut, weil die beiden in Berlin zusammengespielt haben. Später war er auch sein Co-Trainer bei den Eisbären. „Für ihn steht die Mannschaft über allem. Das ist auch das, was wir als Deutschland brauchen: Wir müssen über die Mannschaft kommen. Egal, wie gut die Einzelspieler sind, die Gegner haben auf internationalem Niveau auch Topspieler. Da kann man nur über das Kollektiv weit kommen“, erklärt Wissmann. 

„Die Qualität, die wir haben, hilft uns dabei. André hat als Spieler sehr viel Erfahrung gesammelt, viel gewonnen und war oft Teil erfolgreicher Mannschaften. Auch als Coach hat er von verschiedenen Trainern lernen können. Deswegen ist er auf jeden Fall der richtige Mann dafür.“

Deutschland Cup als Standortbestimmung

Der aktuell ausgetragene Deutschland Cup, bei dem die DEB-Auswahl mit einem 3:0 gegen Österreich in das Turnier gestartet ist, dient für den Bundestrainer als erste Standortbestimmung. Allerdings wurde aus Belastungsgründen größtenteils auf Spieler verzichtet, die mit ihrem Club in der Champions Hockey League (CHL) spielen und somit im Spielbetrieb stark gefordert sind. Auch Wissmann steht daher nicht im Kader, verfolgt das Turnier aber dennoch interessiert.

„Der Deutschland Cup ist wichtig. Auch für den Coachingstaff wird es gut sein, erstmals mit der Mannschaft arbeiten und den Spielern das neue System vermitteln zu können. Dafür braucht es ein paar Tage Training. Bei Weltmeisterschaften hat man mit dem vollen Kader leider immer nur sehr kurz Zeit. Deswegen ist jede Maßnahme wichtig“, erklärt Wissmann.

Heim-WM soll Eishockey in Deutschland voranbringen

Im kommenden Jahr wird die Weltmeisterschaft in Deutschland ausgetragen. Wissmann fiebert diesem Event entgegen und hofft auf einen Effekt: „Ich hoffe, dass sie den Eishockeysport voranbringt. Gerade mit dem Eröffnungsspiel auf Schalke in Gelsenkirchen ist das ein einmaliges Event für die Spieler, die Fans und alle, die dabei sind. Es liegt an uns, das sportlich gut zu gestalten, damit auch im Nachgang etwas bleibt. Und damit wir vielleicht Kinder dafür begeistern können, mit unserem tollen Sport anzufangen. Das ist auch ein Ziel.“

Mit welchen Zielen die DEB-Auswahl in das Turnier gehen wird, könne Wissmann noch nicht abschätzen, weil niemand vorhersagen kann, wie die Kader der verschiedenen Nationalmannschaften aussehen werden: „Aber wir wollen uns so oder so vor keinem verstecken und auf jeden Fall ins Viertelfinale kommen. Ab dann ist in einem K.o.-Spiel immer mehr drin, wenn man als Mannschaft einen guten Tag hat.“

Schweiz hat WM-Finalniederlage aufgearbeitet

Während die DEB-Auswahl und Österreich beim Deutschland Cup gefordert sind, startete das Schweizer Nationalteam in Helsinki in die Euro Hockey Tour. In der Neuauflage des WM-Finals 2026 unterlag die Schweiz dem Gastgeber Finnland mit 1:3. Positiv aus Schweizer Sicht waren allerdings die Debüts von Dario Allenspach, Mats Alge, Keanu Derungs, Jamiro Reber und Maximilian Streule, die erstmals im Trikot der Schweizer A-Nationalmannschaft zum Einsatz kamen.

Die Schweiz hatte bei der Heim-WM das Finale gegen Finnland in der Verlängerung mit 0:1 verloren. Nationaltrainer Jan Cadieux berichtete in einem aktuellen Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass er nach diesem Event kaum von dem Turnier abschalten konnte. „Ich war wie in einem Tunnel, und nach dem bitteren Ende gelang es mir nicht, diesen rasch wieder zu verlassen“, sagte der 46-Jährige. „Es hat sehr lange gedauert, bis ich sagen konnte: Ich bin zufrieden.“

Besonders leid tat ihm, dass die Nationalmannschaft dem fantastischen Publikum nicht den WM-Titel schenken konnte. Auch für seine Spieler wollte er unbedingt die Goldmedaille gewinnen. „Das ist das, was ich an meinem Job liebe, Leuten zu helfen, ihren Traum zu erreichen“, sagte er. „Ich bin dankbar, dass ich das erleben konnte, ich habe sehr viel gelernt.“

Bei der Aufarbeitung der Final-Niederlage müsse man realistisch sein: „Wir haben gegen eine sehr gute Mannschaft verloren. Vielleicht hat diesmal der Wille, dem Publikum den WM-Titel zu schenken, zu noch mehr Druck geführt. Wenn du etwas zu stark willst, fehlt die nötige Lockerheit. Wir hatten jedoch ein paar gute Chancen, es war ein 50:50-Spiel.“

Wer weiß: Möglicherweise schlägt das Pendel beim World Cup of Hockey 2028 bei solchen Spielen häufiger für die Schweiz aus.

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