Dennis Seidenberg hat als Höhepunkt seiner Karriere im Jahr 2011 als zweiter Deutscher den Stanley Cup gewonnen. Der heutige Entwicklungstrainer der New York Islanders wird in einer monatlichen Kolumne exklusiv für NHL.com/de seine Ansichten zu Teams, Spielern und brennenden Fragen teilen.
Hier die sechste Ausgabe 25/26, ein Olympia-Spezial:
Bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 wurde ein Eishockeyturnier der Männer geboten, das trotz des erwarteten Finales USA gegen Kanada sehr ausgeglichen war. In den USA wurde der Erfolg entsprechend gefeiert. Alle Bars hatten bereits ab 8 Uhr zum Spielbeginn geöffnet und waren gut besucht. Sogar die Regeln wurden geändert, sodass bereits morgens Alkohol serviert werden durfte. Ich habe das Spiel gemütlich zu Hause auf der Couch geschaut. In den sozialen Medien war jedoch zu sehen, wie das Siegtor in den vollen Bars ausgiebig gefeiert wurde.
Das gesamte Turnier war eine gute Werbung für das Eishockey. Kanada hatte im Finale mehr vom Spiel und die besseren Chancen, es zu gewinnen. Am Ende hätten sie es vermutlich etwas mehr verdient gehabt. Aber so ist das bei einem Finale mit einem Spiel. Es kann alles passieren, und dank der ausgezeichneten Torhüterleistung von Connor Hellebuyck haben die USA es gewonnen.
Allerdings stimme ich dem kanadischen Trainer Jon Cooper auch zu, dass die Drei-gegen-Drei-Overtime eine tolle Sache in der Vorrunde ist, um ein Spiel zu entscheiden, für die K.-o.-Runde jedoch unpassend ist. Meiner Meinung nach wäre es fairer, zum Beispiel Vier-gegen-Vier zu spielen, dann wäre es nicht so extrem. Man sucht nach einer schnellen Entscheidung, aber in so wichtigen Spielen finde ich es angemessener, die Mannschaften es auskämpfen zu lassen und den Ausgang nicht von kleinen Fehlern abhängig zu machen, die beim Drei-gegen-Drei eben oft ausschlaggebend sind. Doch so sind momentan die Regeln, und am Ende haben die US-Amerikaner gewonnen. Das haben letztendlich alle akzeptiert, so hart es für die Kanadier sicher auch war.
Aus deutscher Sicht hat der Turnierverlauf allerdings nicht den Erwartungen entsprochen. Zwar wurde das Viertelfinale erreicht, aber es wurden zu viele individuelle Fehler gemacht gegen einen Gegner, der eigentlich auf Augenhöhe ist mit dem deutschen Team.
Ich denke, man muss Mo Müller recht geben, dass das deutsche Team nie so richtig zu seinem Spiel gefunden hat. Die NHL-Spieler hatten viel Last auf ihren Schultern und die Mannschaft hat wirklich nie so richtig zu ihrem Spiel gefunden. Bei Deutschland hat das Secondary Scoring, also Tore aus den unteren Reihen, komplett gefehlt. Das rächt sich bei einem Turnier auf diesem Niveau einfach gnadenlos.
Auf der anderen Seite muss man sehen, dass es trotzdem super war, alle deutschen NHL-Spieler erstmals seit langem wieder dabei gehabt zu haben. Dadurch war die Aufmerksamkeit in den Medien groß. Gut für unseren Sport! Und man wird beim DEB sicher Dinge, die nicht so gut gelaufen sind, analysieren und das nächste Mal hoffentlich besser machen. Unterm Strich wurde man Sechster in einem hochklassigen Turnier noch vor Schweden und Tschechien.
Damit kann sich Deutschland Hoffnungen auf die Teilnahme am World Cup of Hockey 2028 machen. Deutschland gehört einfach zu so einem Top-Turnier dazu, und es wäre extrem cool, wenn das dann auch so wäre. Dort hätte man die Chance nach ein paar Spielen zusammen bei Olympia, sich eingespielter zu zeigen.
Zunächst richtet sich der Blick allerdings auf die nächste Weltmeisterschaft im Mai in der Schweiz. Dort ist Deutschland nun gefordert, einiges wiedergutzumachen, auch weil die Qualifikation für das Viertelfinale im Vorjahr erstmals nach einigen Erfolgsjahren nicht geklappt hatte. Für die Spieler ist es natürlich immer schwer, sich nach einer langen Saison noch einmal zu motivieren, aber ich denke, Harold Kreis sollte keine Schwierigkeiten haben, einen Kader mit entsprechender Unterstützung aus Nordamerika zusammenzustellen. Und die gesammelten Erfahrungen von Olympia sollten sich ebenfalls auszahlen.
Nach drei Wochen Pause nimmt die NHL den Spielbetrieb wieder auf. Man darf gespannt sein, wie die Mannschaften wieder in ihren Rhythmus finden. Sicher wird es die eine oder andere Überraschung geben. Ich hoffe sehr, dass die New York Islanders positiv durchstarten können, da nur zwei ihrer Spieler bei Olympia im Einsatz waren. Am Wochenende mussten wir allerdings das Training zweimal ausfallen lassen, da ein Wintersturm 40 cm Neuschnee brachte und niemand zur Eishalle kommen konnte. Genießt also in Deutschland das warme Wetter und freut euch auf weiteren tollen und spannenden Sport in den nächsten Wochen und Monaten!
Bis demnächst! Euer Dennis





















