David-Reinbacher

NHL.com/de präsentiert in der Serie Draft Watch 2023 die neuesten Nachrichten über den nächsten Draft-Jahrgang. In dieser Ausgabe: Verteidiger spielen sich ins Rampenlicht.

Der NHL Draft 2023 folgt dem Trend der vergangenen Jahre hin zu schnellen und oft eher kleinen Stürmern, wie schon der Blick auf den Spitzenkandidaten Connor Bedard (1,78 Meter, 84 Kilogramm) zeigt. Der gesamte Jahrgang war von Beginn an von Angreifern dominiert und Verteidiger waren in der Diskussion um die Draftanwärter lange nebensächlich.
In den vergangenen Wochen spielten sich die besten Abwehrspieler aber immer mehr in den Fokus von Scouts und Experten. Mit den ersten Picks werden voraussichtlich nach wie vor Bedard und weitere Stürmer wie Adam Fantilli, Leo Carlsson und Matvei Michkov gewählt werden, doch einige Verteidiger haben genug Aufmerksamkeit erregt, um früher gedraftet zu werden, als noch vor wenigen Monaten angenommen.
An der Spitze der Defensivgruppe findet ein Duell um den Titel des besten Verteidigers des Jahrgangs statt, das auf den ersten Blick vielleicht überraschend scheint. Neben dem Schweden Axel Sandin Pellikka ist mit David Reinbacher ausgerechnet ein Österreicher eine Option für den ersten Draft Pick, der an einen Verteidiger geht.

David Reinbacher

Beide Abwehrspieler sind bereits in Profiligen auf Spitzenniveau aktiv. Sandin Pellikka spielt in der schwedischen SHL für Skelleftea AIK, Reinbacher in der Schweizer National League für den EHC Kloten, dem er eine Saison zuvor zum Aufstieg verholfen hatte. Während er bereits sein zweites Jahr bei den Profis erlebt, erspielte sich sein schwedischer Kollege erst im Laufe der Saison seine ersten Einsätze außerhalb des Nachwuchsbereichs. Für die U20 von Skelleftea erzielte er in 23 Spielen stolze 29 Punkte (15 Tore, 14 Assists). In der SHL folgten in 22 Spielen bisher fünf Punkte (2 Tore, 3 Assists). Seine Eiszeit hält sich mit durchschnittlich 8:34 Minuten pro Spiel noch in Grenzen, dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die SHL die wohl beste Liga Europas ist.

Sandin Pellikka kneel

Reinbacher bekommt deutlich mehr Chancen, sein Können zur Schau zu stellen. Er steht 18:34 Minuten pro Spiel auf dem Eis und nutzt diese Gelegenheiten ausgiebig, um die Scouts immer mehr von sich zu überzeugen. In 42 Spielen gelangen ihm 22 Punkte (3 Tore, 19 Assists) und eine Plus-Minus-Bilanz von +9. Gegenüber der Konkurrenz aus Schweden hat er außerdem körperliche Vorteile. Sandin Pellikka ist 1,80 Meter groß und 79 Kilogramm schwer, Reinbacher überragt ihn mit 1,89 Meter und 85 Kilogramm deutlich. Das könnte dem Österreicher den entscheidenden Vorteil verschaffen, wenn sich Teams im Draft nicht zwischen den beiden Spitzenverteidigern entscheiden können. Wer sich in diesem Duell durchsetzt, dürfte der erste Verteidiger sein, dessen Name im NHL Draft 2023 aufgerufen wird. Für Österreich könnte das den dritten Top-10-Pick in vier Jahren bedeuten.
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Die beiden Talente aus Österreich und Schweden sind aber nicht die einzigen vielversprechenden Verteidiger. Vor allem in Europa drängen sich immer mehr Abwehrspieler in den Mittelpunkt. Die traditionell defensivstarken Schweden schicken mit Theo Lindstein und Tom Willander zwei weitere Kandidaten für die erste Runde ins Rennen. Lindstein bestritt bereits 25 SHL-Spiele für Brynäs und erzielte dabei ein Tor und einen Assist. Wallinder ist hauptsächlich für die U20 von Rögle im Einsatz, trat aber auch schon zwei Mal in der SHL an.
In Russland verdienten sich Dmitriy Simashev und Mikhail Gulyayev bereits Einsätze in der KHL. Während Simashev in 18 Spielen für Lokomotiv Yaroslavl noch auf seinen ersten Punkt wartet, durfte Gulyayev bei Avangard Omsk schon seinen ersten Assist feiern. Simashev überzeugt allerdings mit einer beeindruckenden Statur von 1,93 Meter und 89 Kilogramm.
Noch mächtiger wirkt der Tscheche Jakub Dvorak. Er überragt Simashev nochmal um drei Zentimeter und hat kein Problem damit, seinen Körper effektiv einzusetzen, um in der tschechischen Extraliga mit erfahrenen Profis mitzuhalten. In 24 Spielen gelangen ihm zwei Assists.
Auf der anderen Seite des Atlantiks steht ein kanadisches Duo an der Spitze der Verteidiger. Lukas Dragicevic überzeugt in der Western Hockey League für die Tri-City Americans vor allem durch seine offensive Durchschlagskraft. Mit 63 Punkten (14 Tore, 49 Assists) ist er der zweitbeste Verteidiger der Liga. Oliver Bonk liegt in der Ontario Hockey League mit 33 Punkten (10 Tore, 23 Assists) an der Spitze der Rookie-Verteidiger. Beide haben realistische Chancen, gemeinsam mit ihren europäischen Kollegen dafür zu sorgen, dass in der ersten Runde des Draft deutlich mehr Abwehrspieler gewählt werden, als ursprünglich angenommen.