Aebischer Blog 4 12

David Aebischer war ein Pionier für das Schweizer Eishockey. Er war der Erste seines Landes, der sich in der NHL durchsetzen und im Jahr 2001 mit der Colorado Avalanche als Backup-Torhüter von Patrick Roy den Stanley Cup gewinnen konnte. Der heutige Torhüter-Trainer und Assistenz-GM beim HC Fribourg-Gottéron wird in einer regelmäßigen Kolumne exklusiv für NHL.com/de seine Ansichten zu Teams, Spielern und brennenden Fragen teilen.

Hier die siebte Ausgabe 2022/23:
Die reguläre Saison neigt sich dem Ende entgegen und das Teilnehmerfeld für die Stanley Cup Playoffs ist bis auf eine fehlende Mannschaft in der Eastern Conference komplett. Die New York Islanders können den Einzug am Mittwoch mit einem Sieg gegen die Montreal Canadiens perfekt machen. Das würde das Aus für die Pittsburgh Penguins bedeuten. Womit wir schon bei meinen Enttäuschungen in dieser Saison wären.
Für die Penguins lief die Saison alles andere als gut und ein Verpassen der Playoffs wäre möglicherweise ein Fingerzeig für die Zukunft des Franchise. Zu meiner Liste gehören außerdem die Calgary Flames, die in der Western Conference den Einzug verpasst haben. Aus Schweizer Sicht muss man sagen, dass es sehr schade ist, dass die Nashville Predators wieder einmal zuschauen müssen. Das Management hat sehr früh die Reißleine gezogen und wichtige Spieler abgegeben, sonst hätte es vielleicht noch reichen können. Aber das Verletzungspech war in Nashville sehr groß. Zuletzt hatte es ja auch Roman Josi erwischt. Nicht unbedingt zu erwarten war, dass der Rebuild bei den Montreal Canadiens länger dauern wird als angedacht, nachdem sie weiterhin in der unteren Tabellenhälfte angesiedelt sind und schon frühzeitig abgeschlagen waren.
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Die Boston Bruins sind sicher der haushohe Favorit auf den Stanley Cup, wenn man ihre jetzt kürzlich aufgestellten Rekorde von 63 Siegen und 133 Punkten in einer Saison anschaut. Dieser Rekord ist eigentlich mit dem der Canadiens aus der Saison 1976/77 nicht direkt vergleichbar, weil man heute durch Verlängerung und Shootout mehr Möglichkeiten hat, den zweiten Punkt zu holen. Aber, dass es seit dem neuen Format noch keiner zuvor geschafft hat, die Marke zu knacken, zeigt wie besonders das Erreichte ist.
Der Gewinn des Stanley Cup wird nur über Boston gehen. Doch die Geschichte hat uns gezeigt, dass es keine Selbstverständlichkeiten gibt und es gefährlich ist, erst recht in der ersten Runde. Aber wenn ich mein Geld auf ein Team setzen müsste, würde ich es sehr wahrscheinlich auf die Bruins tun. Sie haben eine beeindruckende Tiefe im Kader und zwei starke Torhüter. Dieses Team findet einfach Wege, um zu gewinnen. Das ist sehr beeindruckend.

EDM@SJS: McDavid schließt zum 150. Punkt ab

Beeindrucken konnten zuletzt auch die Edmonton Oilers, die in ihren 14 Spielen nach dem 11. März 13-mal gewinnen und immer punkten konnten (13-0-1). Sie werden also nahezu perfekt in die Playoffs starten. Mit Connor McDavid und Leon Draisaitl haben sie zwei Spieler mit ordentlich Firepower, die reifer geworden und in ihrem besten Alter sind. Der Kader um sie herum, insbesondere in der Verteidigung, wurde entsprechend verbessert. Sie haben die besten Chancen im Westen weit zu kommen, wie auch die Colorado Avalanche, die trotz der bitteren Ausfälle von Cale Makar und weiterhin Gabriel Landeskog zuletzt gezeigt haben, warum sie der Titelverteidiger sind.

COL@LAK: Malgin schießt zwei Tore

Erfreulich aus der Sicht der Schweizer ist, dass Denis Malgin bei den Avalanche das Toreschießen wiederentdeckt hat. Er hatte etwas Anfangsschwierigkeiten, aber jetzt sieht es so aus, als ob er seinen Platz im Lineup gefunden hat. Ich mag es ihm gönnen, dass es für ihn läuft. Die Avalanche sind sicher im Mix für den Titel, aber etwas weniger Favorit, als es im Jahr zuvor der Fall war. Sie müssen allerdings erst einmal geschlagen werden.
Die NHL hat am Dienstag bekannt gegeben, dass es im September zwei Spiele der NHL Global Series in Melbourne, Australien geben wird, bei denen die Los Angeles Kings und die Arizona Coyotes zu zwei Vorbereitungsspielen aufeinandertreffen. Das war sehr überraschend und kein Aprilscherz. Es sollen neue Märkte eröffnet werden und Australien ist sicher ein sehr spezieller Markt für Eishockey. Aber die NHL weiß genau, was sie tut und wird ihre Gründe haben.
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Ich hoffe natürlich, dass bei den weiteren Planungen endlich ein Regular-Season-Spiel in der Schweiz vorkommt. Wir haben in den letzten Jahren mit den neuen Hallen in Zürich, Freiburg und Lausanne in der Infrastruktur hervorragende Voraussetzungen geschaffen und es wäre im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2024 in unserem Land eine gute Werbung für unseren Sport.
Jetzt heißt es aber erst einmal den Fokus auf die Stanley Cup Playoffs zu legen. Es wird eine spannende Zeit mit tollen Spielen, auf die ich mich sehr freue.