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Für die Boston Bruins sind die Stanley Cup Playoffs 2026 beendet. In Spiel 6 der Ersten Runde erlebte Boston eine 1:4-Heimniederlage gegen die Buffalo Sabres und verlor damit auch die Best-of-7-Serie mit 2:4.

„Wir sind nie wirklich in den Fluss gekommen, und Buffalo hat solide gespielt“, fasste es der deutsche Bruins-Trainer Marco Sturm zusammen. „So läuft es manchmal eben, aber es liegt nicht daran, dass wir uns nicht genug Mühe gegeben hätten. Es liegt auch nicht an der Einstellung. Diese Jungs geben alles, das kann ich versichern. Wir sind aus gutem Grund hier. Wir haben eine verdammt gute Saison gespielt, weil wir in dieser Mannschaft so viel Charakter haben, und leider hat es am Ende nicht ganz gereicht.“

Alle wichtigen Szenen aus dem Spiel zwischen den Montreal Canadiens und den Tampa Bay Lightning

Boston (45-27-10; 100 Punkte) hatte sich für viele überraschend und dank eines neuen Defensiv-Systems unter Sturm über den ersten Wildcard-Platz in der Eastern Conference für die Playoffs qualifizieren können. Der offensivstarke Atlantic-Division-Primus Buffalo (50-23-9; 109 Punkte) erwies sich aber als eine Nummer zu groß.

Die Gründe für das Aus

Insbesondere die Heimschwäche brach den Bruins das Genick: Alle drei Playoff-Partien auf heimischem Eis im TD Garden gingen verloren (1:3, 1:6, 1:4). Ein Torverhältnis von 3:13 vor eigenem Publikum zeugte davon, dass das eigene Defensivsystem ausgerechnet zu Hause nicht aufging, während die Offensive harmlos blieb. In der gesamten Serie lag Boston nur 7:32 Minuten auf Heim-Eis in Führung. Das ist insbesondere deshalb unerklärlich, weil die Bruins in der regulären Saison mit einer 29-11-1-Bilanz und 59 Punkten das zweitbeste Heim-Team der gesamten NHL waren.

„Das ist nicht akzeptabel“, stellte Abwehrchef Charlie McAvoy klar. „Ich weiß nicht genau, woran das liegt. Wir können über ein wichtiges Spiel sprechen und wie sehr wir uns darauf freuen, aber aus irgendeinem Grund waren wir in dieser Saison zu Hause überragend, aber genau dann nicht, wenn es am meisten gezählt hat. Ich weiß nicht, ob es an der Reife liegt. Wir waren einfach noch nicht bereit, ins Detail zu gehen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber sie waren uns alle drei Male (im TD Garden) einen Schritt voraus.“

Ein weiterer Knackpunkt war, dass das Defensivsystem gegen die Sabres nur in zwei von sechs Spielen anschlagen sollte. Mit durchschnittlich 3,33 Gegentoren/Spiel (12.) kassierte Boston einfach zu viele Gegentore. 15 Gegentore bei 5-gegen-5 (14.) sprechen eine deutliche Sprache. Zudem wurde der grundsolide Torwart Jeremy Swayman (2,91 Gegentore/Spiel, 90,6 Prozent Fangquote) zu wenig entlastet (31,7 gegnerische Torschüsse/Spiel, 14.). Mit 123 Strafminuten waren die Bruins das undisziplinierteste Team, hatte mit 95,8 Prozent im Penalty Killing aber auch das beste Unterzahlspiel. Das heißt: Die Verteidigung schwächelte bei Gleichzahl.

Als in diesen Momenten die Offensive einspringen musste, kam zu wenig dabei herum. Gerade einmal 2,0 Tore/Spiel (13.), 25,2 Torschüsse/Spiel (15.) und ein Powerplay mit 12,5 Prozent (11.) waren keine wirkliche Hilfe. 

Boston gelang kein einziges Verteidiger-Tor (0-8-8). Nur neun Stürmer tauchten auf dem Scoreboard auf. Die Leistungsträger David Pastrnak (3-4-7, 1 GWG) und Morgan Geekie (2-2-4) lieferten ab, dahinter aber fehlte es an Secondary Scoring. Pavel Zacha (1-2-3; 1 GWG), Elias Lindholm (2-0-2) und Casey Mittelstadt (0-2-2) blieben hinter den Erwartungen zurück. Viktor Arvidsson (2-0-2) verletzte sich in Spiel 4. Abwehr-Kante Nikita Zadorov spielte trotz eines Innenbandrisses im Knie alle sechs Partien.

BUF@BOS, Sp6: Pastrnak bringt Bruins im 2. Drittel aufs Scoreboard

Was für die Zukunft optimistisch stimmt

Die Erfolgsgeschichte von Marco Sturm! Als erster deutscher NHL-Trainer trat der 47-jährige Dingolfinger eine schwierige Mission mit einer Mannschaft an, die eigentlich vor einem Rebuild oder zumindest einem Retool stand. Der neue Headcoach aber verordnete seinem Team ein neues Defensivsystem und beschwor die Rückkehr zu altbekannten und gefürchteten Bruins-Tugenden. Mit Erfolg: Boston qualifizierte sich für die Playoffs und war ein unbequemer Gegner. Wenn Sturm nach einem auch für ihn sehr lehrreichen Jahr diesen Weg konsequent weitergeht, muss den Bruins weder angst noch bange sein.

Mit James Hagens (19) gab ein vielversprechendes Talent (NHL Draft 2025, 1. Runde, 7. Stelle) in dieser Saison sein AHL- (sechs Spiele, 1-3-4), NHL- (zwei Spiele, 0-1-1) und Stanley Cup Playoff-Debüt (drei Spiele, 0-0-0). Der 1,80 Meter große Zwei-Wege-Stürmer bringt schnelle Füße und einen klugen Kopf mit und dürfte im Training Camp 2026 gute Karten für einen Kaderplatz bei den Bruins haben.

Mit den Angreifern Fraser Minten (21; 82 Spiele, 17-18-35) und Marat Khusnutdinov (23; 77 Spiele, 15-18-33) spielten sich zwei weitere Talente in der NHL fest, blieben aber genauso wie Hagens in den Playoffs komplett punktlos. Für Matthew Poitras (22) war die vergangene Saison eher ein Rückschritt (drei NHL-Spiele, 1-0-1; 69 AHL-Spiele, 13-31-44), doch hat der Spielmacher sicherlich noch weiteres Entwicklungspotenzial in sich.

BOS@WSH: Minten überwindet Thompson in der neunten Runde des Penaltyschießens

Mit den beiden wuchtigen Centern Dean Letourneau (20; 2,0 Meter, 104 Kilogramm; Draft 2024, 1. Runde, 25. Stelle) und William Moore (19; 1,90 Meter, 84 Kilogramm; Draft 2025, 2. Runde, 51. Stelle) näherten sich zwei früh-gedraftete Talente am Boston College in der NCAA dem Profi-Eishockey an.

Weitere Top-Talente werden hinzukommen: Im bevorstehenden NHL Draft 2026 dürfen die Bruins zweimal in der 1. Runde ziehen.

Reichel hofft auf einen NHL-Vertrag

Hinter Lukas Reichel liegt eine Saison wie eine Achterbahnfahrt. Der 23-jährige Stürmer aus Nürnberg trug aufgrund von zwei Trades und zwei Verschiebungen innerhalb einer Organisation das Trikot von fünf (!) unterschiedlichen Teams: Chicago Blackhawks (fünf Spiele, 2-2-4), Vancouver Canucks (14 NHL-Spiele, 0-1-1), Abbotsford Canucks (23 AHL-Spiele, 6-7-13), Boston Bruins (zehn NHL-Spiele, 1-2-3) und Providence Bruins (vier AHL-Spiele, 1-5-6). Auch gab er sein Debüt in den Stanley Cup Playoffs, kam dort für Boston aber nur einmal zum Einsatz (0-0-0). 

Der Vertrag des pfeilschnellen Linksschützen läuft aus, er wird zum Restricted Free Agent und hofft auf einen neuen NHL-Vertrag. Zusätzliche Werbung dafür dürfte Reichel bei den Olympischen Spielen Milano Cortina 2026 betrieben haben, als er für Deutschland in fünf Olympia-Spielen drei Scorerpunkte (2-1-3) sammelte.

Ob General Manager Don Sweeney den 1,83-Meter-Mann mit einem neuen Vertrag ausstattet, bleibt abzuwarten. Sturm schätzte Reichel als Spielertypen, doch ist dessen Konstanz das große Fragezeichen.

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