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Am letzten Spieltag vor der Pause über die Weihnachtsfeiertage stand Connor Bedard trotz einer bitteren Niederlage seiner Chicago Blackhawks im Mittelpunkt. Den St. Louis Blues gelang gegen Chicago im heimischen Enterprise Center nach einem 2:5-Rückstand ein beeindruckendes Comeback im letzten Drittel, was in einem 7:5-Sieg mündete. Das Thema des Spiels aber war Bedards Lacross-Tor. Der außergewöhnliche Treffer gelang ihm vor prominentem Publikum, denn kein Geringerer als Wayne Gretzky war im Stadion und bestaunte das Kunststück.

„Es macht wirklich Spaß, ihm zuzuschauen und er ist, glaube ich, noch besser, als wir alle erwartet hatten“, schwärmte Gretzky vor der Kamera von Bally Sports Midwest. „Er ist ein Botschafter für den Sport auf dem Eis und verhält sich für einen 18-Jährigen auch abseits der Eisfläche beeindruckend. Ich freue mich für ihn. Mit Luke Richardson hat er auch den richtigen Trainer und die richtige Organisation hinter sich stehen.“

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Bedard beeindruckt einmal mehr

Die Blues kamen gut ins Spiel und gingen schnell in Führung, als Robert Thomas nach 3:04 Minuten einen Konter mit einem Handgelenkschuss verwertete. Das ließ Bedard aber nicht lange auf sich sitzen und antwortete bereits 45 Sekunden später. Der Schweizer Philipp Kurashev spielte den Rookie hinter dem Tor der Blues an und Bedard überraschte Verteidiger und Torhüter, indem er hinter dem Tor den Puck auf die Schlägerschaufel nahm und um den Pfosten herum ins Kreuzeck hob.

„Das war natürlich cool“, staunte Chicagos Stürmer Taylor Raddysh. „Er ist ein sehr talentierter Spieler. Das war überraschend, aber von ihm muss man jederzeit alles erwarten. Er kann sowas und das war ein grandioses Tor.“

Der erste Pick im NHL Draft 2023 startete nach Vergleichen mit Sidney Crosby und Connor McDavid mit hohem Erwartungsdruck in die Saison und konnte diese Ansprüche bisher erfüllen und teilweise sogar übertreffen. Allein in den vergangenen vier Spielen gelangen ihm sechs Punkte (1 Tor, 5 Assists). Angesichts seiner bisherigen Leistungen sollte es tatsächlich keine Überraschung sein, dass er sich mit einem Highlight in die Feiertage verabschiedet.

„Das war eine Aktion, die viel Talent erfordert und uns, glaube ich, alle geschockt hat“, gab Thomas zu. „So eine Aktion lässt sich nur schwer stoppen und erfordert in dieser Geschwindigkeit eine Menge Können.“

Im Vorfeld und zu Beginn der Saison war vielleicht noch fraglich, ob Bedard dem Hype gerecht werden könnte, doch mittlerweile sind alle Zweifel ausgeräumt. Er spielt in einer anderen Klasse als die restlichen Rookies. Der Österreicher Marco Rossi (Minnesota Wild) ist mit 21 Punkten und elf Toren der beste Rookie-Scorer und -Torschütze hinter Bedard. Der Spitzenreiter bringt es auf 30 Punkte und dank seines jüngsten Kunststücks auf 13 Tore.

„Ich hätte nicht geschafft, was er heute gemacht hat“, versicherte Gretzky. „Das war einfach nicht in meinem Repertoire. Hullie (Brett Hull) konnte sowas. Ich konnte nie, was Bedard heute gezeigt hat. Meine Tochter Emma saß neben mir und fragte mich: ‚Dad, hast du sowas je gemacht?' Ich habe gesagt: ‚Nein, das konnte ich nie.'“

Chicago stellt St. Louis vor Probleme

Es sah lange so aus, als könnten die Blackhawks, die mit 21 Punkten den vorletzten Platz der NHL belegen, ein Erfolgserlebnis mit in die Feiertage nehmen. Angetrieben von Bedards Treffer lieferten sie ein gutes Spiel ab und zeigten sich torgefährlich. Anthony Beauvillier sorgte nur 23 Sekunden nach dem Ausgleich für die Führung. Im zweiten Drittel dauerte es nur 20 Sekunden, bis Kurashev mit seinem zweiten Assist des Spiels das 3:1 von Nick Foligno vorbereitete. Colton Parayko traf zwar in der 34. Minute für die Blues, aber Jason Dickinson (36.) stellte den Abstand noch vor der zweiten Drittelpause wieder her.

Undisziplinierte Blackhawks zahlen Lehrgeld

Im Schlussabschnitt machten sich die Gäste dann selbst das Leben unnötig schwer. Louis Crevier musste in der 45. Minute für zwei Minuten auf die Strafbank. Foligno überraschte zunächst noch mit dem 5:2 in Unterzahl (46.), doch noch vor Ablauf der Strafe bekam mit Connor Murphy schon Chicagos nächster Spieler zwei Minuten aufgebrummt. Diese Strafe nutzten die Blues dann auch, als Brandon Saad einen Pass von Kevin Hayes direkt ins Tor lenkte (48.).

Nach 50:13 Minuten musste zudem Chicagos Jarred Tinordi wegen Beinstellens gehen. Genau eine halbe Minute später fälschte Jake Neighbours einen Schuss von Justin Faulk zum Anschluss ab.

„Aus solchen Momenten müssen wir einfach lernen“, sagte Tinordi selbstkritisch. „Wir haben schon früher in der Saison solche Probleme gehabt. Wir haben zu viel zugelassen und erst dann gekämpft. Wir haben auch selbst schon aufgeholt und wir müssen lernen, wie man in diesen Situationen spielt, besonders auswärts. Sich einfach zurückzulehnen und abzuwarten ist glaube ich nie ein Erfolgsrezept.“

Blues vollenden starkes Comeback

Beflügelt von den beiden Powerplaytreffern, ließen die Blues ihre Gegner im dritten Drittel kaum noch mitspielen. 22:2 lautete das Torschussverhältnis in den letzten 20 Minuten. Jordan Kyrou nutzte den Schwung keine halbe Minute nach dem 4:5 zum Ausgleich (52.). Die drei Tore erzielte St. Louis mit drei aufeinanderfolgenden Torschüssen innerhalb von 3:13 Minuten.

„Ich denke, wir hatten gute Special Teams, haben im Powerplay getroffen und so das Momentum gewonnen“, erklärte Saad. „Dann haben wir weitergemacht und nochmal getroffen. Das Powerplay war heute unglaublich wichtig für unser Comeback.“

Die Führung gelang Faulk in der 58. Minute mit einem harmlos aussehenden Handgelenkschuss von der rechten Bande. Kyrou legte 61 Sekunden vor der Schlusssirene noch einen Empty-Netter nach.

„Da muss man einfach kämpfen und beißen, irgendwie einen Weg finden“, äußerte sich Faulk zur Aufholjagd. „Das war natürlich kein gutes Gefühl. Wir waren nicht mit dem Rückstand und uns selbst zufrieden, aber wir haben das Powerplay gekriegt und genutzt, als wir es brauchten. Das hat uns wieder Leben eingehaucht, das Momentum gegeben und dann hat es geklappt.“

Für St. Louis war es nach einer Serie von vier Niederlagen der vierte Sieg in fünf Spielen. Die Blues liegen in einem engen Feld nur einen Punkt hinter dem zweiten Wildcard-Platz der Western Conference. Zwischen Platz acht, also der zweiten Wildcard für die Stanley Cup Playoffs, und Platz 13 liegen nur sieben Punkte.

Nach den Feiertagen haben die Blues aber ein hartes Programm vor sich. Sie empfangen am 27. und 29. Dezember die Dallas Stars und Colorado Avalanche, welche die ersten beiden Plätze in der Central Division belegen.

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