Grubauer

Es war wahrlich nicht der Tag von Philipp Grubauer am Samstag im Rogers Place von Edmonton. Auf dem Programm stand Spiel 1 der zweiten Runde in den Stanley Cup Playoffs zwischen seinen Colorado Avalanche und den Dallas Stars.

Doch mehr noch als die 3:5-Auftaktniederlage in der Best-of-Seven-Serie schmerzte den deutschen Torhüter, dass er einerseits bei zehn Torschüssen drei Gegentore hinnehmen musste. Beides sind allerdings nur Momentaufnahmen. Anderseits zog sich Grubauer in der 24. Minute bei einem Save in Unterzahl nach einem Schuss von Denis Gusarov erneut eine Verletzung, wohl am linken Bein, zu. Er blieb nach der Rettungstat sofort bewegungslos auf dem Eis liegen und wurde erst nach gut einer Minute aufgerichtet, verließ dann das Eis aufgestützt auf zwei Betreuer und unter Entlastung seines linken Beines.

Entsprechend der Regularien der NHL wird nicht bekanntgegeben, welche Art die Verletzung hat und wie lange Grubauer ausfallen wird. Es sah aber so aus, als ob es eine gewisse Zeit dauern könnte, ehe der Torhüter wieder ins Geschehen eingreifen wird können. Das ist die bittere Nachricht, die etwas länger vorhalten wird, als die Niederlage in Spiel 1.

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"Sie haben gesehen, was ich gesehen habe", erklärte Avalanche-Trainer Jared Bednar. "Er war in einer Position, wo er sich etwas gequetscht hat und war nicht in der Lage weiterzumachen. Das sind schon schlechte Nachrichten. Ich habe keine Ahnung, wie lange er ausfallen wird, aber ich erwarte nicht, dass er morgen schon wieder auf dem Eis stehen wird."

Auch in der regulären Saison war Grubauer zwei Mal längere Zeit außer Gefecht, zuletzt verletzte er sich am 15. Februar beim Spiel der NHL Stadium Series 2020 gegen die Los Angeles Kings und kehrte bis zur Saisonpause am 12. März nicht zurück. Sein Comeback feierte er erst in der Stanley Cup Qualifikation Anfang August.

Der Rosenheimer erreichte eine Bilanz von 5-0-1 mit einem Gegentorschnitt von 1,49 pro Spiel und 93,7 Prozent Fangquote in dieser Postseason. In 36 Spielen während der regulären Saison verbuchte er 18-12-4 mit einer GAA von 2,63 und 91,6 Prozent Fangquote. Er verpasste von Oktober bis März wegen Blessuren 20 Spiele.

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Nicht nur in dieser Zeit wurde er bestens vertreten durch Backup Pavel Francouz. Zwar konnte der Tscheche mit 18 Saves bei 20 Torschüssen die Niederlage in Spiel 1 nicht verhindern, zeigte aber mit gekonnten Saves erneut, dass auf ihn nicht nur Verlass ist, wenn er kalt in ein Spiel kommt.

"Natürlich macht es einen Unterschied, ob man ein Spiel beginnt oder dazwischen reinkommt", sagte Francouz. "Aber als Backup-Torhüter muss man jederzeit bereit sein und das ist genau der Grund, warum ich hier bin."

Für die Avalanche ist es gut, dass Francouz hier ist. In der regulären Saison war er der große Rückhalt, als Grubauer Mitte Februar in der Schlussphase ausfiel und führte Colorado in dieser Zeit mit einer Bilanz von 8-2-2 auf den zweiten Platz in der Western Conference.

"Die guten Nachrichten sind, dass Franky in dieser Saison wirklich gut für uns gespielt hat", betonte Bednar. "Er hat durch Verletzungen einen großen Teil der Saison gespielt und sein Spiel schafft für alle Vertrauen. Wir hoffen, dass wir Grubi bald gesund zurückbekommen, aber in der Zwischenzeit wird Franky seine Arbeit machen."

Das große Fragezeichen, mit dem sich verständlich niemand bei den Avalanche beschäftigen möchte ist, was passiert, wenn auch er sich verletzen würde. Es könnte die berechtigten Titelträume der Mannschaft aus Denver jäh beenden. Als bislang dritter Torhüter steht Michael Hutchinson im Aufgebot von Colorado, der über 129 NHL-Spiele verfügt, aber keine Playoff-Erfahrung besitzt und in 16 Einsätzen in dieser Saison auf eine Bilanz von 5-9-1 mit einer GAA von 3,49 und 88,8 Prozent Fangquote kommt.

"Das passiert, aber es geht darum, solche Dinge möglichst gut als Mannschaft zu kompensieren", verdeutliche Kapitän Gabriel Landeskog über Verletzungen im Team. "Jeder, der im Kader steht, ist aus einem guten Grund dabei. Wenn jemand ausfällt, dann ist ein Loch zu füllen und jeder muss mental bereit sein, das zu tun."

Neben Grubauer wirkte Verteidiger Erik Johnson angeschlagen, verließ mehrfach das Eis, nachdem er einen Zusammenprall mit Blake Comeau Mitte des ersten Drittels nicht gut verkraftet zu haben schien. Matt Calvert fiel für die erste Begegnung mit Dallas komplett aus und stand nicht im Kader.

Doch in Anlehnung an das, was Landeskog bemerkte, muss ein Team, das den Stanley Cup holen will, auch mit solchen Rückschlägen fertig werden. Wie gut das die Avalanche meistern werden, das wird sich bereits in Spiel 2 am Montag (9:45 p.m. ET; Di. 3.45 Uhr MESZ; NHL.tv) zeigen, wenn es darum gehen wird, den wichtigen Ausgleich in der Serie herzustellen.