Die Colorado Avalanche haben im Spitzenspiel der Central Division im American Airlines Center ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt. Mit einem 5:4-Erfolg nach Penaltyschießen beendete Colorado die franchiseweite Rekordserie der Dallas Stars von zehn Siegen in Folge.

Dabei musste das punktbeste Team der NHL allerdings bis zur letzten Sekunde kämpfen: Erst 14 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit gelang Valeri Nichushkin der Ausgleich zum 4:4, ehe Colorado im Shootout die Oberhand behielt.

Das Duell in Dallas hatte schon vor dem ersten Bully enorme Bedeutung. Beide Teams gehören zu den dominierenden Mannschaften der Western Conference, beide hatten kurz vor der Trade Deadline noch einmal personell nachgelegt – und nicht wenige Beobachter halten eine Neuauflage dieses Duells in den Playoffs für wahrscheinlich.

Mit dem Erfolg baute Colorado (93 Punkte) seine Führung im Westen aus, während Dallas (86 Zähler) trotz der Niederlage immerhin im elften Spiel in Serie punktete.

Ein Schlagabtausch auf höchstem Niveau

Von Beginn an entwickelte sich eine Partie mit Playoff-Charakter. Cale Makar brachte Colorado bereits nach gut drei Minuten im Powerplay mit 1:0 (4.) in Führung, doch Dallas reagierte prompt.

Zunächst glich Miro Heiskanen ebenfalls in Überzahl aus (8.), ehe Wyatt Johnston (11.) und Justin Hryckowian (17.) die Stars noch im ersten Drittel mit 3:1 in Führung brachten. Kurz vor der ersten Pause verkürzte Nathan MacKinnon wiederum im Powerplay auf 2:3 (20.) und hielt sein Team im Spiel.

Im zweiten Abschnitt erhöhte Jamie Benn früh auf 4:2 (22.) für Dallas, doch Colorado blieb hartnäckig. Martin Necas verkürzte auf 3:4 (29.) und leitete damit die Aufholjagd ein.

Je länger die Partie dauerte, desto intensiver wurde sie. Beide Teams spielten mit hohem Tempo, suchten konsequent den Weg zum Tor und lieferten sich körperbetonte Duelle. Besonders die Special Teams prägten den Spielverlauf – insgesamt drei Treffer fielen im Powerplay.

Colorado-Coach Jared Bednar sah genau dort einen entscheidenden Faktor: „Ich denke, wir haben am Anfang zu viele Fehler gemacht, die ihnen gefährliche Chancen ermöglicht haben. Aber im Laufe des Spiels wurden wir stabiler und offensiv gefährlicher. Das Powerplay erzielt zwei Tore, unser Penalty Killing übersteht im dritten Drittel wichtige Unterzahlsituationen – das macht über die lange Distanz den Unterschied.“

Nichushkin erzwingt die Verlängerung

Als Dallas im Schlussdrittel seinen Vorsprung verteidigte, schien vieles darauf hinzudeuten, dass die Stars ihre Siegesserie ausbauen würden. Doch Colorado setzte in den letzten Minuten alles auf eine Karte.

14 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit fiel schließlich der Ausgleich: Martin Necas legte mit einem Rückhandpass quer, Valeri Nichushkin verwandelte aus dem rechten Bullykreis zum 4:4 (60.). Es war eines von inzwischen 119 Ausgleichstoren in den letzten fünf Minuten der regulären Spielzeit in dieser NHL-Saison – so viele wie nie zuvor zu diesem Zeitpunkt einer Spielzeit.

COL@DAL: Nichushkin trifft 15 Sekunden vor dem Ende

Im anschließenden Penaltyschießen sorgten Necas und Nichushkin erneut für die entscheidenden Treffer, während Torhüter Scott Wedgewood die Versuche von Jason Robertson und Matt Duchene entschärfte.

Colorado-Star MacKinnon betonte anschließend die Bedeutung des Erfolgs: „Sie waren nur sechs Punkte hinter uns, jetzt sind es sieben. Das war riesig für uns. Wir wollen den Westen und unsere Division gewinnen und vielleicht in den gesamten Playoffs Heimrecht haben.“

Gleichzeitig zeigte er großen Respekt vor dem Gegner: „Es war schön, ihre Zehn-Spiele-Serie zu beenden, aber sie sind ein großartiges Team. Beide Seiten hatten Ausfälle, trotzdem war es ein extrem umkämpftes Spiel.“

Stars zeigen trotz Niederlage ihre Klasse

Trotz der knappen Niederlage unterstrich Dallas eindrucksvoll, warum die Mannschaft zu den heißesten Teams der Liga gehört. Die Stars hielten über weite Strecken mit dem Tabellenführer mit und führten lange Zeit verdient.

Stars-Trainer Glen Gulutzan sprach hinterher von einem echten Schwergewichtskampf: „Ich fand, das war ein Duell auf Augenhöhe. Sie haben großartige Spieler, wir auch. Sie sind das beste Team der Liga, und wir waren direkt mit ihnen im Schlagabtausch.“

Auch Dallas-Kapitän Benn sah in der Niederlage keinen Grund zur Sorge: „Zwei gute Teams, die hin und her spielen – genau das haben wir erwartet. Wenn man ihnen ein paar Chancen zu viel gibt, bestrafen sie das. Aber wir wissen, wer wir sind. Wir sind eine selbstbewusste Mannschaft.“

Verteidiger Heiskanen brachte es auf den Punkt: „Ein enges Spiel. Es hätte in beide Richtungen gehen können. Kleine Margen. Wir haben einen Punkt verloren – das ist natürlich enttäuschend.“

COL@DAL: Nichushkin, Necas und Wedgewood führen die Avalanche zum Sieg gegen die Stars

Stars und Avalanche rüsten für die Playoffs auf

Die Intensität des Spiels passt zu den Ambitionen beider Organisationen. Sowohl Colorado als auch Dallas nutzten die Tage vor der Trade Deadline, um ihre Kader gezielt zu verstärken.

Die Avalanche verpflichteten unter anderem den erfahrenen Stürmer Nazem Kadri sowie Nicolas Roy und Verteidiger Nick Blankenburg. Dallas reagierte seinerseits mit den Zugängen von Michael Bunting und dem routinierten Verteidiger Tyler Myers.

Solche Moves zeigen deutlich, wohin die Reise gehen soll: Beide Teams planen langfristig für einen tiefen Playoff-Run.

Das jüngste Duell könnte daher mehr gewesen sein als nur ein reguläres Saisonspiel. Die Kombination aus Tempo, Härte und individuellen Topspielern erinnerte bereits stark an Playoff-Eishockey.

Sollten sich die Avalanche und die Stars tatsächlich im Frühjahr erneut begegnen, dürfte diese Partie nur ein Vorgeschmack gewesen sein – auf eine Serie, die ebenso spektakulär wie eng werden könnte.

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