Flames94

Bevor die Preseason 2023/24 am 24. September beginnt, wirft NHL.com/de einen tiefgehenden Blick auf jedes Team.

Heute: Calgary Flames

Die Saison 2022/23 verlief für die Calgary Flames alles andere als wunschgemäß. Am Ende landete das Team mit einer Bilanz von 38-27-17 und 93 Punkten auf einem enttäuschenden fünften Platz in der Pacific Division. Die wenig überraschende Folge war, dass sich die Organisation kurz danach von ihrem Coach Darryl Sutter trennte, denn es hatte praktisch jeder Stürmer im Team an Produktivität eingebüßt. Vor allem Jonathan Huberdeau, der in seinem ersten Jahr nach seinem Wechsel von den Florida Panthers nach Alberta von 115 auf nur 55 Punkte (15 Tore, 40 Assists in 79 Spielen) regelrecht abstürzte, enttäuschte die in ihn gesetzten Hoffnungen.

Das Mindest-Ziel für die Saison 2023/24 lautet bei den Flames nach der großen Ernüchterung, eine erfolgreiche Rückkehr in die Stanley Cup Playoffs zu realisieren. Dabei soll auch Huberdeau, der noch einen langfristigen Vertrag in Calgary besitzt, eine entscheidende, eine wesentlich erfreulichere Rolle spielen. Auch MacKenzie Weegar, Nazem Kadri und Jacob Markstrom stehen noch längerfristig unter Vertrag, so dass der Kern der zuletzt gescheiterten Mannschaft die Trendwende bewerkstelligen soll.

Kadris Top-5-Tore der Saison 2022/23

Die Offeason verlief in Calgary relativ ruhig. Mit Yegor Sharangovich (zuletzt New Jersey Devils) und Jordan Oesterle (zuletzt Detroit Red Wings) wurden zwei Neuzugänge verpflichtet, die das Team auf Sicht verstärken sollen. Die Abgabenseite wurde angeführt von Tyler Toffoli (Devils), Milan Lucic (Boston Bruins), Troy Stecher (Arizona Coyotes) und Matthew Phillips (Washington Capitals).

Nach der in vielen Bereichen enttäuschenden Saison 2022/23 soll den Flames insbesondere der Trainerwechsel neuen Schwung verleihen. Die Verantwortlichen entschieden sich dafür, den langjährigen Assistenztrainer Ryan Huska zukünftig mit dem Posten des Hauptverantwortlichen hinter der Bande zu betrauen. Er hatte zuvor unter Sutter, Geoff Ward und Bill Peters in Calgary gearbeitet und spielte zudem in den 1990er Jahren zusammen mit Flames-Legende Jarome Iginla bei den Kamloops Blazers in der WHL. Er kennt die Organisation also bestens, was sicherlich kein Nachteil ist, wenn man gleichzeitig an so vielen Stellschrauben im Klub drehen soll, ohne dabei den Überblick zu verlieren.

Die Chancen auf eine Rückkehr in die K.o.-Runde stehen daher mit einem nur wenig veränderten Kader nicht schlecht, wenn es den etablierten Kräften wieder häufiger gelingen wird, das abzurufen, was sie in der Vergangenheit schon gezeigt haben. Huberdeau dürfte die besten Chancen haben, denn dass er eine weitere schwache Saison wie die vorherige spielt, erscheint unwahrscheinlich. Es wird am neuen Flames-Trainer Huska liegen, Huberdeau und seine Mitstreiter erfolgreich aus dem Leistungstief der vergangenen Monate zu führen.

Selbst wenn die Offensive der Flames nicht mehr so schlagkräftig sein mag wie in ihren Glanzzeiten, so verfügt sie weiterhin über einige beeindruckende Persönlichkeiten. Elias Lindholm ist ein starker Zwei-Wege-Center, der mit einem exzellenten Schuss ausgestattet ist. Kadri (24 Tore und 32 Assists in 82 Spielen, Plus/Minus-Wert -19)) hat im Flames-Trikot gleichfalls noch etwas zu beweisen, nachdem er in seiner ersten Saison in Calgary über weite Phasen einige Probleme offenbarte.

Lindholms Top-5-Tore der Saison 2022/23

Mikael Backlund gilt als ein Defensivstürmer mit Selke-Trophy-Qualitäten. Andrew Mangiapane, Dillon Dube und Blake Coleman sind allesamt etablierte Kräfte in der Liga, die sich an beiden Enden des Eises erfolgreich behaupten können. Neuzugang Sharangovich könnte sich auf Huberdeaus gegenüberliegendem Flügel ideal einfügen. Er ist ein stämmiger Flügelstürmer mit einem ausgezeichneten Schuss. Wenn er an seiner neuen Wirkungsstätte wie erhofft aufblüht, könnten die Flames mit ihm über eine weitere Top-Option im Sturm verfügen.

Eine mindestens ebenso wichtige Rolle auf dem Weg zurück zum Teamerfolg dürfte in Calgary dem Abwehrverbund zukommen. Weegar präsentierte sich zuletzt als eine verlässliche Größe in der Defensive und gilt daher als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Besetzung des Kapitänsamtes. Rasmus Andersson ist der andere offensichtliche Kandidat für das Amt. Er ist seit vielen Jahren bei den Flames und war einer der wenigen Spieler, deren Offensivleistung 2022/23 zu gefallen wusste. Mit Chris Tanev, Noah Hanfin , Nikita Zadorov und Oliver Kylington, der 2022/23 wegen einer Erkrankung komplett ausfiel, haben die Flames insgesamt eine gute Leistungsdichte und einige Alternativen in ihrer Abwehr.

Spannend wird es in der Saison 2023/24 auf der Torhüterposition. In den Spielzeiten 2019/20 und 2021/22 erzielte Stammkraft Jacob Markstrom jeweils eine starke Fangquote von 91,8 bzw. 92,2 Prozent. In den Spielzeiten 2020/21 und 2022/23 hingegen erreichte er lediglich Werte von 90,4 und 89,2 Prozent. Diese extremen Schwankungen erschweren es den Verantwortlichen sein Leistungsvermögen zu beurteilen.

Sein teaminterner Kontrahent Dan Vladar hat seine Zuverlässigkeit in der Liga schon unter Beweis gestellt, aber seine Fangquote lag in 2022/23 mit 89,5 nur geringfügig über der von Markstrom. Die Torhüter sollten sich also in der kommenden Saison deutlich steigern, wenn der Klub in der Tabelle wieder besser abschneiden will als zuletzt. Dass sie grundsätzlich beide das Zeug dazu haben, ist unbestritten. Es fehlt bisher nur an der gewünschten Konstanz.

Voraussichtliche Aufstellung

Jonathan Huberdeau - Elias Lindholm - Yegor Sharangovich
Dillon Dube - Nazem Kadri - Matt Coronato
Andrew Mangiapane - Mikael Backlund - Blake Coleman
Jakob Pelletier - Adam Ruzicka - Walker Duehr

Noah Hanifin - Rasmus Andersson
MacKenzie Weegar - Chris Tanev
Oliver Kylington - Nikita Zadorov

Jacob Markstrom
Daniel Vladar

Scratches: Dennis Gilbert - Dryden Hunt - Jordan Oesterle

Top-Talent, auf das man achten muss

Matt Coronato (RW)

Matt Coronato steht kurz vor seinem Durchbruch in der Liga. Der ehemalige Torjäger der Harvard University unterzeichnete im Frühjahr seinen Einstiegsvertrag bei den Flames und gab im Saisonfinale 2022/23 noch sein NHL-Debüt. Die Flames wählten Coronato ursprünglich als Nummer 13 im NHL Draft 2021 aus. Der junge Angreifer verfügt über einen furchteinflößenden Schuss und eine hohe Geschwindigkeit. Wenn alles gut läuft und Coronato sich im Trainingslager eine Rolle in der Mannschaft sichern kann, dürften wir ihn in der kommenden Spielzeit häufiger im Flames-Trikot jubeln sehen.

Die größte Frage der Flames

Wer wird die Mannschaft zukünftig als ihr Kapitän anführen?

Nach zwei Spielzeiten ohne einen offiziellen Kapitän haben die Flames deutlich gemacht, dass sie vor der Saison 2023/24 wieder einen Anführer des Kaders ernennen werden. Weegar und Andersson gelten im Vorfeld des Trainingscamps als die beiden aussichtsreichsten Kandidaten. Eine Alternative konnte Mikael Backlund, der dienstälteste Spieler der Flames, darstellen. Es wird spannend sein, wer der neue 'Chef' der Flames auf dem Eis werden wird.