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Als die letzten Sekunden von Spiel 6 des Stanley Cup Finales 2026 in der T-Mobile Arena in Las Vegas herunterliefen, konnte Rod Brind’Amour seine Emotionen nicht mehr verbergen. Auf der Bank der Carolina Hurricanes kämpfte der 55-Jährige mit den Tränen. Wenige Augenblicke später war die Geschichte perfekt: Mit einem 3:0-Sieg gegen die Vegas Golden Knights gewann Carolina den zweiten Stanley Cup der Franchise-Geschichte - exakt 20 Jahre nach dem ersten Triumph im Jahr 2006, als Brind’Amour die Mannschaft noch als Kapitän aufs Eis geführt hatte.

Nun gelang ihm das Kunststück erneut, diesmal als Carolinas Cheftrainer. Damit wurde Brind’Amour erst der vierte Mann in der NHL-Geschichte, der dieselbe Organisation sowohl als Kapitän als auch als Trainer zu einem Meistertitel führte. Als er die berühmte Trophäe auf dem Eis dann kurz darauf erleichtert in die Höhe stemmte, schloss sich ein Kreis, der sich über zwei Jahrzehnte erstreckte.

„Als Spieler wollte ich den Cup für mich selbst gewinnen. Ich hatte so hart dafür gearbeitet“, erklärte Brind’Amour später. „Jetzt kenne ich dieses Gefühl bereits. Deshalb wollte ich ihn für die Spieler gewinnen. Zu sehen, wie glücklich sie sind, ist unglaublich erfüllend.“

CAR@VGK: Countdown zu Carolinas Sieg

Der Architekt einer außergewöhnlichen Erfolgsära

Kaum jemand verkörpert die Hurricanes so sehr wie Brind’Amour. Seit 26 Jahren ist er untrennbar mit der Organisation verbunden - zunächst zehn Jahre als Spieler, anschließend in verschiedenen Funktionen im Klub, darunter acht Jahre als Cheftrainer.

Unter seiner Führung entwickelten sich die Hurricanes von einem talentierten Team zu einer der konstantesten Mannschaften der NHL. Carolina erreichte in jeder seiner acht Spielzeiten als Trainer die Stanley Cup Playoffs und etablierte sich mit aggressivem Forechecking, hoher Arbeitsmoral und klaren Strukturen als Spitzenteam.

Der frühere Hurricanes-Kapitän Eric Staal zeigte sich über den Erfolg seines ehemaligen Mitspielers nicht überrascht. Brind’Amour sei schon als Spieler eine außergewöhnliche Führungspersönlichkeit gewesen. Seine Mannschaften seien stets unangenehm zu bespielen, weil sie seinen Charakter widerspiegelten: kompromisslos, diszipliniert und unermüdlich.

General Manager Eric Tulsky brachte den Einfluss seines Trainers auf den Punkt: Brind’Amour inspiriere seine Spieler, bringe sie täglich dazu, ihr bestes Eishockey zu spielen, und verschaffe der Mannschaft einen Vorteil, der sich nicht in Statistiken messen lasse.

Hurricanes gewinnen Stanley Cup mit dominantem Spiel 6

Mutige Entscheidungen auf dem Weg zum Titel

Der Triumph kam jedoch nicht ohne schwierige Momente zustande. Eine der entscheidenden Szenen der Finalserie ereignete sich bereits in Spiel 3. Beim Stand von 0:4 nahm Brind’Amour Stammtorhüter Frederik Andersen aus dem Spiel und setzte auf Brandon Bussi, der zuvor jahrelang fernab des NHL-Rampenlichts um seine Chance gekämpft hatte.

Obwohl Carolina diese Partie nach einer spektakulären Aufholjagd noch in der Verlängerung verlor, veränderte der Torwartwechsel die Dynamik der Serie. Die Hurricanes gewannen anschließend die Spiele 4, 5 und 6, während Bussi im entscheidenden Duell in Las Vegas mit 22 Paraden seinen Kasten sauber hielt.

„Freddy hat gekämpft, aber er war nicht mehr bei hundert Prozent“, erklärte Brind’Amour. „So ist Eishockey. Es ist der ultimative Mannschaftssport.“

Die Zahlen unterstrichen die Dominanz der Hurricanes. Carolina verlor in den gesamten Playoffs lediglich drei Spiele und beendete die Endrunde mit einer Bilanz von 16:3 - einer der besten Leistungen der modernen NHL-Geschichte. Kapitän Jordan Staal wurde nach einer herausragenden Finalserie mit der Conn Smythe Trophy als wertvollster Spieler der Playoffs ausgezeichnet. All dies fällt letztendlich auch auf die Arbeit des Trainers zurück.​

In seinem 14. Jahr bei den Hurricanes wird der Hurricanes-Kapitän Playoff-MVP

Eine Meisterschaft für die Menschen hinter dem Erfolg

Besonders bewegend war für Brind’Amour die enge Verbindung zu seinen Spielern. Viele von ihnen hatten die schwierigen Jahre miterlebt, als Carolina mehrfach kurz vor dem großen Ziel gescheitert war. Niederlagen in den Eastern Conference Finals 2019, 2023 und 2025 hinterließen Spuren, stärkten aber zugleich den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft.

Jordan Martinook beschrieb Brind’Amour als den wichtigsten Grund, warum er dem Klub über Jahre treu geblieben sei. Der Trainer habe immer hinter seinen Spielern gestanden und ihnen das Gefühl gegeben, Teil von etwas Besonderem zu sein. Auch Andrei Svechnikov betonte, wie sehr sich die Mannschaft diesen Titel für ihren Coach gewünscht habe.

Mark Jankowski verriet, dass ein Foto von Brind’Amours Stanley-Cup-Triumph aus dem Jahr 2006 täglich in der Kabine hing. Es habe die Spieler ständig daran erinnert, was möglich sei. Als sie nun sahen, wie derselbe Mann den Pokal erneut in die Höhe stemmte - diesmal im Anzug statt in voller Ausrüstung -, wurde der Moment für viele emotional.

Der Coach selbst erklärte nach dem Triumph, warum dieser Erfolg für ihn eine besondere Bedeutung habe. Carolina sei seine Heimat geworden - beruflich wie privat. Die Beziehungen innerhalb der Organisation, die gemeinsame Geschichte und die jahrelange Arbeit hätten eine einzigartige Kultur geschaffen.

„Wir haben hier etwas ganz Besonderes aufgebaut“, sagte er. „Lange Zeit hat immer ein kleines Stück gefehlt. Jetzt haben wir es endlich geschafft.“

Zwanzig Jahre nach seinem ersten Stanley Cup als Kapitän steht Brind’Amour erneut auf dem Gipfel des Eishockeys. Diesmal nicht als Anführer auf dem Eis, sondern als Architekt einer Mannschaft, die seine Werte verkörpert. Für Carolina ist es der zweite Titel der Franchisegeschichte. Für Brind’Amour ist es die Vollendung einer außergewöhnlichen Reise.

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