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Erstmals überhaupt macht die NHL dieser Tage Station in Australien: Im Rahmen der NHL Global Series treffen sich die Los Angeles Kings und Arizona Coyotes am 23. und 24. September zu Vorbereitungsspielen in Melbourne. Bereits in den Wochen und Monaten zuvor erhielt ein deutscher Stürmer tiefe Einblicke in das australische Hockey: Artem Klein schnürte die Schlittschuhe für Melbourne Ice und teilte seine Erfahrungen exklusiv mit NHL.com/de.

Neues Abenteuer in Australien

Klein genoss seine Hockey-Ausbildung in Mannheim und Krefeld, spielte in Deutschland in den ersten vier Ligen und wagte in den letzten drei Jahren auch immer wieder den Sprung ins Ungewisse: Seiner Abenteuer- und Reiselust ist es zu verdanken, dass er unter anderem an der San Diego State University in Süd-Kalifornien, für die Bat Yam Dolphins in Israel und für den FC Barcelona in Spanien Eishockey spielte. Die jüngste Herausforderung führte den 29-jährigen Stürmer nach Australien, wo er von Mitte Mai bis Mitte August das Trikot von Melbourne Ice überstreifte. 

„Ich hatte das schon immer auf dem Schirm“, erzählt Klein. „Mein Kumpel Patrick Köpper und ich haben beim Verein angefragt und uns angeboten. Ich kannte Trainer Kerry Goulet, wir hatten sofort eine Verbindung.“

Also stürzte sich Klein in sein nächstes Abenteuer in Down Under. „Australien ist ein Reiseziel, das glaube ich jeder im Kopf hat. Es ist ein wunderschönes Land, das mich sehr gereizt hat. Sidney und Melbourne zählen zu den lebenswertesten Städten auf der Welt. Wir wollten über den Sport auch das Land erkunden. Man geht nicht wegen finanziellen Aspekten dorthin, mit Eishockey verdienst du dort entweder kaum oder gar kein Geld. Alle Spieler haben einen anderen Beruf. Entsprechend war es für uns eine Gelegenheit, diesen Kontinent zu bereisen, denn die langen Flugreisen waren sozusagen kostenlos. Wir waren überall in Australien unterwegs und konnten bei Auswärtsspielen immer ein paar Tage länger bleiben. Ich glaube, ich habe fast alles gesehen, was es zu sehen gab.“

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Insbesondere von Melbourne war Klein sehr angetan. „Es ist die Vielfalt, die Melbourne so besonders macht. Kulturell ist es sehr bunt, es gibt viele Museen, Ausstellungen und Restaurants aus jedem Land der Welt. An jedem Tag findet man etwas, was man noch nicht gesehen hat. Es gibt also viel zu entdecken, die Stadt liegt am Wasser, hat sehr schöne Parks und eine tolle Innenstadt. Die Menschen sind sehr euphorisch was Sport angeht.“

Knapp 3000 Kilometer zum Auswärtsspiel

Eishockey spielt in Australien eher eine untergeordnete Rolle. Die nationale Liga AIHL beinhaltet zehn Teams, die sich auf zwei Conferences aufteilen. So gibt es etwa je zwei Teams aus Sidney, zwei aus Melbourne und eines aus Perth, was eine Anreise von knapp 3000 Kilometern bedeutet. 

„Ich war überrascht: Die Eishockey-Gemeinschaft war sehr euphorisch und auch die Außendarstellung der Liga war professioneller, als ich es mir vorgestellt hätte. Sie hatten auch einen guten Livestream, wovon sich viele Teams in der DEL2 eine Scheibe abschneiden könnten. Alles war gut organisiert mit den vielen Flügen. Bei unseren Heimspielen waren immer etwa 600, 700 Zuschauer in der Halle, bei Derbys auch mal 2500.“

Obwohl Klein in 13 Spielen 31 Scorerpunkte (zehn Tore, 21 Assists) sammelte, scheiterte er mit Melbourne Ice an einer Playoff-Qualifikation.

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„Das australische Eishockey ist ein wenig mit dem in Spanien zu vergleichen. Auch ihre Nationalmannschaften sind auf einem ähnlichen Niveau. Verglichen mit Deutschland dürfte es sich auf Regionalliga-Niveau bewegen. Das Eishockey ist sehr offensiv, es sind immer viele Tore gefallen und es hat mir viel Spaß gemacht. Australien und Eishockey – das sind vielleicht zwei Gegensätze, die neu zusammenfinden werden.“ 

Klein hofft auf nachhaltigen NHL-Boost

Einen Beitrag hierfür möchte auch die NHL leisten, die am Samstag und Sonntag zwei Preseason-Spiele in Melbourne bestreiten wird: In der Rod Laver Arena – im Tennisstadion wurde extra für dieses Event Eis aufbereitet – treffen die Los Angeles Kings und Arizona Coyotes zweimal aufeinander. 

„Ich persönlich wollte sogar länger bleiben, doch es gab fast keine Tickets mehr“, sagt Klein, der seit September wieder zurück in Deutschland ist. „Ich persönlich bin seit ich klein bin Fan der Washington Capitals, drücke für diese Spiele aber den Coyotes die Daumen. Ich finde Arizonas Vibe richtig cool und würde es ihnen gönnen. Ich werde mir die Spiele auf jeden Fall anschauen und möchte sehen, wie die Stimmung ist.“

Die große Hoffnung: Australien infiziert sich mit dem Eishockey-Virus und wird sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln.

Kings, Coyotes treffen sich zur Global Series 2023

„Australian Football ist zwar die Sportart Nummer 1 in der Stadt, doch die Menschen wurden schon auf Hockey aufmerksam. Ich hatte mich in der Kabine mit den Jungs darüber unterhalten: Die australische Nationalmannschaft hat in den letzten Jahren darunter gelitten, dass wenige Leute Eishockey spielen. Somit wurde sie Jahr für Jahr schwächer, weil der Kern älter wird. Die NHL Global Series können einen Boost auslösen und mehr Aufmerksamkeit in der Bevölkerung schaffen. Wichtig ist, dass dieses Interesse auch nach diesem Event nachhaltig gefördert wird.“

Ein letztes Abenteuer?

Klein, der neben seinen Eishockey-Abenteuern BWL studiert, widmet sich bis zum Ende des Jahres seiner Master-Abschlussarbeit im Bereich Business Analytics. Danach möchte der Eishockey-Weltenbummler voll arbeiten, was das Ende seiner exotischen Abenteuer bedeuten könnte. Doch Klein wäre nicht Klein, wenn er noch ein letztes Projekt im Kopf hätte.

„Ich möchte mit einer coolen Erfahrung abschließen. Geplant ist schonmal ein Auslandssemester in Brasilien, das im Frühjahr beim Lateinamerika-Cup mitspielt. Das wäre wohl die exotischste Station von allen.“

Der 29-jährige Stürmer hofft auch, dass die NHL in Zukunft in nicht-traditionellen Hockey-Märkten Station macht, und hat direkt ein paar Ideen: „Spanien wäre cool, ich könnte mir vorstellen, dass man ein solches Event in Madrid sehr gut aufziehen kann. Südafrika würde mir auch gefallen: Ein NHL-Spiel in Kapstadt – das wäre doch was super Schönes…“

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