Das Beste der New York Islanders

Ab Mitte September beginnen in der NHL die Training Camps zur Vorbereitung auf die Saison 2022/23. Vom 1. August an nimmt NHL.com/de in der Serie 32 in 32 täglich ein Team der Liga genauer unter die Lupe. Die zweiteilige Bestandsaufnahme umfasst die wichtigsten personellen Veränderungen, die Schlüsselspieler, die Stärken und Schwächen sowie die Playoff-Chancen.

In dieser Ausgabe: New York Islanders
Die Islanders gehörten in der Vorsaison zu den großen Enttäuschungen der Liga. Nachdem Coach Barry Trotz, der in Diensten der Washington Capitals 2018 den Stanley Cup gewann, mit dem Team in seinen ersten drei Spielzeiten stets in den Stanley Cup Playoffs vertreten war, verpassten die New Yorker diese im Frühjahr. Nach dem Erreichen des Conference Finales 2020 und Stanley Cup Halbfinales 2021 zuvor, wo sie jeweils nur knapp mit 2:4 bzw. 3:4 gegen den jeweils späteren Stanley Cup Champions Tampa Bay Lightning unterlagen, war das Verpassen der Endrunde für die Islanders im April eine große Enttäuschung.
Diese wog umso schwerer, nachdem sie im Herbst 2021 nach langer Wartezeit endlich in die hochmoderne neue Halle, das UBS Center, umgezogen waren. Doch gerade darin bestand im Rückblick der Haken. Die Mannschaft begann die Runde unter erschwerten Bedingungen mit einem langen Roadtrip. Als die neue Arena im November dann endlich bezogen und mit den ersten Heimspielen der Saison in Betrieb genommen werden konnte, brachte diese lange Zeit kein Glück.
Es dauerte bis zum 12. Dezember, ehe die Islanders im achten Anlauf in der neuen Halle die New Jersey Devils mit 4:2 bezwingen konnten und nach einer sieben Spiele andauernden Niederlagenserie (0-5-2) die Fans dort erstmals jubeln konnten. Dies war die längste Negativ-Serie dieser Art in der Geschichte der NHL, die ein Team in einem neuen Zuhause jemals hinnehmen musste. Erst zu spät fand die Mannschaft zu einer Form, die ihr am Ende eine Playoff-Platzierung hätte einbringen können.
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Dass sich General Manager Lou Lamoriello nach der Hauptrunde zu einer Trennung von Trotz entschied, dessen bisherigen Assistenten Lane Lambert im Mai zum neuen Hauptverantwortlichen hinter der Bande beförderte, kam für viele überraschend.
Der erwartete Umbruch im Kader blieb über den Sommer aus, so dass Lambert mit einem nahezu unveränderten Team in die neue Spielzeit starten dürfte. Es liegt also an den Spielern zu beweisen, dass sie mehr drauf haben, als eine Saisonbilanz von 37-35-10, die sie mit 84 Punkten auf Rang fünf in der Metropolitan Division abschließen ließ.
Schlüsselspieler
Der Kader der Islanders startet, nachdem sich zuletzt Gerüchte über die angeblich bevorstehende Hinzunahme so prominenter UFAs wie Nazem Kadri (unterschrieb am 18. August bei den Calgary Flames) und Johnny Gaudreau (entschied sich am 14. Juli für die Columbus Blue Jackets) nicht bestätigten, nahezu unverändert in die neue Spielzeit.
Als prominentester Neuzugang gilt derzeit noch Alexander Romanov. Der 22-Jährige Abwehrspieler, der am 7. Juli von den Montreal Canadiens für einen Erstrunden-Pick (Nr. 13) im NHL Draft 2022 (Stürmer Frank Nazar) erworben wurde, erzielte in der vergangenen Saison in 79 Spielen 13 Punkte (drei Tore, zehn Assists). Romanov führte die Canadiens bei den geblockten Schüssen (144) und der Zeit auf dem Eis in Unterzahl (203:26 Minuten) an. Seine 227 Hits bedeuteten den sechsten Platz in der NHL auf seiner Position.
Wollen die Islanders zurück in die Playoffs, werden daher in erster Linie die Stürmer mehr liefern müssen. Zuletzt waren Brock Nelson und Mathew Barzal mit jeweils 59 Punkten die erfolgreichsten Scorer im Kader. Nelson hatte 37 Treffer vorzuweisen, Barzal deren 15. In Sachen Torgefahr konnte lediglich Anders Lee mit 28 Erfolgserlebnissen noch glänzen. Noah Dobson lieferte 38 Assists. Auf ihre Leistungen wird es ankommen, wollen die New Yorker in der Offensive für mehr Torgefahr sorgen.

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Stärken
Mit 237 Gegentreffern rangierten die Islanders im Vorjahr am Ende auf Rang zehn aller 32 Teams. In dieser Kategorie hätten sich also locker für die K.o.-Phase qualifiziert. Dies lag auch an einer überdurchschnittlichen Leistung im Tor. Ilya Sorokin rangierte in Sachen Fangquote mit 92,5 Prozent sogar auf Rang zwei in der Liga. Seine Ausbeute betrug am Ende der Hauptrunde 26 Siege bei 18 Niederlagen. Sieben Mal blieb er in 52 Saisoneinsätzen ohne Gegentor und durfte sich über einen Shutout freuen. Auch dies bedeutete für den Russen Platz zwei unter den Goalies. Kollege Semyon Varlamov lieferte ebenfalls solide Leistungen ab. Er verbuchte eine Fangquote von 91,1 Prozent, blieb zwei Mal ohne Gegentor. Allerdings konnte er nur zehn seiner 31 Spiele siegreich beenden.
Verbesserungspotenziale
Weniger beeindruckend zeigte sich die Offensive des Teams. Die 231 markierten Treffer langten lediglich zu Rang 24. Die Heimbilanz von 20-16-5 führte auf Platz 20, was in der Premierensaison in der neuen Arena eine bittere Enttäuschung darstellte. Gerade vor den Augen der eigenen Fans muss in Zukunft mehr kommen, wenn die Mannschaft wieder so schwer zu bezwingen sein soll, wie das zwischen den Jahren 2018 und 2021 der Fall war, als die New Yorker stets ein Schrecken der Liga waren.

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Spieler aus DACH
Aktuell sind keine Spieler aus dem DACH-Raum bei den Islanders aktiv.
Vielversprechende Talente
Verteidiger Robin Salo, der in der zweiten Runde (Nr. 46) des NHL Draft 2017 ausgewählt wurde, könnte mehr Eiszeit bekommen, nachdem er in der vergangenen Saison als Rookie in 21 Spielen fünf Punkte (ein Tor, vier Assists) erzielte. Salo hatte zudem 20 Punkte (vier Tore, 16 Assists) in 40 Spielen mit Bridgeport in der American Hockey League vorzuweisen.
Stürmer Aatu Raty, erzielte in der vergangenen Saison 40 Punkte (13 Tore, 27 Assists) in 41 Spielen für Jukurit in der Liiga, der höchsten finnischen Profiliga. Raty, ein Zweitrunden-Pick (Nr. 52) im NHL Draft 2021, hatte auch einen Assist in sechs Spielen für Karpat, bevor er zu Jukurit getradet wurde.
Der 20-jährige William Dufour unterschrieb am 21. April einen NHL-Einstiegsvertrag über drei Jahre, nachdem er in der Quebec Major Junior Hockey League die Torschützenliste (56) anführte und mit 116 Punkten an zweiter Stelle lag. Dufour wurde außerdem zum wertvollsten Spieler des Memorial Cups ernannt, nachdem er mit sieben Toren als bester Spieler des Turniers Saint John zum Gewinn der Meisterschaft verholfen hatte.
Zu beobachten sein wird auch Stürmer Simon Holmstrom, der in der ersten Runde (Nr. 23) des NHL Draft 2019 ausgewählt wurde. Er war in der vergangenen Saison in 68 Spielen für Bridgeport Zweiter bei den Assists (31) und Dritter bei den Punkten (43).
Playoff-Chancen
Die Islanders sind sportlich derzeit nur sehr schwer einzuschätzen. Dass der Kader grundsätzlich viel erreichen kann, hat er insbesondere in den Jahren 2020 und 2021 bewiesen, als erst kurz vor dem Stanley Cup Finale Schluss war. Vor diesem Hintergrund war die schwache Leistung der Vorsaison so nicht zu erwarten. Der im Oktober weitestgehend unverändert an den Start gehende Kader muss jetzt der Eishockeywelt zeigen, dass das nur ein negativer Ausrutscher war. Der Trainerwechsel von Trotz zu Lambert in dieser Offseason kann dabei ein wichtiger Impulsgeber sein. Ob dieser Effekt jedoch ausreicht, um das Team zu alter Leistungsstärke zu führen, bleibt vorerst noch abzuwarten.