Marchand Forsling look on

Der amtierende Stanley Cup Champion ist offiziell entthront - und das, obwohl die Stanley Cup Playoffs erst in zwei Wochen starten. Das Aus der Florida Panthers war freilich auch ein schleichender Prozess, das Ende aber kam mit einem Donnerschlag: Durch eine 4:9-Klatsche bei den Pittsburgh Penguins wurde die rechnerische Elimination besiegelt.

„Es ist uns entglitten“, sagte Panthers-Trainer Paul Maurice. „Ich meine, allein das hohe Tempo des Spiels war für uns eine große Herausforderung. Die Puckbewegung. Wir hatten also bei fast allen Pucks, die in unserem Tor landeten, den Puck berührt. Wir waren langsamer als sie. Das muss man ihnen zugestehen, sie waren schnell.“

Die Gründe für das Aus

Maurices Analyse der jüngsten Niederlage könnte auch auf die gesamte Saison projiziert werden. Denn Florida fehlte in den meisten Spielen das Tempo, der Rhythmus und die Griffigkeit, um mithalten zu können. Grund dafür war eine Flut an Verletzungen, die insbesondere auch die ultimativen Schlüsselspieler betraf: Kapitän Aleksander Barkov, einer der besten Zwei-Wege-Stürmer in der NHL und dreifacher Gewinner der Selke Trophy (bester Defensivstürmer des Jahres 2020/21, 2023/24, 2024/25), verletzte sich in der Vorbereitung schwer (Kreuzband- und Innenbandriss) und blieb ohne einen einzigen Einsatz. Power Forward und Aggressive Leader Matthew Tkachuk wurde auf 29 Spiele limitiert, Special-Teams-Experte Sam Reinhart auf 64, Routinier Brad Marchand auf 52. Die Stürmer Anton Lundell (64 Spiele), Eetu Luostarinen (67) und Tomas Nosek (16) sowie die Verteidiger Seth Jones (50) und Niko Mikkola (68) verpassten eine beträchtliche Anzahl an Spielen. Derzeit fehlen um die zehn Stammspieler und kein einziger Spieler im gesamten Panthers-Kader kam in jeder Partie zum Einsatz.

TOR@FLA: Marchand gelingt der erste Treffer

Hinzu kommt, dass Florida ohnehin schon müde sein musste: Drei Jahre in Folge erreichten die Panthers das Stanley Cup Finale. Sie hatten also drei Saisons in Folge das meiste Hockey gespielt. In konkreten Zahlen: Seit dem Beginn der Saison 2022/23 absolvierte Florida Stand heute 390 NHL-Spiele (322 Spiele der regulären Saison plus 68 Playoff-Partien) - ein irres Arbeitspensum, was die eklatante Schwächung durch die vielen Verletzten noch zusätzlich befeuerte. 

Entsprechend belegt das Team aus Sunrise in Sachen Offensive nur Rang 20 (2,91 Tore/Spiel) und war in der Defensive ungewohnt anfällig (3,37 Gegentore/Spiel, 28.). Hinzu kam ein schwächelndes Powerplay (19,7 Prozent, 20.) und ein ausbaufähiges Faceoff-Spiel (47 Prozent, 29.). Zwar fuhr Florida ligaweit die zweitmeisten Checks (1875 Hits), blockte gleichzeitig aber nur die zweitwenigsten Schüsse (908 Blocks). Als schwere Hypothek erwies sich die Ausbeute auf fremdem Eis: Mit einer 16-21-0-Bilanz und 32 Punkten waren die Panthers das drittschlechteste Auswärtsteam in der NHL.

Beim Blick auf die individuellen Spielerstatistiken fällt auf, dass nur Tkachuk (29 Spiele, 13-19-32; 1,1 Punkte/Partie) und Marchand (52 Spiele, 27-27-54; 1,04 Punkte/Partie) auf einen Punkteschnitt von über 1,0 kommen. Beide fielen Großteile der Saison verletzt aus. Von den insgesamt 33 eingesetzten Skatern erzielten nur fünf Spieler mehr als 33 Scorerpunkte: Reinhart (29-32-61), Sam Bennett (26-32-58), Marchand, Carter Verhaeghe (23-30-53) und Lundell (18-26-44). Nur vier Spieler erzielten mehr als 20 Saisontore: Reinhart (29), Marchand (27), Bennett (26) und Verhaeghe (23). Nur neun Spieler trafen zweistellig.

BOS@FLA: Bennett im ersten DDrittel

Was für die Zukunft optimistisch stimmt

Florida muss in dieser Saison nur 82 Spiele spielen und hat den ganzen Sommer Zeit, um gesund zu werden. Die überragende Infrastruktur bleib erhalten, genauso wie Maurice, der als einer der besten Trainer der Welt gilt.

General Manager Bill Zito hat Leistungsträger wie die Verteidiger Aaron Eklad (bis 2034), Gustav Forsling (bis 2032), Jones (bis 2030) und Mikkola (bis 2034) sowie die Stürmer Barkov (bis 2030), Bennett (bis 2033), Lundell (bis 2030), Marchand (bis 2031), Reinhart (bis 2032), Tkachuk (bis 2030) und Verhaeghe (bis 2033) langfristig unter Vertrag genommen. Der in den Jahren zuvor so erfolgreiche Kern bleibt also zusammen und dürfte zumindest noch in den nächsten zwei, drei Jahren ein solides Fundament bilden, um neue Angriffe auf den Stanley Cup zu starten. Spannend wird sein, ob Sergei Bobrovsky verlängert wird - der Torwart wird im September 38 Jahre alt und bereits im Sommer zum Unrestricted Free Agent.

Bobrovsky

Aus dem aktuellen Kader kommen Center Lundell (24) und Flügelspieler Mackie Samoskevich (23) erst noch ins beste Stürmeralter. 

Ansonsten fehlt es durch den Erfolg in den letzten Jahren sowohl an Qualität als auch Qualität im Talente-Bereich. Über das AHL-Farmteam empfahlen sich die Stürmer Ben Steeves (23), Jack Devine (22), Sandis Vilmanis (22) und Gracyn Sawchyn (21), die Maurice auf dem Radar haben dürfte. Gleiches gilt für den Torwart und 2,02-Meter-Hüne Cooper Black (24).

Im kommenden NHL Draft 2026 halten die Panthers wahrscheinlich einen hohen Erstrunden- und immerhin zwei Zweitrunden-Picks. Ihren an die Chicago Blackhawks transferierten Zug der 1. Runde verschiebt sich auf 2027, falls der Pick in den Top 10 ist, wonach es derzeit aussieht.

Die Saison 2025/26 dürfte in Sunrise ohnehin als Ausrutscher gewertet werden und keinen Rebuild zur Folge haben. So wie Zito Florida gebaut hat, ist es schier dazu verpflichtet, nächstes Jahr mit frischem Wind wieder um einen Stanley Cup zu spielen.

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