David Reinbacher 09222026

Für David Reinbacher ist dieser September ein besonders wichtiger. Der 21-jährige Österreicher kämpft bei den Montreal Canadiens derzeit um einen festen Platz im NHL-Kader. Nach zwei Jahren, die von Verletzungen und Rückschlägen geprägt waren, scheint er nun endlich die Gelegenheit zu bekommen, dauerhaft zu zeigen, was in ihm steckt.

An Selbstvertrauen mangelt es Reinbacher jedenfalls nicht. „Die letzten zwei Jahre waren schwierig“, räumte der Verteidiger zuletzt unumwunden ein. Aufgegeben habe er deshalb aber nie. „Ich habe nie aufgehört, an mich selbst zu glauben.“ Stattdessen habe er sich darauf konzentriert, „jeden Tag weiterzukämpfen und durch die Widrigkeiten hindurchzugehen“.

Diese Einstellung hat ihn durch eine schwierige Phase getragen. Jetzt ist Reinbacher wieder gesund und will die Preseason nutzen, um Zweifel sportlich zu beantworten. „Ich möchte einfach jeden Tag kämpfen und mich jeden Tag aufs Neue beweisen“, sagte er bereits vor dem Start der Vorbereitung.

Sein großes Ziel ist dabei vollkommen klar: „Am Ende des Tages will ich ins Team.“ Gleichzeitig versucht Reinbacher, nicht zu weit vorauszuschauen. Der nächste Einsatz, die nächste Trainingseinheit und die nächste Gelegenheit, sich zu präsentieren, stehen für ihn im Vordergrund.

Preseason Statistiken

Mehr Selbstvertrauen nach den ersten NHL-Spielen

Reinbacher geht dabei mit einem Erfahrungsschatz in das Camp, den er vor einem Jahr noch nicht hatte. Im April durfte er gegen die New York Islanders und die Detroit Red Wings erstmals NHL-Luft schnuppern. Bei seinem Debüt auf Long Island gelang ihm sogar ein Assist.

Diese beiden Spiele haben beim Österreicher Eindruck hinterlassen. „Man hat mehr Vertrauen in sich selbst und ein bisschen mehr Selbstbewusstsein“, erklärte er mit Blick auf seine ersten Erfahrungen in der NHL.

Auch die Unterschiede zum Eishockey in den unteren Ligen kennt Reinbacher inzwischen besser. „Das Spiel ist schneller, aber auch strukturierter“, sagte er. Gleichzeitig könne die höhere Qualität seiner Mitspieler manche Situationen sogar einfacher machen.

mtl reinbacher

An seinem eigenen Spiel hat er im Sommer intensiv gearbeitet. „Ich sehe mich als Shutdown-Verteidiger“, so Reinbacher. Seine Aufgabe sei es vor allem, gegnerische Angriffe zu unterbinden und den Stürmern das Leben schwer zu machen. Gleichzeitig will er sich nicht ausschließlich auf seine Defensivqualitäten reduzieren lassen.

Besseres Gap Control, schnellere Entscheidungen, effizientere Puck-Rückeroberungen und ein körperbetonteres Spiel standen ebenso auf seinem Arbeitsplan wie Skating und die vielen kleinen Details, die auf NHL-Niveau den Unterschied machen können.

Hutson findet schnell Gefallen an Reinbacher

Wie gut diese Entwicklung tatsächlich funktioniert, kann Reinbacher derzeit direkt im NHL-Camp zeigen. Besonders interessant: Die Canadiens testen ihn als Partner von Lane Hutson. Der junge US-Verteidiger bringt viel offensive Kreativität mit, während Reinbacher eher für defensive Stabilität steht.

Nach den ersten Spielen der laufenden Preseason zeigte sich Hutson jedenfalls ausgesprochen zufrieden mit seinem österreichischen Teamkameraden. „Er sah gut aus“, sagte er am Montag, rückblickend auf das 3:2 n.V. gegen die Ottawa Senators. Reinbacher sei „einfach zu lesen“ und habe zahlreiche gegnerische Spielzüge unterbunden: „Er hat viele gegnerische Aktionen zerstört“, befand Hutson anerkennend.

Sein Gesamturteil fiel ebenfalls eindeutig aus: „Ich fand, er hat großartig gespielt.“

Ganz reibungslos funktionierte die Zusammenarbeit zunächst allerdings noch nicht. Gerade zu Beginn habe es zwischen den beiden Verteidigern etwas zu viel Verkehr gegeben. „Am Anfang war es ein bisschen eng zwischen uns“, erklärte Hutson.

Beide passten ihr Spiel daraufhin an. Sie arbeiteten mit mehr Überlappungen und Crossovers, wodurch sich die Räume öffneten. „Er hat dann ein paar Anpassungen vorgenommen und danach sah es viel besser aus“, lobte Hutson. Auch Reinbachers grundsätzliche Spielweise gefällt ihm. „Er spielt hart. Er spielt einfach. Er trifft gute Entscheidungen.“

David Reinbacher Lane Hutson 09222026

Trainer St. Louis gibt ihm Vertrauen

Auch Trainer Martin St. Louis beobachtet die Entwicklung seines jungen Verteidigers aufmerksam. Und seine Beschreibung klingt ziemlich genau nach dem Profil, das die Canadiens von Reinbacher benötigen könnten.

„Er ist ruhig, er setzt seinen Schläger defensiv gut ein und er ist clever mit dem Puck“, sagte St. Louis. Gerade die Ruhe scheint dabei ein wichtiger Punkt zu sein. Reinbacher soll nicht versuchen, krampfhaft zu beweisen, dass er ein Top-5-Pick ist. Er soll einfach sein Spiel spielen.

Genau das habe St. Louis ihm auch mit auf den Weg gegeben: „Ich habe ihm gesagt: Keine Erwartungen, sei einfach du selbst, geh raus und spiel.“ Reinbacher habe diese Vorgabe umgesetzt. St. Louis' anschließendes Urteil: „Es macht Spaß, ihm zuzusehen.“

Das dürfte für den Österreicher nach den vergangenen zwei Jahren ein wichtiges Signal sein. Der fünfte Pick beim NHL Draft 2023 musste lange darauf warten, wieder über sportliche Dinge sprechen zu können. Verletzungen hatten seine Entwicklung immer wieder gebremst. Nun soll endlich das Eishockey im Mittelpunkt stehen.

Reinbacher selbst hat ohnehin längst entschieden, wie er mit den Rückschlägen umgehen will. Nicht aufzugeben, sondern jeden Tag wieder aufzustehen und für seinen Traum zu arbeiten, sei eine der wichtigsten Lektionen gewesen, die er gelernt habe.

Jetzt geht es darum, diese Haltung in Leistung umzumünzen. Und dafür bekommt er in Montreal derzeit eine durchaus interessante Bühne – möglicherweise sogar an der Seite von Hutson.

Auf die Frage, warum er bereit für die NHL sei, hatte Reinbacher schon vor den ersten Preseason-Spielen eine bemerkenswert selbstbewusste Antwort parat: „Warum ich bereit bin? Das werdet ihr in den Spielen sehen.“

Genau das tut er jetzt. Und zumindest die ersten Rückmeldungen aus Montreal klingen ziemlich vielversprechend.

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