Lafreniere DRAFT

Der NHL Draft 2020 wird am 6./7. Oktober virtuell durchgeführt und NHL.com/de hält mit entsprechender Vorberichterstattung auf dem Laufenden. In der heutigen Ausgabe: Zehn besonders beachtenswerte Themen rund um den Draft.

Ausnahmetalent für die Rangers
Auston Matthews und Patrik Laine, Nico Hischier und Nolan Patrick, Jack Hughes und Kaapo Kakko, meist liefern sich zwei Spieler ein Duell um den ersten Pick, das bis zum Ende relativ spannend bleibt. Beim NHL Draft 2020 zweifelt jedoch niemand daran, dass die New York Rangers mit dem ersten Zug Alexis Lafreniere auswählen werden.
Der kanadische Außenstürmer gilt seit Jahren als eines der größten Talente der Welt und ist in diesem Jahrgang die klare Nummer eins. Er könnte der zentrale Baustein für eine goldene Ära der Rangers werden. Die hatten mit dem zweiten Pick im vergangenen Jahr Kakko geholt und diese Saison auf weitere starke und junge Talente wie die Rookie-Verteidiger Adam Fox und Ryan Lindgren sowie Stürmer Filip Chytil vertraut.
Vergangene Saison wurde Lafreniere zum zweiten Mal in Folge als Spieler des Jahres in der Canadian Hockey League ausgezeichnet, eine Ehre, die vor ihm nur Sidney Crosby zuteilwurde. Kein Wunder, dass Lafreniere bereits mit Crosby verglichen wird.

rangers lafreniere

Zieht Stützle an Draisaitl vorbei?
In diesem Jahrgang ist jedoch nicht nur Lafreniere besonders stark, die Dichte an Talenten galt lange nicht mehr als so hoch. Trotz vieler talentierter Stürmer sind sich die Experten so gut wie sicher: Platz zwei und drei machen zwei Spieler unter sich aus und darunter befindet sich ein Deutscher, nämlich Tim Stützle von den Adler Mannheim.
Er wurde bereits als der nächste Leon Draisaitl bezeichnet und könnte dem Topscorer der NHL schon jetzt in einer Hinsicht den Rang ablaufen. Sollte er an zweiter Stelle ausgewählt werden, wäre er vor Draisaitl (2014, Position drei) der am höchsten gedraftete deutsche Spieler aller Zeiten. Dazu muss er sich jedoch gegen Center Quinton Byfield durchsetzten, der nach Meinung vieler Scouts die Nase leicht vorne hat. Ein Vorteil für Stützle könnte sein, dass die Los Angeles Kings den zweiten Zug haben. Dort ist Marco Sturm Assistenztrainer, der Stützle bestens kennt.

Tim Stutzle

Historischer Draft für Byfield
Für Byfield bahnt sich ebenfalls ein historischer Draft an. Sollte der Kanadier mindestens an Position drei ausgewählt werden, wäre er der an höchster Stelle gedraftete farbige Spieler aller Zeiten. Dieser Umstand findet in Nordamerika in Anbetracht der Unruhen und Demonstrationen gegen die Ungleichbehandlung von Minderheiten und den Bemühungen der NHL für Gleichberechtigung große Aufmerksamkeit. Bislang halten Evander Kane (Nr. 4, 2009) und Seth Jones (Nr. 4, 2013) den Rekord.
Rossi wandelt auf Vaneks Spuren
Der NHL Draft 2020 ist nicht nur wegen der besonderen Umstände in Zeiten der Coronavirus-Pandemie ein einmaliger Draft, er hat zudem jede Menge Potenzial für besondere Momente und Premieren. Eishockey-Österreich hat ebenfalls eine berechtigte Hoffnung auf den besten Draft-Pick der Alpenrepublik in der Geschichte der Liga. Marco Rossi wird als Kandidat für die vierte Position gehandelt. Er beeindruckte vergangene Saison mit 120 Punkten (39 Tore, 81 Assists) in 56 Spielen für die Ottawa 67's in der Ontario Hockey League. Rossi überbot sogar Lafrenieres 112 Punkte (35 Tore, 77 Assists) und wurde damit der Topscorer der OHL und der gesamten Canadian Hockey League. Er könnte den legendären Thomas Vanek (Nr. 5, 2003) als den an höchster Position gedrafteten österreichischen Spieler aller Zeiten ablösen.

MarcoRossi

DEL-Trio könnte für Hattrick sorgen
Der deutsche Nachwuchs könnte mit drei Picks in der ersten Runde für einen nie dagewesenen Hattrick sorgen. Neben Stützle gelten John Jason Peterka vom EHC Red Bull München und Lukas Reichel von den Eisbären Berlin als potenzielle Kandidaten für die erste Runde. Beide waren wie Stützle vergangene Saison bereits mit 17 Jahren Stammspieler bei Spitzenteams in der DEL. Peterka liegt im Ranking des NHL Central Scouting bei den internationalen Skatern auf Rang sieben. Reichel steht an elfter Stelle.
Wer sichert sich den russischen Elite-Torwart?
Obwohl der Jahrgang als besonders offensivstark gilt, gibt es auch auf anderen Positionen beachtliche Kandidaten. Im Tor ist das allen voran der 18-jährige Russe Yaroslav Askarov. Das in Omsk geborene Ausnahmetalent könnte der beste russische Torwart der Draft-Geschichte werden, nachdem Andrei Vasilevskiy 2012 als Nummer 19 gewählt wurde. Askarov beweist sich derzeit als Torhüter bei keinem geringeren, als dem Spitzenteam SKA St. Petersburg in der KHL. Dort kam er in dieser Saison drei Mal zum Einsatz und lieferte mit 97,4 Prozent Fangquote, einem Durchschnitt von 0,74 Gegentoren pro Spiel und einem Shutout unglaubliche Zahlen.
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Drysdale und Sanderson im Fokus
Für Teams, die nach guten Verteidigern suchen, dreht sich alles um die Namen Jamie Drysdale und Jake Sanderson. Der Kanadier Drysdale belegt Platz drei des Rankings der nordamerikanischen Skater, der US-Amerikaner Sanderson folgt als Nummer vier. Sie werden vom NHL Central Scouting mit Charlie McAvoy und Cale Makar verglichen und dürften im Blickfeld jedes Teams stehen, das mit Problemen in der Abwehr kämpft.
Schwedische Offensivpower
Schweden stellt erneut einige der größten Talente, vor allem die Stürmer Alexander Holtz und Lucas Raymond dürfen auf eine frühe Wahl hoffen. Während Raymond als echte Allzweckwaffe gilt, zeigte Holtz das Potenzial, der vielleicht beste reine Torjäger dieses Jahrgangs zu werden. Fans der Teams, die sich die Rechte an einem der beiden Skandinavier sichern, dürfen sich in den kommenden Jahren sicherlich auf spektakuläre Tore freuen.

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Qualität trifft auf Quantität
Gleich vier Mannschaften dürfen in der ersten Runde mehr als einmal wählen. Die Anaheim Ducks (Züge 6 und 27) und Rangers (1 und 22) haben zwei Picks in der ersten Runde, die New Jersey Devils (7, 18 und 20) kommen dreimal zum Zug. Die stärkste Position haben jedoch die Ottawa Senators mit den potentiellen Erstrundenpicks Nr. 3, 5 und 28.
Trades und Überraschungen
Je nach Bedarf und Philosophie der Teams könnte es zu einigen Überraschungen im diesjährigen Draft kommen. Im vergangenen Jahr wurde etwa der deutsche Verteidiger Moritz Seider an sechster Stelle ausgewählt, obwohl sein Name erst gut zehn Plätze später erwartet wurde. In einem breit aufgestellten Jahrgang könnten sich solche Überraschung häufen. Dazu kommen mögliche Transfers von Draftpicks. Die Montreal Canadiens signalisierten bereits die Bereitschaft, ihren Pick der ersten Runde abzugeben, die Senators und Devils könnten einen ihrer drei Picks abgeben und bei den Winnipeg Jets wird über einen Transfer von Patrik Laine spekuliert, bei dem auch ein Pick in der ersten Runde herausspringen könnte.