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Die NHL hat am 26. Mai den Re-Start des Spielbetriebes mit 24 Mannschaften angekündigt. Sie werden in einem Format mit Vorrunde, Qualifikationsrunde und Playoffs den Stanley-Cup-Sieger 2020 ermitteln. In einer Serie wirft NHL.com/de einen Blick auf den Starfaktor der einzelnen Teams und präsentiert jeweils einen herausragenden Spieler. In dieser Ausgabe: Zdeno Chara von den Boston Bruins.

Wie wichtig ein Spieler für das Gesamtgefüge einer Mannschaft ist, zeigt sich oft gerade dann, wenn er nicht zur Verfügung steht oder nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Eine solche Erfahrung machten die Boston Bruins im vergangenen Jahr, als sich ihr Kapitän Zdeno Chara in Spiel 4 des Stanley Cup Finales gegen die St. Louis Blues einen Kieferbruch zuzog. Er setzte die Serie zwar fort, war jedoch durch die schwere Verletzung in den drei folgenden Partien enorm gehandicapt. Das war einer der Hauptgründe dafür, weshalb den Bruins am Ende der Cup-Sieg verwehrt blieb.

Dass Chara seinerzeit trotz starker Schmerzen auflief, unterstreicht seinen ausgeprägten Teamspirit und unbändigen Siegeswillen. Genau dies macht ihn für Boston so wertvoll. Ohne ihren hünenhaften Verteidiger kann man sich die Bruins kaum vorstellen. Mit seinen inzwischen 43 Jahren ist er derzeit der älteste aktive Spieler in der NHL. Wenn es nach ihm geht, wird er das auch noch ein Weilchen bleiben. Denn ans Karriereende denkt er noch längst nicht. "Ich liebe das Spiel nach wie vor. Mir macht es große Freude, raus aufs Eis zu gehen und mich in den Wettkampf zu stürzen. Wenn alles passt, werde ich auf jeden Fall weitermachen", sagte er kürzlich. Die Verantwortlichen des Klubs werden diese Worte gerne vernommen haben. Schließlich ist der Slowake trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch ein, wenn nicht gar der Schlüsselspieler bei den Bruins.

In der regulären Saison 2019/20 kam Chara in 68 von 70 möglichen Begegnungen zum Einsatz und sammelte 14 Scorerpunkte (fünf Tore, neun Assists). Darüber hinaus hatte er eine Plus-Minus-Bilanz von +26 zu verzeichnen. Mit diesem Wert belegte er den geteilten sechsten Platz in der NHL-Gesamtwertung. Durch seine starken Defensivleistungen hatte er außerdem großen Anteil daran, dass die Bruins die wenigsten Gegentreffer (174) in der Liga hinnehmen mussten.

STL@BOS, Sp5: Fans geben Chara berauschenden Empfang

Chara befindet sich mittlerweile in seiner 22. NHL-Saison. Nach acht Jahren bei den New York Islanders und den Ottawa Senators unterschrieb er im Juli 2006 als Free Agent einen Vertrag bei Boston. Drei Monate später wurde er dort zum Mannschaftskapitän ernannt. 2011 gewann er mit den Bruins den Stanley Cup. 2013 scheiterte er mit seinem Team im Finale an den Chicago Blackhawks. Das gleiche Schicksal ereilte ihn wie erwähnt im Vorjahr gegen die Blues.

Nach wie vor träumt der Defensivmann von einem erneuten Triumph im Stanley Cup. Sollte er es dieses Jahr tatsächlich schaffen, wäre er der älteste Teamkapitän in der NHL-Geschichte, der den Pokal in seinen Händen hält. Zugleich wäre er der erste in Europa geborene Spieler, der seine Mannschaft als Kapitän zu mehr als einem Erfolg im Stanley Cup führt. Und wenn er nach dem 21. Juli in einem Match den Game-Winner erzielt, ist er außerdem der älteste Siegtorschütze aller Zeiten in den Playoffs. Altersrekordhalter in Sachen Playoff-Game-Winner ist sein ehemaliger Bostoner Teamkollege Mark Recchi. Er war zum Zeitpunkt seines historischen Treffers im Jahr 2011 genau 43 Jahre und 125 Tage alt.

Für den von der NHL angekündigten Re-Start hat sich Chara einiges vorgenommen. Während der Zwangspause hielt er sich zunächst in Florida auf. In der Zwischenzeit ist er nach Boston zurückgekehrt und freut sich, dass er ab der nächsten Woche wieder zusammen mit seinem Mannschaftskollegen auf dem Eis trainieren kann. Auch wenn dies in Phase 2 vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs zunächst nur in Kleingruppen möglich sein wird. "Wir müssen dankbar sein, dass wir die Chance haben, die Runde fortzusetzen. Das ist eine enorme Motivation", meinte Chara. Er werde die Gelegenheit beim Schopfe packen und alles dafür tun, dass die Bruins erfolgreich abschneiden.

Mit seiner geballten Erfahrung aus 1553 Hauptrunden-Spielen (656 Punkte) und 182 Playoff-Auftritten (68 Punkte), seiner Technik, Härte und Leidenschaft kann er in den nächsten Wochen ohne Zweifel zum entscheidenden Faktor für die Bruins auf dem Weg zum Stanley Cup werden.