Die Highlights und spielentscheidenden Szenen aus dem Spiel zwischen den Colorado Avalanche und den Vancouver Canucks

Superstar Nathan MacKinnon erreicht als erster Spieler in der NHL-Saison 2025/26 das 50-Tore-Plateau - wenn diese Nachricht nicht der Aufhänger eines Spiels ist, dann spricht das ganz klar für einen packenden Eishockey-Abend. So passiert am Mittwoch in der Ball Arena in Denver, wo die Colorado Avalanche einen 14-Tore-Wahnsinn trotz einer zwischenzeitlichen Aufholjagd am Ende mit 6:8 gegen die Vancouver Canucks verlor.

Klartext von Bednar: „Es gibt keine Entschuldigung“

Jared Bednar musste auf der Pressekonferenz noch einmal deutlich hörbar durchatmen, bevor er ein erstes Statement in einem ruhigen Ton ins Mikrofon sprach. Ein Moment der Selbstdisziplin, denn innerhalb des Avalanche-Trainer muss es ordentlich gearbeitet haben.

„Mir hat gefallen, wie wir im dritten Drittel gespielt haben. Aber die Realität ist: Wenn du in dieser Liga gewinnen möchtest, dann musst du so für 60 Minuten spielen. Diesbezüglich waren wir nicht einmal nahe dran. Es war kein gutes erstes Drittel, im zweiten ist es sogar noch schlimmer geworden. Wenn ihr Abzeichen für gute Leistungen vergeben wollt, dann stehen wir da drüber, denn Einsatz für 20 Minuten ist nicht gut genug“, so Bednar.

Diese fünf Sätze waren die längste Aussage, die Colorados Headcoach zu bieten hatte. Folgefragen moderierte er kurz und knackig ab. Ob er etwas Positives aus dieser Partie ziehen könne? „Nichts. Am nächsten dran an etwas Positiven ist das, worüber wir gerade gesprochen haben. Aber nochmal: Das können wir besser. Wenn es der Beginn der Saison gewesen wäre, bei dem wir solche Fehler machen. So kannst du auftreten, wenn du ein Testspiel mit ein paar Jugendlichen machst - aber nicht jetzt.“ Was schiefgegangen ist? „Die Liste ist zu lang.“ Über das Spiel seines Starters Mackenzie Blackwood (13 Saves, 68,4 Prozent Fangquote)? „Er ist einer von 20 Spielern. Das war nicht gut genug. Mehr kann ich nicht sagen.“

Die wilde 6:8-Niederlage des bereits für die Stanley Cup Playoffs qualifizierten und enteilten NHL-Spitzenreiters gegen das bereits eliminierte und weit abgeschlagene Liga-Schlusslicht als Ausrutscher zu deklarieren, kam Bednar gar nicht erst in den Sinn. Stattdessen formulierte er scharf: „Es gibt keine Entschuldigung. Wenn wir eine Entschuldigung für so einen Auftritt finden würden, dann wird es eine kurze Saison werden.“

VAN@COL: MacKinnon erzielt aus dem High Slot seinen 50. Saisontreffer

Torwartwechsel noch vor der zweiten Pause

Doch was war passiert, um Bednar derart zu erzürnen? Sowohl im ersten (12:7) als auch im zweiten Durchgang (8:6) gab Vancouver mehr Torschüsse ab und führte zur ersten Pause mit 3:2 sowie zur zweiten mit 6:2. Darunter ein früher Führungstreffer der Canucks nach gerade einmal 29 Sekunden (Max Sasson, 1.), zwei Doppelpacks von Teddy Blueger (6., in Unterzahl; 26.) und Brock Boeser (30., 36.) sowie drei unbeantworteten Toren im Mitteldrittel. Bednar zog Konsequenzen, tauschte den Torwart und brachte Scott Wedgewood (fünf Saves, 83,3 Prozent Fangquote) für Blackwood.

„Es hat sich heute so angefühlt, als wären sie immer einen Schritt schneller gewesen als wir. Wenn du deinem Gegenspieler in dieser Liga einen Meter Platz gibst, dann wirst du ihn nicht mehr einholen“, sagte Wedgewood.

„Es war nicht gut“, räumte Colorados Verteidiger Sam Malinski ein. „In den ersten zwei Dritteln hatten wir keinerlei Details in unserem Spiel. So kannst du nicht spielen.“

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle

In der Pause konnte sich die Avalanche sammeln. „Es musste nicht viel gesagt werden“, so Malinski. „Wir mussten besser spielen, das wusste jeder. Wir wollten einen guten Start haben. Man konnte die Emotionen sehen. Es wurde ein Funken entzündet.“

Nur 14 Sekunden nach Wiederbeginn brachte Parker Kelly die Hoffnung zurück (41.). Auch ohne den verletzten Verteidiger-Superstar Cale Makar folgte eine erfolgreiche Aufholjagd dank zweier Tore innerhalb von nur 37 Sekunden von Brent Burns und Malinski (beide 54.) zum 6:6.

„Mit diesem Team bist du niemals zu weit weg“, betonte Wedgewood. „Ich hatte die Einstellung, reinzukommen, helfen zu wollen und Ruhe reinzubringen. Es war eines dieser verrückten Spiele, in denen komische Abpraller reingehen und sie aus welchem Grund auch immer so viele Alleingänge starten können. Wir wollten ein frühes Tor schießen, was uns auch gelungen ist. Das hat uns wieder Leben eingehaucht. Wir haben die Chance, zurückzukommen und fangen uns wieder so ein komisches Tor ein.“

Der Ausgleich hielt nur 23 Sekunden. Dann wurde ein Schuss von Vancouvers Marcus Pettersson abgefälscht und schlug zum 7:6 ein (55.). Boeser machte seinen achten NHL-Hattrick mit einem Empty-Net-Treffer perfekt und besorgte den Endstand (58.).

„Manchmal ist Hockey einfach so“, rang Wedgewood nach einer Erklärung. „Keiner spielt eine 82-0-Saison. So läuft es manchmal.“

VAN@COL: Boeser gelingt sein achter NHL-Hattrick in wildem 8:6-Sieg

MacKinnon erreicht 50-Tore-Plateau

Aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse spielte das 50. Saison-Treffer von Nathan MacKinnon tatsächlich nur eine Nebenrolle. Mit einem präzisen Handgelenksschuss aus dem hohen Slot markierte der Superstar das zwischenzeitliche 1:1 (2.).

Der 30-jährige Kanadier ist erst der fünfte aktive Spieler, der mehrere 50-Tore-Saison spielte. In der aktuellen Spielzeit brauchte er für dieses Kunststück nur 73 Spiele, was ihn zum schnellsten Spieler der Franchise-Geschichte macht, um die 50-Treffer-Marke zu erreichen. MacKinnon (50-71-121) ist aktuell der zweitbeste NHL-Scorer mit nur vier Punkten weniger als Top-Scorer Connor McDavid (Edmonton Oilers; 75 Spiele, 43-82-125).

All das dürfte Colorados Nummer 29 nach so einem Abend genauso wenig trösten wie seinen Trainer.

Verwandte Inhalte